Andacht vom 28.02.2009:
Großer Bahnhof? - Keiner da!
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Johannes 1,11
Erwartungsvoll drückte er seine Nase am Fenster des Zugabteils platt. Zwei lange Wochen war er dienstlich unterwegs gewesen, und nun freute er sich auf sein Zuhause. "Ich komme am Freitag um 18 Uhr an", teilte er seiner Familie am Telefon mit. Diese Nachricht hatte zu Hause für gute Stimmung gesorgt. Begeistert versprach die Jüngste: "Wenn du ankommst, holen wir dich alle vom Bahnhof ab!"
Und nun ist es soweit. Der Zug verlangsamt die Geschwindigkeit, die Konturen werden schärfer, auf den Gängen bewegen sich die Aussteigenden. Bremsen quietschen, der Intercity hält an. Waggontüren gehen auf und alles drängt nach draußen. Fröhliche Gesichter, herzliche Umarmungen, hier ein Kuss, da ein Strauß Blumen - Wiedersehensfreude! Nach wenigen Minuten hat sich der Bahnsteig wieder geleert. Nur die leeren Gepäckkarren, zwei Gleisarbeiter und einige Reisende, die auf ihren Anschlusszug warten, bleiben zurück. Ein wenig verloren steht er auf dem Bahnsteig. Die erwartungsvolle Freude weicht einer großen Sorgenfalte auf der Stirn. Während er sich langsam zum Ausgang bewegt, dämmert es ihm: "Sie haben mich vergessen!"
Diese kleine Episode wird mir zum Vergleich. Da kommt einer an und niemand erwartet ihn. Das gab es schon einmal und es vollzieht sich in unseren Tagen gleichermaßen immer wieder. Im Johannesevangelium wird es so beschrieben: "Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf." Gott kommt durch seinen Sohn zu uns, doch keiner nimmt Notiz davon. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Wer heute "ankommen" will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Er muss beeindrucken, auf sich aufmerksam machen und doch seriös, glaubwürdig und Vertrauen erweckend wirken. Wer vertrauenswürdig ist und mir seine Zuneigung schenkt, der kommt bei mir an. Leere Worte, große Töne und eine Menge unglaubwürdiger Versprechungen gibt es leider wie Sand am Meer.
Doch da ist jemand, den ich in unzähligen Situationen und vielen bewegten Jahren als vertrauenswürdig erlebt habe, nämlich mein Freund und Heiland Jesus Christus. Ich weiß, er steht auch zu dem, was er versprochen hat. Und wenn jener große Tag seiner Wiederkunft, der zweite Advent, kommen wird, dann wird er uns persönlich abholen und willkommen heißen - in seinem Reich.
Vera Syring
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





