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Verfasser: Heinz Schumacher
Erschienen in:Top Life Magazin 1 / 2009

Die Offenbarung

Ein Gespräch mit Johannes über das letzte Buch der Bibel

C Jupiter Images
Was wäre dies für ein Glücksfall, einmal mit dem Schreiber des letzten Buches der Bibel sprechen zu können! Aber Johannes ist nun fast zwei Jahrtausende tot. Doch was er niedergeschrieben hat, besitzt gerade heute die allergrößte Aktualität. Das letzte Buch im Wort Gottes ist mit einem Ozean vergleichbar, in den die verschiedensten Flüsse der Prophezeiungen einmünden, vor allem aber die Prophezeiungen Daniels.

Johannes war schon ein alter Mann, als er auf Patmos zum Schreiben seines dramatischen Werkes inspiriert wurde. Stellen wir uns einmal vor, wir seien ihm in den letzten Monaten seines bewegten Lebens begegnet. Wie wären wir motiviert gewesen, noch gründlicher als bisher seine wichtigen Informationen zu verstehen! Vielleicht liefe ein Gespräch so ab:

"Lieber Johannes, es sagen so viele Leute, häufig auch Christen: 'Was uns Johannes da überliefert hat, ist das große Einmaleins der Schrift, das brauchen wir nicht zu verstehen. Es ist ja auch sooo schwierig. Uns genügt das kleine Einmaleins: Jesus ist für uns gestorben. Wir kommen alle in den Himmel! Und dann haben wir ja noch in den Psalmen etliche Kernsprüche für bestimmte Situationen unseres Lebens. Das müsste eigentlich genügen.' Warum mutest du uns so viel zu denken und zu studieren zu?" "Ich euch? Da irrt ihr aber. Unser Herr hat mir gesagt, dass ich dies schreiben soll, und ich gebe es so an euch weiter: 'Selig ist, der da liest, selig sind, die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.'" (Offb. 1, 1-3) "Ach, lieber Johannes. Die Zeit ist nahe – heißt es. Wir warten jetzt schon so lange, seitdem unser Herr Jesus diese Erde verlassen hat. Bis sich das alles ereignet, was du da ankündigst, kann es noch lange dauern. Vielleicht noch viele Jahrhunderte."

"Obwohl Gottes Zeitrechnung eine andere ist als die unsrige, können wir uns da gewaltig täuschen. Ich verstehe zwar das mir Gezeigte auch nur zum Teil, aber eines weiß ich: Die gewaltigen Voraussagen begannen sich schon Jahrzehnte nach der Himmelfahrt unseres Herrn zu erfüllen. Nur noch weniges ist offen.

"Wie aber soll man das alles verstehen: Sieben Gemeinden, sieben Siegel, sieben Posaunen, sieben Plagen – da schwirrt einem doch der Kopf."

"Das gebe ich gerne zu. Aber es hilft uns sehr, wenn wir zum Verständnis der Offenbarung die Hinweise aus dem Alten Testament berücksichtigen und hier vor allem das, was der Prophet Daniel überlieferte. Wir können uns wirklich nicht damit herausreden, der Herr Jesus bürde uns zu viel an Denkarbeit auf, wenn er in verschlüsselter Form sein Volk auf bestimmte Ereignisse in der Welt- und Heilsgeschichte vorbereiten möchte. Sagen wir es einmal so: Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht auf. Etwas erwartet er schon von uns, nachdem er uns von der Sünde erlöst hat. Und zwei meiner Freunde sind ja von unserem Heiland auch ganz sanft gerüffelt worden, als er sie nach seiner Auferstehung nach Emmaus begleitete und sie das gerade in Jerusalem Geschehene nicht verstanden hatten."

"Also, wo soll man beim Verständnis der Weissagungen denn anfangen?"

"Wo? Dort, wo Jesus Christus nach dem Lukas-Evangelium beim Schildern dieser Emmaus-Begegnung den Schwerpunkt legt: Jesus fing bei Mose und allen Propheten an und legte ihnen aus, was darin von Ihm gesagt war."

