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Andacht vom 27.02.2010:

"Warum habt ihr Angst?", fragte Jesus. "Wieso zweifelt ihr daran, dass ich es bin? Seht doch die Wunden an meinen Händen und Füßen! Ich bin es wirklich. Hier, fasst mich an und überzeugt euch, dass ich kein Geist bin. Geister sind doch nicht aus Fleisch und Blut!" Lukas 24,38.39 (Hoffnung für alle)

Zweifel und Glaubensnot sind offenbar alte Leiden. Aus heutiger Sicht waren die Jünger Jesu dabei besser dran als wir, denn sie konnten Jesus noch anfassen und ihn leibhaftig erleben.

Kürzlich erschien in einer österreichischen Zeitung eine kleine, aber Aufsehen erregende Notiz. Mutter Teresa, die Friedensnobelpreisträgerin von 1979 und Gründerin des katholischen Schwesternordens "Missionarinnen der Liebe", wurde fünfzig Jahre von Glaubenszweifeln gequält. In bisher unveröffentlichten Briefen an Beichtväter und geistliche Begleiter berichtet sie von "Qual", "Dunkelheit" und "Einsamkeit". Dies habe sie manchmal sogar an der Existenz Gottes zweifeln lassen.

Nachdem ich das gelesen und mich eine Weile gewundert hatte, stellte ich mir die sicher tausendfach erlebte Situation dieser außergewöhnlichen Helferin bedauernswerter Menschen in Kalkutta vor: ein so gut wie aussichtsloser Kampf gegen Lepra, die nicht enden wollende Not von Waisenkindern und der tagtägliche Ruf an Sterbebetten. Und das über fünf Jahrzehnte hinweg! Dabei betete sie, hoffte, ermahnte, kämpfte und half bis zur Erschöpfung - ohne erkennbaren Wandel der Lage. Sie diente doch einem mächtigen Gott. Warum half er nicht durchgreifender? Da kommen Zweifel gekrochen, und "Zweifel reimt auf Teufel", sagte Goethe einmal.

Selbst die Jünger wurden von Zweifeln an Jesu Auferstehung geplagt. Der Oberzweifler Thomas war nicht allein - und du und ich sind es auch nicht. Gottes Handeln völlig zu begreifen - das kann kein Mensch in seiner Unzulänglichkeit. So tröstet mich die Meldung aus Kalkutta nicht gerade, aber sie erschüttert mich aber auch nicht.

Einmal werde ich neben Hiob und Millionen anderer, erlöster Fragesteller stehen, meinen Vater im Himmel sehen und beginnen, ihn besser zu verstehen. Bis dahin tut Bescheidenheit mir gut; denn er liebt mich trotz meiner Zweifel. Und daran zweifle ich nicht.

Felix Schönfeld

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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