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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:Top Life Aktuell 1104

Warum Segen bei Leid?

"Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden." Matthäus 5,3

Spätestens bei dieser zweiten Seligpreisung" muss es den Zuhörern bewusst geworden sein, dass Jesus hier nicht unbedingt die meint, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen und ihr Leben in vollen Zügen genießen. Jesus hatte vielmehr jene im Blickfeld, die nicht unbedingt ein Aushängeschild des perfekten Glückes waren. Das Leid ist etwas, was andere eher peinlich berührt, was sie oft hilflos macht und dem man ausweichen möchte. Wirklich und wirksam trösten fällt vielen schwer. Hat Jesus deshalb diesen Segen ausgesprochen, damit das Leid etwas erträglicher wird? Ist es vielleicht doch nur ein billiger Trost - ein Eingeständnis dessen, dass man nichts an der Situation des anderen ändern kann oder will?

Bei den biblischen Berichten über Jesus fällt besonders auf, dass er alles für das Glück der anderen gab. Niemand hatte solch ein mitfühlendes Herz wie er, was sich in vielen Lebenslagen zeigte. Er tröstete Traurige, gab Hungrigen Brot und heilte die Kranken. Dabei fällt auf, dass es Jesus nicht in erster Linie um die körperliche, sondern vorrangig um die geistliche Genesung ging. Jesus kam nicht, um die Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung, um die unzähligen Ungerechtigkeiten und um überhaupt das Leid abzuschaffen. Das soll zwar auch geschehen, aber erst bei seinem zweiten Kommen. Bis dahin gilt es, mit allen Widrigkeiten des Lebens umgehen zu lernen. Das alles zu verstehen, ist sicher nicht einfach. Es wäre doch viel besser gewesen, gleich allem ein Ende zu bereiten und einen völlig neuen Anfang zu schaffen. Dafür fehlten aber wohl gewisse Voraussetzungen. Wäre das ganze Elend ziemlich bald zurückgekehrt? Wie auch immer, die Zeit war noch nicht da.

Viele Leiden

Die Seligpreisung hauptsächlich auf diejenigen anzuwenden, die auf der Verliererseite des Lebens stehen, wäre zu einfach und auch zu billig. Es gab viele Gründe, Leid zu erfahren: soziale Ungerechtigkeit, Krankheit, Verlust - das ist bis heute nicht viel anders. Jesus hat auch nicht versprochen, dass sich das grundlegend ändern werde. Im Gegenteil. Er sprach in seiner Endzeitrede (Matthäus24) davon, dass es noch schlimmer komme – und dann werde das Ende da sein bzw. für die Geretteten ein neuer Anfang einsetzen. Das ist ein Trost, ja. Man kann sich auf eine Zukunft freuen, in der das irdische Leiden ein Ende hat. Das ist schon viel wert. Hinter dem Segensspruch muss sich aber noch mehr verbergen.

Ein ganz anderes Leiden

Trösten steht eng in Verbindung mit Traurigkeit und Weinen. Dabei muss aber nicht immer einem selbst etwas angetan worden sein. Man muss nicht immer Opfer, man kann auch als Täter Trauer verspüren. Petrus ist dafür ein gutes Beispiel. Als er, der sich Jesus näher verbunden fühlte als jeder andere, ihn dreimal hintereinander verleugnet hatte und ihm bewusst geworden war, was er da getan hatte, ging er hinaus "und weinte bitterlich". (Matthäus 26,75) Soll man Mitleid mit jemandem haben, der andere verletzt oder sogar geschädigt hat? Durchaus. Es gehört nämlich zu den schwersten Dingen im Leben, Unrecht einzusehen, es zu bereuen und deshalb auch Leid auf sich zu nehmen. Nicht deshalb, weil man die Folgen zu spüren bekommt, sondern wegen des Leides, das man anderen zugefügt hat. Dieses Trauern tut weh, es schmerzt unheimlich. Es gehört zu den grundlegenden christlichen Erfahrungen, seine eigene Schuld zu erkennen und dabei Trauer zu verspüren. Diese Trauer, von Gott bewirkt, ist heilsam. Paulus schrieb: "Die von Gott bewirkte Traurigkeit führt zur Umkehr und bringt Rettung. Und wer sollte das jemals bereuen! Nur die Traurigkeit, die nicht zur Umkehr führt, bewirkt den Tod." 2. Korinther 7,10 (Hfa

Die bitterste Erfahrung

Die Traurigkeit des Petrus war echt. Er schob die Schuld nicht auf Umstände oder andere Menschen. Seine Trauer war auch kein Selbstmitleid. Ihm wurde sein innerer Zustand bewusst und er erlebte dabei eine Umkehr. Hatte er doch kurz vor seinem Leugnen vollmundig Jesus versprochen: "Wenn dich auch alle anderen verlassen, ich halte zu dir." Matthäus 26,33 (Hfa) Diese Selbsteinschätzung ging gründlich daneben. Es war aber nicht sein Ego, das ihm weh tat, sondern der Umstand, denjenigen verletzt zu haben, der ihm am nächsten stand.

Es wurde nun alles anders. Petrus drängte sich nicht mehr in den Vordergrund und maßte sich auch nicht mehr an, besser oder treuer als alle anderen zu sein. Er erfuhr den Trost Jesu, der mehr als nur aus Worten bestand. Sein weiteres Leben war ereignisreich. Er wurde von feindlich gesinnten, unchristlichen Menschen verachtet und verfolgt, wurde geschlagen und eingesperrt und starb schließlich den Märtyrertod. Diese Umstände gingen ihm aber bei weitem nicht so ans Herz wie sein damaliges Versagen. "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden" – das erfuhr Petrus in seiner größtmöglichen Form, als ihn Jesus von Herzen vergab und ihm wieder sein Vertrauen schenkte.

Keine heile Welt

Wir können keine heile Welt schaffen. Ungerechtigkeiten wird es bis zum Ende geben. Die Hoffnung auf die neue Welt ist ein Trost, aber die Ruhe und der Frieden durch die Vergebung und Annahme durch Gott ist die Erfahrung, die schon hier und jetzt erlebt werden kann. Sie ist nicht von Umständen abhängig. Auch wenn sich diese nicht ändern oder sogar noch unangenehmer werden, wird das Leben erfüllter und lebenswerter sein als ein Leben ohne Gott. So werden auch die Zeilen von Paulus verständlich, die er aus dem Gefängnis schrieb: "Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es euch sagen: Freut euch! Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Und Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren." Philipper 4,4-7 (Hfa)

Das schrieb der Mann, der früher als Saulus Freude daran hatte, wenn er Christen gefangen nehmen und sie sterben sehen konnte. Als er sich seiner schrecklichen Verirrung bewusst war, empfand er tiefes Leid. Er konnte nichts mehr rückgängig machen und doch erhielt er ein neues Leben und einen neuen Namen. Er erfuhr, was es heißt: "Denn sie sollen getröstet werden." Er selbst wurde später zum großen Tröster, weil er Gott an seinem Herzen hatte wirken lassen.

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Erschienen in: Top Life Aktuell 1103

 

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