"Gut, lieber Bruder Johannes. Und wie kriegen wir jetzt die Kurve zum Buch der Offenbarung, das du geschrieben hast?"

"Nun, in diesem Buch wird geschildert, wie der große Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Christus und Satan begann und wie er zu Ende gehen wird. Den Anfang hat Mose in seinen Büchern berichtet – Jesus Christus lässt allen Menschen nun durch meine Feder offenbaren, wie dieser Kampf zu Ende gehen wird. Natürlich ist mir selbst noch vieles unklar, aber eines weiß ich: Unser Herr ist Sieger! Und seine letzten Worte in der Heiligen Schrift werden noch manchen Generationen helfen, die prophetischen Zeitketten im Daniel-Buch richtig zu verstehen. Daniel bekam nämlich gesagt: In der Endzeit werden viele Gotteskinder die großen Weissagungen verstehen – allerdings müssen sie rechten Hunger auf Gottes Wort haben, nicht nur ein bisschen Appetit auf ein paar gut mundende Bröckchen."

"Aber, lieber Johannes, du kannst uns doch ein bisschen mehr von dem erzählen, was du als Werkzeug in der Hand Jesu Christi für uns alle aufgeschrieben und selbst verstanden hast."

"Das ist in der Tat schon eine Menge. Ein paar Beispiele will ich anführen: Wie ihr gelesen habt, musste ich sieben Briefe unseres Herrn an bestimmte Gemeinden im Vorderen Orient verfassen."

"Wir haben sie alle gelesen: An die Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicea."

"Das freut mich sehr, dass ihr das schon verarbeitet habt. Aber kennt ihr auch das sogenannte apotelesmatische Prinzip des Verständnisses prophetischer Schriften?"

"Nein, das kennen wir nicht. Was bedeutet es?"

"Es bedeutet, dass biblische Prophetie in der Regel mehrfach gedeutet wird. Erstens betrifft die Anrede Gottes zunächst den Leser ganz persönlich. Jedes Wort der Heiligen Schrift ist zuallererst an mich und dich gerichtet. Dann betrifft es – wie in diesem Fall – den genannten Adressaten, also die Gemeinden von Ephesus bis Laodicea. Und drittens werden hier ganze Abschnitte des Heilsgeschehens in der Gemeinde Jesu Christi, aber auch die Entwicklungen in ihr und um sie herum aufgezeigt."

"Nenne uns ein Beispiel."

"In Ordnung. Da heißt es im Brief an die zweite Gemeinde Smyrna, sie sei eine Leidensgemeinde, die deshalb von unserem Herrn sehr gelobt wird. Aber der Herr hält ihr gleichzeitig vor, dass innerhalb dieser Gemeinde Menschen das Sagen bekommen, die sich an der ,Lehre Bileams‘ orientieren."

"Na und? Worin bestand diese?"

"Das könnt ihr im Alten Testament nachlesen. Bileam war ein korrupter Prophet. Ein Elias-Wort trifft auf ihn zu: Er hinkte auf beiden Seiten. Das bedeutet, er wollte durchaus bei Gott als Prophet angesehen sein, aber zugleich liebäugelte er mit dem Reichtum der Welt. Um dieses Reichtums und des Ansehens in der Welt willen war er bereit, bewährte geistliche Prinzipien zu opfern. Genau diese Entwicklung wird nun bald in der Gemeinde Gottes einsetzen. Ich hörte gerade von einem neuen Bruder namens Paulus. Der hat das so ausgedrückt: 'Gräuliche Wölfe werden in der Gemeinde aufstehen und falsche Lehren verkünden.' Bileamiten sozusagen."

"Das ist aber keine positive, liebliche Botschaft, die du uns da vermitteln musst."

