Andacht vom 03.07.2008:
Aus dem Tagebuch einer Bibel
Ihr studiert die Heilige Schrift, weil ihr meint, dadurch zum ewigen Leben zu gelangen. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. Johannes 5,39 (Hoffnung für alle)
Wie studiert man die Bibel richtig? Etwa so? Aus dem Tagebuch einer Familienbibel:
15. Januar: Habe lange Zeit geruht. An den ersten Tagen des neuen Jahres blätterte der Hausvater in mir. Aber jetzt hat er mich wohl vergessen.
2. Februar: Hausputz. Ich werde abgestaubt und an den üblichen Platz zurückgelegt.
8. Februar: Mein Besitzer sucht etwas, kann es aber nicht finden. Er nimmt mich mit zur Kirche.
2. April: Ich bin in Sorge. Mein Besitzer soll eine Gebetsversammlung leiten. Er sucht passende Bibelstellen. Es gelingt ihm aber nicht, auch nur eine einzige zu finden, obwohl sie alle unverrückt an derselben Stelle stehen.
1. Mai: Heute verbringe ich den ganzen Nachmittag auf Großmutters Schoß. Sie ist hier zu Besuch. Sie lässt Tränen auf mich fallen.
6. Mai: Wieder liege ich auf Großmutters Schoß. Sie liest 1. Korinther 13 und denkt nach.
7. bis 9. Mai: Jeden Nachmittag liege ich auf Großmutters Schoß. Sie liest viel in mir. Das gefällt mir.
10. Mai: Großmutter ist abgereist. Nun stehe ich wieder auf meinem alten Platz.
3. Juni: Jemand hat Blüten zum Trocknen zwischen meine Blätter gelegt.
1. Juli: Ich werde in einer Reisetasche zwischen Kleidungsstücken verstaut. Vielleicht steht eine Reise an.
7. Juli: Bin noch immer in der Reisetasche.
10. Juli: Nach wie vor in der Reisetasche, obwohl alle anderen Dinge ständig benutzt werden.
15. Juli: Ich bin wieder zu Hause. Es war eine lange Reise. Warum ich mitgenommen worden bin, weiß ich nicht.
1. August: Welch eine unerträgliche Hitze! Auf mir liegen Magazine, Romane und ein Hut. Wenn sie doch endlich diesen Krempel runter nehmen würden!
5. September: Großreinemachen. Ich werde abgestaubt und wieder zurückgelegt.
10. September: Maria schreibt einen Brief. Der Bruder ihrer Freundin ist gestorben. Sie sucht einen geeigneten Bibeltext.
30. September: Hausputz. Wieder werde ich abgestaubt und auf meinen alten Platz zurückgestellt - für wie lange?
Ich bin froh, dass meiner Bibel nie solch ein trauriges Los beschieden war. Und das soll auch so bleiben!
Heinz Starke
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





