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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:top Life Aktuell 1402

Zum Dienst berufen

Eine persönliche Frage gleich vorweg: Lassen Sie sich gerne bedienen? Vielleicht schütteln Sie jetzt verwundert, möglicherweise sogar etwas verärgert den Kopf. Wie kommen wir eigentlich auf diese Idee? Nun, in einem Restaurant erwarten wir für unser Geld auch erstklassige Bedienung und drücken dies durch die Höhe unseres Trinkgeldes aus. Dienst bedeutet auch Verdienst. Schwerer haben es da schon jene Organisationen, die in ihrer Tätigkeit auf die Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter angewiesen sind.

Heute wollen Menschen für ihr Engagement bezahlt werden und sind immer weniger bereit, ihre Zeit und ihre Kräfte für Projekte und Ideen, die anderen zugute kommen, unentgeltlich einzusetzen. Aber ist es wirklich so? Der eine geht am Abend mit einer prall gefüllten Geldbörse heim, aber mit einem leeren Herzen - der andere hat scheinbar nichts verdient, fühlt sich aber reich beschenkt ...!

Dienen als Dank

Das Konzept des selbstlosen Dienens ist fest in der Bibel verankert. Oft ist es die Antwort auf eine Erfahrung mit Gott, sozusagen ein "Dankeschön" in der Tat und nicht nur im Wort. So lesen wir im Markusevangelium Kapitel 1, Verse 29-31 (EB): "Und sobald sie aus der Synagoge hinausgingen, kamen sie mit Jakobus und Johannes in das Haus Simons und Andreas. Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sofort sagen sie ihm von ihr. Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf, und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen."

Lassen wir diese Szene noch einmal vor unserem geistigen Auge Revue passieren: Der Gottesdienst ist vorbei, Jesus und seine Jünger verlassen die Synagoge. Vielleicht haben sie schon ein wenig Hunger. Petrus ist bereit, sie in seinem Haus zu beherbergen. Doch siehe da, eine Kranke ist im Haus. Petrus` Schwiegermutter liegt mit Fieber danieder. Wir befinden uns ganz zu Beginn des öffentlichen Wirkens von Jesus, doch offensichtlich haben die Jünger schon erkannt: Wenn es ein Problem gibt, dann geh zum Herrn. Und Jesus lässt sich nicht lange bitten. Er heilt die Kranke. Was tut diese nun, sobald sie gesund geworden ist? "... und sie diente ihnen" (Vers 31). Sie wusste zu schätzen, was Jesus an ihr getan hatte. Sie nahm das Wunder nicht einfach so hin wie eine Selbstverständlichkeit, sondern empfand das Bedürfnis, Jesus ebenfalls etwas Gutes zu tun.

Wer ist der Größte?

Stichwort "Selbstverständlichkeit": Selbst den Jüngern Jesu war nicht immer klar, dass Nachfolge auch als Dienst an Gott zu sehen ist. Immer wieder stritten sie miteinander, wer der Größte unter ihnen sei. Ja, sogar Verwandte mischten sich in diese Diskussion ein: Die Jünger Jakobus und Johannes ließen sich von ihrer Mutter zu Jesus begleiten, damit sie hinsichtlich der Vergabe der Ehrenplätze im Himmel ein gutes Wort für ihre Söhne einlege. Doch worüber wir jetzt schmunzeln, ist doch nur allzu menschlich und kennen wir selbst. Die Frage "Was habe ich davon?" oder "Wozu soll das gut sein?" hat an Aktualität nichts verloren. Doch wie reagierte Jesus angesichts der Uneinigkeit im Kreis der Jünger? Er gab eine Antwort, die unsere menschliche Logik auf den Kopf stellt: "Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht" (Matthäus 20,28 LUT).

Wie passt das zusammen? Ist nicht jener der Größere, der bedient wird? Nicht im Reich Gottes, nicht nach den biblischen Maßstäben. Wahre Größe zeigt sich im Dienst für andere. Sich bedienen zu lassen, ist kein Kunststück, doch dem Anderen den Vorrang zu überlassen und das Gute zu schenken, das man sich selbst auch wünscht, das ist eine Herausforderung. Jesus selbst nahm diese Aufgabe an. Wir brauchen im Matthäusevangelium nur weiterzulesen: "... so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele" (Matthäus 20,29 LUT).