"Wieso nicht? Wir sollen doch gewarnt sein. Eine erkannte Gefahr ist nur noch eine halbe Gefahr. Übrigens wollen wir auch noch die Botschaft an die vierte Gemeinde – die Thyatira-Gemeinde – unter die Lupe nehmen. Was bei der dritten Gemeinde Pergamon als erstes Anzeichen des Abfalls im Innern der Gemeinde erkennbar ist, wird bei Thyatira plötzlich von außen der Gemeinde auferlegt: Christus wirft dieser Gemeinde vor, sie dulde das Wirken und die Verführung einer Dame namens Isebel. Sie werde nämlich die Diener Gottes zur Unzucht verführen."

"Das klingt ja schrecklich. Jetzt brummen aber unsere Köpfe. Die Isebel? Die ist doch längst tot. Die starb doch, wie es der Prophet Elia angekündigt hatte, unter entsetzlichen Umständen. War sie nicht die Ehefrau des bösen israelitischen Königs Ahab und wurde sie nicht nach dessen Tod aus dem Fenster gestürzt? Die Hunde verzehrten ihre Leiche, steht in den alten Schriften. Wieso soll Isebel jetzt plötzlich wieder leben und aktiv in der Gemeinde wirken?"

"Diese Frage ist berechtigt. Isebel wird hier als Sinnbild gebraucht. Indem gesagt wird, sie führe Unzucht in der Gemeinde ein, ist damit ausgedrückt – wie sich die Schrift übrigens selbst auslegt –, dass eine Vermischung zwischen der Gemeinde Gottes und der heidnischen Staatsgewalt erfolgt. Das bewirkt gleichzeitig eine Vermengung von göttlichen und antigöttlichen Lehren, was Gott Unzucht nennt. In der Kirche Christi begann der Abfall – wie unser Freund Paulus sagt – innerhalb der Gemeinde. Das Beispiel Bileams zeigt das. Da wird die Gemeinde für das Eindringen fremdartiger Lehren offen. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber mich erfasst große Traurigkeit, wenn ich daran denke, was Gott über die Vereinnahmung der Gemeinde durch angeblich sehr religiöse Verführer sagt."

"Das alles wird über die Kirche kommen? Wo bleibt dann die christliche Botschaft? Wird es denn keine Gläubigen mehr geben?"

"Doch. Der Herr sagt: Es werden immer noch etliche Christen da sein, die sich nicht mit der Heimtücke der Verführer verbinden. In seiner großen Barmherzigkeit sagt Christus diesen wenigen: 'Ihr habt die raffinierte Täuschung des Satans nicht angenommen. Ich will euch nicht weiter belasten. Aber haltet, was ihr habt.' Das heißt also: Den Irrtum kreidet Gott niemandem an, wohl aber die Zurückweisung der reinen Botschaft Jesu wider besseres Wissen."

"Wie sollen aber dann die wenigen ihren Auftrag ausführen, wenn der Abfall doch fast alle Kreise in der Kirche erfasst hat?"

"Dafür wird Gott sorgen. Das zeigen die Briefe an Sardes, Philadelphia und Laodicea, die letzte Gemeinde von den sieben, die übrigens die schlechteste Note bekommt. Ich verstehe sie als Endzeitgemeinde, und unser Herr benutzt das Verb 'ausspucken', wenn er die Strafe für diese letzte Gemeinde ankündigt. Ihr kennt die Stadt Laodicea, ihren Reichtum, ihre Prachtentfaltung, ihre geistigen Eliten. Aber durch ihre Lauheit ist sie ein Vorbild auf das geistliche Laodicea der Endzeit. Unser Herr droht ihr, er werde sie aus seinem Mund 'ausspucken', wenn sie nicht Buße tue. Es ist die schlimmste Demütigung, die man sich vorstellen kann: Das Spucken bedeutet Verachtung. Hier offenbart sich nicht mehr der gütige Heiland, der Fürsprecher und Versöhner, sondern der ernste Richter."

"Johannes, wir sind tief erschrocken. So steht es also mit dem, was wir erwarten müssen? Was meinst du, was mit unserem Herrn Jesus Christus geschähe, wenn er als unbekannter Prediger solche Sätze in einer christlichen Gemeinde ausspräche? Würde man ihn nicht größter Lieblosigkeit verdächtigen und ihn kurzerhand vor die Tür setzen?"

