Andacht vom 14.12.2008:
Augen auf und offen lassen!
Aber er antwortete: Über das Aussehen des Himmels könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen? Matthäus 16,3
Mitten hinein ins Weihnachtsfest 2004 platzte die Nachricht von dem verheerenden Seebeben in Südasien. Es gibt für diese Katastrophe zwar eine geologische Erklärung, doch die Frage nach dem Sinn solch einer Tragödie bleibt davon unberührt. Aber vielleicht finden wir eine Erklärung über den Sinn danach und wie wir mit solchen "Zeichen der Zeit" umgehen können. Im Grunde leben wir alle täglich an der Grenze zwischen Leben und Tod, doch keiner weiß, wann er sie überschreiten wird.
Am 4. Januar 2005 war in einer Tageszeitung als Schlagzeile zu lesen: "Zehnjährige rettete 100 Urlauber." "Weil sie in der Schule gut aufpasste, hat eine britische Schülerin in Thailand ihre Familie und rund 100 andere Touristen gerettet." Die zehnjährige Tilly Smith habe die Gefahr erkannt, als sich das Wasser plötzlich zurückzog, und ihre Mutter gewarnt. Sie habe von der Wirkung von Flutwellen nach Seebeben erst zwei Wochen zuvor im Unterricht erfahren. Ihre Eltern warnten daraufhin Urlauber und Beschäftigte des Hotels auf der Insel Phuket. Laut der Londoner Zeitung "The Sun" war dieser Strandabschnitt auf Phuket einer von ganz wenigen, an dem niemand getötet oder schwer verletzt wurde.
Von Ureinwohnern der Andamanen fehlte zunächst jedes Lebenszeichen. Sie hatten sich durch das Gebrüll von Elefanten, die sich ins Innere des Landes zurückzogen, warnen lassen. Während Tausende den Flutwellen zum Opfer fielen, verstanden die Eingeborenen die Warnsignale der Natur und überlebten.
Jesus empfiehlt angesichts kommender Ereignisse, die "Zeichen der Zeit" zu beachten: "Passt auf, dass ihr euch nicht durch ein ausschweifendes Leben und Trunkenheit und auch nicht durch die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken lasst! Sonst wird dieser Tag euch überraschen so wie eine Falle" (Lk 21,34.35 Hfa). Essen, Trinken, Liebe, Geschäft, Arbeit und vieles mehr können uns so beschäftigen, dass der Blick für Gott getrübt wird. Luther übersetzte den Text so: "Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden."
Könnte es sein, dass mich die Sorge um alltäglich und durchaus notwendige oder auch unnötige Dinge so in Anspruch nimmt, dass dadurch das eigentlich Wichtige - die Beziehung zu Gott und der Blick auf sein kommendes Reich - zu kurz kommt? Ich bitte: "Herr, lass mich die Zeichen der Zeit erkennen und richtig deuten."
Egon Schramm
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.






