Andacht vom 08.06.2005:
Schiff ohne Wasser
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen ... und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Apostelgeschichte 2,1-4
"Käpt'n setzt Frachter auf Wiese - jetzt muss er ein Jahr warten" - diese Schlagzeile machte mich neugierig. Es war kein Witz: Ein holländischer Kapitän hatte während eines Hochwassers seinen Frachter auf eine Wasserfläche an der Elbe bei Wedel (Hamburg) gesetzt, ohne zu merken, dass sein Schiff über einer Landzunge lag. Am nächsten Tag stand der Frachter auf einer grünen Wiese. Sollte wettermäßig nichts Außergewöhnliches geschehen, wird das Schiff bis zum nächsten Frühjahr auf der Wiese liegen müssen. Ohne Wasser bleibt ein Schiff auf der Stelle und verliert letztlich seine Existenzberechtigung. Handelt es sich um ein Segelschiff, dann braucht es beides, Wasser und Wind, um sich fortbewegen zu können. Mit Wasser und Wind wird in der Bibel das Wirken des Heiligen Geistes verglichen (Jes 44,3; Jo 3,8), in einem Lied singen wir von "einem Schiff, das sich Gemeinde nennt". Wie aber steht es nun wirklich um das "Segelschiff" Gemeinde? Setzt es seine Rettungsfahrt getragen und getrieben vom Geist Gottes fort, oder ist es auf der grünen Wiese stehen geblieben und zum Schiffsmuseum verkommen?
Nun ist die Versuchung groß, sich auf die Suche nach den Schuldigen zu machen (der Kapitän? der Kartograph? der Lotse?) oder darüber zu debattieren, was mit den seichten Gewässern gemeint sein könnte. Das bringt uns genauso wenig weiter wie das Reden über "die" Gemeinde, als wäre sie nur eine Organisation statt ein Organismus, der aus lebendigen Teilen, aus Menschen, aus dir und mir besteht.
Weil der Heilige Geist nicht Organisationen, sondern Menschen erfüllt, richtet sich die Botschaft von Pfingsten an jeden Christen persönlich: Wie weit lasse ich mich vom Heiligen Geist mit Freude über die Erlösung und mit Liebe zu den Menschen erfüllen, die ohne Jesus Christus verloren gehen werden? Nichts spricht dagegen, Gott für diesen Tag zu bitten: "Herr, hier bin ich, erfülle mich und gebrauche mich!"
Eli Diez
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.