"Das täte man bestimmt. Und man wird noch Schlimmeres an treuen Boten Gottes tun, die in die Gemeinde und in die Welt hineinrufen, was unser Bruder Paulus ,die Güte und den Ernst Gottes‘ nennt. Die Menschen bevorzugen zu allen Zeiten Lehren, nach denen ihnen die Ohren jucken, und das wird – nach Jesu Ankündigung – in der letzten Zeit der Menschheitsgeschichte in ganz besonderer Weise der Fall sein. Und wer ihnen dann unbequeme Wahrheiten entgegenhält, der wird ganz einfach eliminiert (siehe Offb. 13). Denkt aber immer daran, die christliche Gemeinde darf nicht eine Art Elia ohne Messias sein, aber wenn Wahrheit ohne Liebe brutal ist, so ist Liebe ohne Wahrheit nur sentimental."

"Es kommt also immer auf die richtige Dosierung an."

"Oft – aber auch nicht immer. Jesus hielt den Händlern im Tempel keinesfalls eine erbauliche Bibelstunde, sondern schwang Stricke und jagte sie hinaus. Aber dem reumütigen Zollbeamten las er nicht sein Sündenregister vor, sondern ließ ihn den ganzen Reichtum der Barmherzigkeit Gottes erkennen."

"Und so ist auch dein Werk ,Offenbarung Jesu Christi‘ zu verstehen?"

"Es ist nicht meine Erfindung. Ich bin nur das Werkzeug. Aber in dieser Schrift zeigt uns der Allmächtige ganz klar: Er wird der Sieger sein. Er ist es schon. Seine Gemeinde – wie immer sie heißen wird – wird er durch die Trümmer der Welt- und Kirchengeschichte in die ewige Heimat führen, in das himmlische Jerusalem. Die Offenbarung des Herrn zeigt uns: Der große Verführer Luzifer ist ein besiegter Feind. Er wird sich – biblisch gesprochen – auch an der letzten, am meisten gefährdeten Gemeinde Gottes auf Erden die Zähne ausbeißen. Denn unser Herr wird für sie einstehen."

"Woran wird diese Endzeitgemeinde zu erkennen sein, lieber Johannes?"

"Sie ist mir ja deutlich vor Augen geführt worden: Sie hält fest an den Zehn Geboten Gottes, am Glauben an den Herrn Jesus Christus, und sie hat die Geduld der Heiligen – sie wird sich nicht beirren lassen. Sie wird den Geist der Weissagung, den Geist des Prophetenstandes besitzen. Das bedeutet: Sie wird sich intensiv mit den Botschaften der Propheten Gottes beschäftigen und dank der Erleuchtung durch den Heiligen Geist einen klareren Blick für die zukünftigen Ereignisse haben als andere, die nicht zu dieser Gemeinde gehören. Und sie wird ein Gericht verkünden, das im Himmel stattfindet – und zwar v o r dem Jüngsten Tag. Denn das hat mir unser Herr ganz deutlich offenbart: Wenn er kommt, um die Weltgeschichte zu vollenden, wird er nur die erretten, die sich zu ihm bekannt haben. Das muss also alles vorher entschieden sein."

"Was würdest du für diese Zeit den Menschen empfehlen, die diese Gemeinde suchen möchten?"

"Ich würde ihnen das einfachste Rezept empfehlen, das es für eine solche Suche nach der richtigen Gemeinde gibt, die keine Kompromisse mit Bileam- und Isebel-Denken eingeht. Dieses einfache Rezept ist das einzige segensreiche: Man nehme das Evangelium meines Freundes Matthäus, man nehme ferner einen großen Bogen Papier und etwas zum Schreiben. Dann beuge man sich vor dem Herrn im Gebet und bitte um die Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Danach lese man dieses Evangelium vom ersten bis zum 28. Kapitel ganz gründlich durch und schreibe alles auf, was der Herr Jesus gelehrt und was er getan hat. Hat man das alles aufgeschrieben, suche man die Gemeinde, die das lehrt, was der Herr gelehrt, und das tut, was er getan hat."

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