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Andacht vom 25.05.2008:

Rücktritt ohnegleichen

Jesus aber sagte zu ihnen: "Mein Vater ist ständig am Werk und deshalb bin ich es auch." Johannes 5,17 (Gute Nachricht Bibel)

"Gott tritt überraschend zurück." Die Zeitungsnotiz machte mich stutzig. Sollte das ein Scherz sein? Hatte da etwa ein Pfarrer eine ausgefallene Idee, um auf seine Sonntagspredigt aufmerksam zu machen? Handelte es sich vielleicht um ein neues Bühnenstück in Anspielung auf Becketts "Warten auf Godot"? Oder wollte der Sänger Karel Gott seine Karriere beenden? Nichts davon. Rolls-Royce-Chef Tony Gott war nach zweijähriger Amtszeit mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Eine Begründung wurde nicht genannt, doch die hätte mich kaum interessiert, denn ich kannte Herrn Gott ja nicht. Doch für einen Augenblick schoss mir ein seltsamer Gedanke durch den Kopf: Was wäre eigentlich, wenn Gott - Schöpfer des Universums und Erhalter des Lebens - sich eines Tages tatsächlich entschließen würde, von seinem Amt zurückzutreten? Gewiss, der Gedanke ist völlig hypothetisch und absurd. Und trotzdem - stellen wir uns einmal vor, Gott hätte keine Lust mehr darauf, sich um uns und die Welt zu kümmern. (Verübeln könnten wir es ihm eigentlich nicht, nach allem, was wir ihm angelastet und wie wir ihn behandelt haben.) Was wäre dann mit uns? Zöge er sich zurück, würde die Welt im Handumdrehen ins Chaos sinken. Ohne das Wirken seines Geistes würden wir das Streben nach dem Wahren und Guten eintauschen gegen die ungezügelte Lust am Zerstörerischen und Bösen. Ohne die ständige Fürsorge unseres Vaters im Himmel könnten wir nicht einmal leben.

Im Allgemeinen machen wir uns wenig Gedanken darüber, was die Welt äußerlich in Gang und im Innern zusammenhält. Was uns selbstverständlich erscheint, weil wir es täglich sehen und erleben, löst kaum tiefe Gedanken oder Gefühle bei uns aus. Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, dass auch heute Blumen blühen und Früchte reifen, dass Regen fällt, die Sonne scheint, dass wir atmen und leben. All das verdanken wir dem unaufhörlichen Wirken Gottes für unsere Welt - seine Schöpfung. Wie sagte doch Jesus: "Mein Vater ist ständig am Werk und deshalb bin ich es auch." Weil Gott heute für uns da ist und liebevoll für uns sorgt, will auch ich mich an diesem Tag um andere kümmern und mich fürsorglich für meine Welt einsetzen. So kann ich Gott ehren, meine Dankbarkeit zeigen und gleichzeitig für meine Mitmenschen zum Segen werden.

Rolf J. Pöhler

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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