Andacht vom 28.11.2011:
Aber der Engel sagte: "Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!" Lukas 2,10-12 (Hoffnung für alle)
Manches kommt ganz anders, als wir es erwarten. Die Juden erwarteten ihren Erlöser als einen König, der mit Soldaten die Römischen Besatzer vertreibt. Doch er kam als ein kleines Kind in einer Futterkrippe, wie es der Engel im Andachtstext den Hirten auf dem Feld angekündigt hatte. Sollte das wirklich der versprochene Retter der Welt sein?
Gott beschenkt die Menschen immer wieder anders, als sie es erwarten. Wenn ich ehrlich bin, gehören meine eigenen Erwartungen hin und wieder auf den Prüf stand. Einerseits stelle ich mir ein Leben ganz ohne Erwartungen antriebs- und ziellos vor - wie ein Leben, das ohne Aussicht auf Besserung ist, in dem man nicht mehr selbst planen kann und wo die Kraft fehlt, etwas Schöneres oder Besseres zu erwarten.
Das kann aber auch positive Seiten haben. Ein Leben ohne Erwartungen ist befreit und ruhig, frei vom eigenen Erwartungsdruck und dem der anderen. Ich muss nicht alles auf einmal können oder haben. Ich muss nicht so leben, wie andere es von mir erwarten. Wir sollten die eigenen Erwartungen immer wieder überprüfen und fragen: Sind sie realistisch? Wer stellt die Erwartungen an mich? Sind es die anderen? Ist es Gott? Bin ich es oft nicht sogar selbst?
Eine Freundin musste in der Adventszeit operiert werden und war danach einige Wochen sehr eingeschränkt. Ihre größte Sorge war, dass sie nun nicht mehr alle Erwartungen, die ihre Familie an sie stellte, erfüllen konnte. "Ich kann nur dasitzen und die Beine hochlegen!", sagte sie resigniert. Warum eigentlich nicht? Hin und wieder brauchen wir eine Zwangspause, um den Blick einmal auf ganz andere Dinge zu lenken, zur Ruhe zu kommen, neue Einsichten zu gewinnen und die Erwartungen zu überprüfen, die andere oder wir selbst an uns stellen. Es ist nicht immer negativ, wenn es anders kommt, als wir es erwarten.
Beate Strobel
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





