Andacht vom 07.09.2004:
Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Psalm 8,5
Als der englische Weltumsegler Kapitän James Cook im Jahre 1770 Australien betrat, entdeckte er ein seltsames Tier. Es hatte Ähnlichkeit mit einem Windhund, beim Laufen machte es aber Sprünge wie ein Hirsch. Der Kopf erinnerte an den eines Hasen. Cook fragte die Ureinwohner nach dem Namen des Tieres. Die Antwort soll "kann-ga-roo" gelautet haben, was nach Meinung von Sprachforschern bedeutet: "Ich verstehe dich nicht."
Ja, die Welt ist kompliziert. Da bleibt es nicht bei sonderbaren Tieren oder Sprachhindernissen. Das größte Rätsel sind wir selbst. Wer sind wir? Die Soziologen sagen, wir seien "Rollenbündel", leben in vielfältigen Beziehungen. Die Biologen meinen, der Mensch sei ein Mängelwesen, kann weder fliegen noch richtig klettern, und nachts sieht er schlecht. Die Psychologen wiederum sind überzeugt, wir seien zu einem großen Teil das Produkt frühkindlicher Erfahrungen. Von dem Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) schließlich stammt die Feststellung, der Mensch sei "ein Zeichen - deutungslos". Wie beantwortet der Psalmschreiber David die Frage: Wer sind wir?
Der achte Psalm, den uns David hinterlassen hat, spricht vom Nachdenken über Gott, vom Staunen über die Schöpfung, das Weltall. Indem David über Gott nachsann und mit ihm redete, begriff er sich selbst. Zu welchem Ergebnis kam er? Er gelangte zu der Erkenntnis, dass wir nur "wenig niedriger" als Gott gemacht sind (V. 6). So sind wir mehr, als wir denken und ahnen.
Ein Dichter hat das so ausgedrückt: "Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes!" Diese Erkenntnis darfst du in die Gestaltung deines heutigen Tages und in dein Denken über dich selbst einbeziehen. Nicht nur dein Selbstvertrauen wird dadurch gestärkt; auch dein Verhältnis zu Gott wird sich vertiefen.
Burkhard Mayer
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





