Andacht vom 23.12.2006:
Russische Odyssee
Und sie haben ihn [Satan] überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod. Offenbarung 12,11
Als Clemens Forell im Sommer 1944 am Bahnsteig seine kleine Tochter Liese umarmt, seine Frau zum Abschied küsst und verspricht: "Zu Weihnachten bin ich bei euch!", ahnt er nicht, wie schwer es sein wird, dieses Versprechen zu halten. Er steigt in den Zug, der ihn an die Ostfront bringen soll. Kurze Zeit später gerät er in russische Gefangenschaft, wird zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und nach Sibirien transportiert. Hunger, Erschöpfung, Kälte und Schikanen raffen die Sträflinge dahin, doch Clemens wird von einem unbeugsamen Lebenswillen angestachelt. Er will, er muss seine Familie wiedersehen!
Der deutsche Lagerarzt Stauffer versorgt ihn mit allem, was er zur Flucht benötigt. Zwei lebenswichtige Utensilien kann er ihm allerdings nicht in den Rucksack packen: den Mut, sein Leben zu riskieren, und die Kraft zum Durchhalten. Die bekommt Clemens aus einer anderen Quelle: von Gott. Josef Martin Bauer schildert in seinem ergreifenden Buch, wie Clemens immer wieder in Grenzsituationen gerät und nur überlebt, weil ihm geholfen wird. Menschen und Tiere stehen ihm bei; manche opfern sogar ihr Leben, um ihn zu schützen und zu verteidigen. Und immer sitzt ihm der Verfolger im Nacken, der Kommandant des Straflagers, der sich durch diese Flucht persönlich gekränkt fühlt.
Als Clemens in einer Synagoge in Zentralasien betet: "Vergib mir meine Schuld!", da wird das Herz eines Juden berührt, den vorher gehassten Deutschen mit einem gefälschten Pass und Geld zu versorgen. Die Flucht führt Clemens 14.000 Kilometer durch ganz Sibirien, die Tundra und den Kaukasus bis nach Persien. Nach drei Jahren ist er endlich daheim: Zu Weihnachten 1952 kann er seine Frau und seine Tochter in die Arme schließen, die unerschütterlich an seine Rückkehr geglaubt haben.
Diese wahre Geschichte erinnert mich an das, was Jesus zu unserer Rettung riskierte, und daran, wie hoch der Preis unserer Erlösung war. Am Ende ist das Wiedersehen der Liebenden nur möglich, weil beide Seiten durchgehalten haben. Mut, sich auf den Weg zu machen und Kraft zum Durchhalten will uns Gott schenken. Es liegt an uns, ob wir uns für seinen Rettungsplan entscheiden.
Sylvia Renz
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





