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Verfasser:Dr. Klaus Gstirner
Erschienen in:Top Life Magazin 3 / 2005

Wenn alles so sinnlos wird?!

Depressionen - Hintergründe und Ursachen

Die Depression ist in unserer modernen Gesellschaft ein immer häufiger werdendes Krankheitsbild. Sie wirkt sich auf den gesamten Menschen aus - die Psyche genauso wie den Körper. Darüber hinaus beeinflusst sie Beziehungen, die Arbeitswelt und Menschen, wo immer sie miteinander zu tun haben. Selbstmord hat in den meisten Fällen psychische Erkrankungen als Hintergrund.

In der Altersgruppe der 15-55jährigen steht die Selbsttötung an fünfter Stelle der Todesursachen. 80 Prozent der Menschen, die freiwillig aus dem Leben schieden, taten dies in einem depressiven Zustand. Die Suizidrate steigt bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Lebensalter.

Wie aktuell das Thema Depression gegenwärtig ist, kann man anhand der steigenden Verkaufszahlen von Psychopharmaka erkennen. "Der Zuwachs an Verschreibungen von Antidepressiva betrug zwischen 1990 und 1995 mehr als sechzig Prozent. Und dieser Trend hält auch weiterhin an." Landesarbeitsgemeinschaft zur Gesundheitsförderung Berlin

Die Symptome einer Depression sind unterschiedlich bemerkbar. Sie können sich psychisch (seelisch), aber auch organisch ausdrücken.

Psychische Symptome

Zu den psychischen Ausdrucksformen der Depression zählt das Gefühl der Sinnlosigkeit. Das Leben scheint keinen Sinn und Zweck mehr zu haben. Die Grundstimmung ist weinerlich. Typisch für eine Depression ist vor allem das "morgendliche Tief". Man ist schon morgens, trotz langen Schlafes, müde und ohne Antrieb. Schon das Aufstehen fällt schwer.

Oftmals geht die Depression mit dem Gefühl der Minderwertigkeit einher. Der Mangel an Selbstvertrauen leistet der Depression dabei Vorschub. Im Verlauf der Depression kommt es zu einem starken Leistungsabfall. Alltägliche Dinge wie kochen oder aufräumen können zu unüberwindlichen Problemen werden. Zu den psychisch vegetativen Symptomen kommt noch der "Grübelzwang". Die Gedanken drehen sich immer wieder um ein bestimmtes Problem. Es fällt schwer, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Organische Symptome

Neben den psychischen gibt es zahlreiche organische Symptome der Depression. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht mit einem körperlichen Leiden konfrontiert wird, dessen Ursache im seelischen Bereich liegt.

Ein Mann im mittleren Alter kommt in meine Praxis mit Herzbeschwerden. Immer wieder sei sein Puls unregelmäßig und deutlich zu schnell. Die wichtigsten Untersuchungen wie EKG, Herz-Ultraschall und Blutwerte ergeben jedoch keinen krankhaften Befund. Erst in einem ausführlichen Gespräch kann eine psychische Ursache für die Herzschmerzen gefunden werden. Auf Grund der familiären Situation wird eine leichte Depression festgestellt. Damit ist der richtige Ansatz der Therapie gefunden. Nach kurzer Zeit, in der der Patient lernt, mit der Situation richtig umzugehen, verschwinden die Herzschmerzen.

Auch der so genannte "wandernde Schmerz" kann psychische Ursachen haben. Ein Patient klagt über Schmerzen in der Halswirbelsäule. Eine genauere Untersuchung ergibt jedoch keinen pathologischen Befund. Eine Woche später plagen denselben Patienten Schmerzen in der Magengegend. Zwei Wochen darauf sind es Kreuzschmerzen und bald darauf erscheint der Patient mit Kopfschmerzen in der Praxis. Dabei konnte nie eine körperlich - organische Ursache gefunden werden. Auch hier ergab ein längeres Gespräch, dass es sich um eine versteckte Depression handelte. Der "Schmerz" und die "Spannung" des Lebens drückten sich in Schmerzen und Verspannungen im Körper aus.

