Andacht vom 24.05.2010:
Jesus spricht zu [Martha]: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?" Johannes 11,25.26
Meine erste konkrete Begegnung mit dem Tod erlebte ich auf dem Friedhof von Bad Aibling. Ich war längst kein Kind mehr, aber gelegentlich konnte ich doch der Versuchung nicht widerstehen, einen Blick in die Aufbahrungskapelle zu werfen. Eines Abends lag sie dort, jene alte Dame im Trachtengewand und mit der klassisch-bayerischen "Gretelfrisur". Die Kerzen beleuchteten ihr wächsernes Gesicht und unwillkürlich lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich konnte plötzlich gut verstehen, warum die meisten Menschen generell nur ungern und abends überhaupt nicht auf den Friedhof gehen.
Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen, und ich habe mehr als einmal Hinterbliebenen an den Gräbern der Angehörigen Trostworte aus dem Evangelium zusprechen dürfen. Doch was es mit diesem Trost wirklich auf sich hat, weiß ich eigentlich erst genau, seit ich ihn selbst nötig hatte. Auf einmal bekam die Sache buchstäblich ein ganz anderes Gesicht.
Zweimal stand ich innerhalb kurzer Zeit an den Särgen geliebter Menschen, und es hatte gar nichts Gespenstisches mehr, sie anzuschauen und mit einer letzten Berührung von ihnen Abschied zu nehmen, denn mitten im Abschiedsschmerz musste ich unwillkürlich an die Worte Jesu über Lazarus denken: "Lazarus, unser Freund, schläft, aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken." (Joh 11,11)
Für Jesus, den Fürsten des Lebens, war und ist der Tod nur ein Schlaf. Was könnte ihn dann hindern, auch die Augen unserer Lieben wieder zu öffnen und sie zu neuem Leben zu erwecken, wenn er es für richtig hält? Genau das hat er uns ja mehr als einmal fest zugesagt. Nie war es leichter als heute, diesen Zusagen zu vertrauen, denn ein Speicheltropfen oder ein einziges Haar genügen Fachwissenschaftlern, um das komplette Erbgut eines längst verstorbenen Menschen für alle Zeiten auf kleinstem Raum zu "konservieren". Sollte der Herr des Universums angesichts dessen nicht über ganz andere Möglichkeiten verfügen?
"Wer an mich glaubt, der wird leben", hat Jesus gesagt. Es wird ihn nicht viel mehr als einen Wimpernschlag kosten, dieses Versprechen wahrzumachen. Dass du das glauben kannst - wie damals Martha, die Schwester des Verstorbenen -, das wünsche ich dir!
Friedhelm Klingeberg
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.