Sein statt Schein

Jesus zu dienen - das erscheint uns logisch und vernünftig. Aber er will uns dienen! Jesus zeigt auf, worin wahre Demut besteht: Sich nicht in den Mittelpunkt bzw. Vordergrund zu stellen und den Beifall, das Lob und die Anerkennung der Masse zu suchen, sondern ganz im Gegenteil: Dem Anderen Gutes zu tun, ihm zu helfen, auf den eigenen Vorteil zu verzichten und ihm das Beste zu wünschen, koste es auch etwas vom Eigenen - das alles ist im Begriff der christlichen Demut mit eingeschlossen. Ein Beispiel dafür ist Mose, einer der großen Glaubensmänner des Alten Testaments. Er kannte die Pracht und Herrlichkeit des ägyptischen Königshofes aus eigenem Erleben, doch er verzichtete auf den schönen "Schein" für ein gläubiges "Sein". Lieber zog er mit dem Volk der Israeliten durch die Wüste, als sich von irdischer Macht blenden zu lassen. In allem, was er tat und sprach, diente er Gott. In 4. Mose.12,3 heißt es: "Mose war ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden".

Demut hat mit Gottvertrauen zu tun. Wer um Gottes Liebe weiß, braucht sich nicht mehr selbst hervorzutun oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Gott kennt mich, er liebt mich - in dieser Liebe kann ich still und ­zufrieden werden. Doch nicht nur das: Gottes Liebe zeigt sich in unserem Alltag, bei unseren ganz konkreten Sorgen und Anliegen. Gott die Ängste und Probleme unseres menschlichen Lebens zu überlassen - auch das ist Demut, wie es in 1. Petrus 5, 5-7 (LUT) heißt: "Alle miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch".

Dienst aus Liebe

Meinen wir wirklich, wir würden durch Demut etwas "verlieren"? Heute ist es ja angesagter, sich durch eigene Leistungen, Schönheit oder Talent (vom Geld ganz zu schweigen) einen Namen zu machen, und sei es auch nur für kurze Zeit. Wer Gott vertraut, hat dies nicht nötig. Er weiß sich geliebt, und das schenkt Frieden und Zufriedenheit. Und schließlich: Wer hat je größere Demut als Jesus selbst aufgebracht? Gerade jetzt, zu Ostern, denken wir an seinen Tod am Kreuz. Wie ein Verbrecher wurde er hingerichtet, mit Schimpf und Schande bedeckt. Lesen wir nur einen Vorfall aus dem Kreuzigungsgeschehen nach: "Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! Sie spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt" (Matthäus 27,27-30).

Jesus hätte all das nicht über sich ergehen lassen müssen. Er hätte im Himmelreich in seiner Herrlichkeit bleiben können, geehrt von unzähligen Engeln und himmlischen Wesen. Doch dann wären wir verloren geblieben, mit unserer Schuld allein gelassen und ohne Hoffnung auf ein ewiges Leben. Ja, Jesus hat uns gedient. Er hat den Himmel verlassen, um einer von uns zu werden. Sein ganzes irdisches Leben stand im Zeichen des Dienstes. Wo immer er Menschen begegnete, tat er ihnen Gutes - soweit sie dies auch wollten. Die Stolzen, die Hochmütigen und die Selbstzufriedenen gingen freilich an seinem Angebot achtlos vorüber. Wer sich aber nicht zu gut war, wer demütig war, der erfuhr Jesu Gnade und Hilfe. Jesus hat es sich nicht einfach gemacht, nein, er hat Leid bis zur bitteren Neige ausgekostet. Für das Problem Schuld gibt es keine menschliche Lösung. Aber eine göttliche. Gott hat das Wort der Vergebung in diese Welt gebracht. Wer mit seiner Schuld zu Gott kommt, sie bekennt und bereut, wird frei. Frei zu einem wunderbaren Neuanfang. Dafür kam Jesus, dafür starb er am Kreuz. Das feiern wir zu Ostern.

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