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Andacht vom 12.10.2009:

Ein später Jesus

Und als sie [Martha] das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach zu ihr: Der Meister ist da und ruft dich. Johannes 11,28

Maria und Martha warteten sehnsüchtig auf Jesus und hofften, er würde ihren schwerkranken Bruder heilen. Jesus kam ihrer Meinung nach zu spät und Lazarus starb. Der Tod ist etwas Endgültiges. Man kann nur noch trauern, die Beerdigung vorbereiten und durchführen. Doch trotz ihres Schmerzes legt Martha im Gespräch mit Jesus ein doppeltes Bekenntnis ab: "Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am jüngsten Tage" (V. 24) und: "Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist." (V. 27) Ihre Worte zeigen, dass sie trotz des Todes ihres Bruders nicht verzweifelt ist, denn sie weiß um die Auferstehung am jüngsten Tag.

Allerdings brachten die Schwestern übereinstimmend ihre Enttäuschung über Jesu Verspätung zum Ausdruck: "Herr, wärst du hier gewesen, [unser] Bruder wäre nicht gestorben." (V. 21) Martha und Maria ahnten noch nicht, dass Jesus von Anfang an um die schwere Krankheit des Lazarus wusste und - um der Jünger und der Trauernden willen - froh war, nicht rechtzeitig gekommen zu sein (V. 15), denn mit der Auferweckung des Lazarus wollte er ihren Glauben stärken (V. 42.45). Martha, die zunächst allein mit Jesus sprach, eilte schnellstens zu ihrer Schwester und brachte ihr die frohe Kunde: "Der Meister ist da und ruft dich."

Vielleicht ist es uns schon ähnlich ergangen wie den beiden Schwestern? Wir meinen, wenn Jesus anwesend wäre, würden sich Nöte und Lebensprobleme schnell lösen. Hatten wir schon einmal das Empfinden, Jesus sei nicht da, oder er käme zu spät? Es ist heute genauso wie damals in Bethanien. Jesus ist uns in unserer Not näher, als wir ahnen, und er weiß, wie er helfen und Glaubenszuversicht stärken wird.

Die Botschaft der Martha an Maria darf heute jeder Gläubige auf sich beziehen: "Der Meister ist da und ruft dich." Jeder Gläubige darf im Glauben wissen: Jesus kennt unsere Notsituation von Anfang an. Er kommt nie zu spät und er bewirkt immer etwas: Entweder beseitigt er das Leid, oder er gibt Kraft, das Leid zu bewältigen.

Hermann Beier

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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