Hinter körperlichen Anzeichen können psychische Ursachen stecken. Mit einer Diagnose muss man trotzdem vorsichtig sein. Nicht jeder, der über morgendliche Müdigkeit und Herzbeschwerden klagt, ist gleich depressiv. Hinter einer scheinbaren Depression kann sogar eine körperliche Ursache stecken. So gehen Schilddrüsenerkrankungen oder auch hormonelle Störungen oft mit dem Bild einer Depression einher. Es müssen immer mehrere Symptome gleichzeitig vorliegen. Wenn jemand über verschiedene Schmerzen klagt und sich gleichzeitig als antriebslos und überfordert beschreibt, liegt der Verdacht einer Depression sehr nahe. Aber es ist nur ein Verdacht. Der Patient muss unbedingt von einem Arzt untersucht werden. Erst wenn alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen werden können, kann man von einer Depression sprechen.

Ursachen einer Depression

Die Ursachen einer Depression kann man in erblich bedingten, körperlichen und psychisch/seelischen Bereichen finden. Oftmals tritt die Depression gehäuft in bestimmten Familien auf. Hierbei handelt es sich um eine Art Stoffwechselstörung. Man spricht von so genannter endogener Form der Depression. Auch wenn die Depression bereits im Jugendalter auftritt, handelt es sich oft um eine solche Depression. Zu den endogenen Depressionen zählt die manisch-depressive Krankheit. Diese Art der Depressionen sollte immer auch medikamentös behandelt werden.

Körperliche Erkrankungen

Neben den endogenen Formen der Depression können auch körperliche Erkrankungen zur Depression führen. Man spricht dann von einer somatogenen Form. Schilddrüsenerkrankungen oder Hormonstörungen können sich als Depression äußern. Auch Unfälle mit einem Schädel-Hirntrauma können organisch bedingte Depressionen auslösen. Aus diesen Gründen muss eine Depression immer vom Arzt abgeklärt werden.

Eine Blutuntersuchung mit Schilddrüsenwerten und den weiblichen Hormonen bei der Frau sollte immer durchgeführt werden. Hier steht primär die medikamentöse Behandlung im Vordergrund und nicht so sehr eine Gesprächstherapie.

Seelisches Leiden

Die meisten Ursachen einer Depression sind jedoch auf seelische Probleme zurückzuführen. Die reaktive Depression ist z.B. die Antwort auf ein einschneidendes Erlebnis. Ein Mensch, der durch einen Todesfall oder eine Scheidung den geliebten Menschen verloren hat, kann durchaus auf diese neue Situation depressiv reagieren.

Von einer Erschöpfungsdepression ist dann die Rede, wenn jemand wochenlang überlastet und überfordert worden ist. Am Ende steht der psychische und meist auch körperliche Zusammenbruch.

Eine weitere Ursache von Depressionen sind Probleme in der Lebensbewältigung, die man jahrelang im Leben "mitschleift". Mangelndes Selbstwertgefühl, der Verlust des Arbeitsplatzes, Erlebnisse der Kindheit und vieles mehr können sich plötzlich als Depression bemerkbar machen. In diesen Fällen wird in der Therapie vor allem das Gespräch im Vordergrund stehen.

Oft ist es sinnvoll, am Anfang einer Gesprächstherapie diese medikamentös zu begleiten. Dazu gibt es verschiedene Medikamente - solche, die antriebsfördernd sind und andere, die beruhigend wirken. Die dritte Art der Medikamente zielt auf die körperlichen Beschwerden. Es gibt heute Arzneien, die durchaus sinnvoll sind, nicht abhängig machen und auch zu keiner Wesensveränderung führen. Jede medikamentöse Therapie sollte aber immer vom Arzt überwacht werden und durch psychotherapeutische Gespräche begleitet werden.

Vorbeugung in der Kindheit

Die Ursachen der Depression können bis in die Kindheit reichen. Dies ist ein Grund mehr, der Erziehung unserer Kinder einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Ein Kind, das in einer liebevollen und geordneten Familie aufwächst und zur Selbstständigkeit erzogen wird, ist später weit weniger anfällig für Depressionen. Dabei sei auch erwähnt, dass nicht immer und an allem die Eltern schuld sind. Wir Menschen sind für unser Leben als Erwachsene durchaus selbst verantwortlich.

Depression und Lebensstil

Der Lebensstil kann eine Depression fördern oder ihr entgegenwirken. Wer unregelmäßig zu Bett geht, die halbe Nacht über vor dem Fernseher sitzt und sich zudem noch viel zu wenig bewegt, gehört in diese Risikogruppe.

Vorbeugung und Therapien

In der modernen Medizin wird oftmals die Lichttherapie angewandt. Licht übt einen positiven Einfluss auf die Psyche aus. Weitere Formen der Depressionsbehandlung sind die so genannte Bewegungstherapie und die Ordnungstherapie. Durch Bewegung werden Endorphine (Glückshormone) produziert. Täglich ein flotter Spaziergang an der frischen Luft sowie Sonnenlicht wirken sich auch auf die Psyche aus und können Depressionen vorbeugen.

Zur Ordnungstherapie zählt unter anderem die Regelmäßigkeit im Tagesablauf. Regelmäßig frühstücken, mittagessen und ausreichend Schlaf wirken auch einer Depression entgegen. Sicherlich kann man mit seinem Lebensstil nicht jede Depression verhindern. Wer aber reichlich Bewegung an der frischen Luft macht, regelmäßig frühstückt, viel frisches Obst und Gemüse isst und ausreichend schläft, zählt zu jener Personengruppe, in der Depressionen weit seltener vorkommen.

Depressionen finden sich häufig bei Menschen, die überfordert sind, keine Bewegung machen und bis spät in die Nacht hinein arbeiten - womöglich noch stark rauchen und sich durch reichlichen Konsum von Kaffee wach halten.

Sinnvoll leben!

Der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, Dr. Viktor Frankl, sagte: "Das Leben hat einen Sinn oder es hat keinen. Erst wenn wir erkennen, dass Leben sinnvoll ist, ist es auch sinnvoll, sich für die Gesundheit oder gegen Krankheit einzusetzen."

Tatsächlich geht es dem Menschen von heute eigentlich nicht so sehr um ein Glücksgefühl, sondern vielmehr um einen Grund, glücklich zu sein. Wer ein Wofür hat, erträgt fast jedes Wie. Das soll heißen: Wenn ich einen Sinn im Leben habe, wenn ich der Meinung bin, dass mein Leben grundsätzlich sinnvoll ist, wird sich das Glücksgefühl als Folge dessen von selber einstellen. Natürlich ist dies auch ein ganz wesentlicher Aspekt, der einer Depression vorbeugen kann. Sinn im Leben entsteht, indem ich sinnvolle Werte verwirkliche. Es steht auch außer Zweifel, dass der religiöse Mensch viel leichter einen Sinn in seinem Leben findet als der Nichtreligiöse. Allerdings kann Glaube, wenn er falsch gelebt wird, durchaus auch einengend wirken. Nämlich immer dann, wenn es mir um Seelenheil auf Kosten seelischer Heilung geht. Ich denke, Seelenheil im religiösen Sinne sollte immer auch zu seelischer Heilung führen. Dazu muss ich jedoch eine Beziehung zu einem Gott haben, der mich liebt und mir vergibt, und nicht einen Gott anbeten, der sich an mir rächt, vor dem ich Angst haben und Zittern muss, wenn ich einen Fehler begangen habe. Es geht also um das Motiv im Glauben. Handle ich aus Angst oder aus dem Bewusstsein, von einem liebenden Gott gewollt und geschätzt zu sein. Ein solcher Glaube wird einer Depression immer entgegenwirken, wenngleich dies nicht heißen soll, dass ein Christ keine Depression bekommen kann.

Sinn im Leben, sei er religiös oder indem ich sinnvolle Werte verwirkliche, wird immer einer Depression vorbeugen oder ihr entgegen wirken. Aus psychohygienischer Sicht ist der Sinn im Leben ganz wesentlich.

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