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Verfasser:Dr. Wolfgang Pohl
Erschienen in:Top Life Magazin 2 / 2008

Rauchverbot in Gaststätten

Interview mit dem Lungenfacharzt Dr. Wolfgang Pohl

fotolia
In den letzten Wochen und Monaten gab es viel Wirbel, viel Für und Wider um das Rauchverbot in Gaststätten. Etliche Länder der EU haben dieses Verbot bereits eingeführt. In Österreich sind auch Entwürfe vorhanden. Lungenspezialisten warnen vor unzureichendem Nichtraucherschutz. Täglich sterben in Österreich laut eines Kongresses der Lungenfachärzte 1 – 2 Nichtraucher an den Folgen von Passivrauchen. Top Life Magazin (TLM) führte mit Dr. med. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt und Sportmediziner mit einer Praxis in Gänserndorf, Niederösterreich folgendes Interview.

TLM: Was ist eigentlich am Passivrauchen so gefährlich?

Dr. Pohl: Wir unterscheiden zwei Raucharten. Den Hauptstromrauch, der vom Raucher ausgeatmet wird und den Nebenstromrauch, der in den Rauchpausen von der glimmenden Zigarette herkommt. Dieser Rauch macht etwa 85% aus und teilt sich in gas- und partikelförmige Bestandteile auf. Die Partikel sind winzig klein, 1 – 10 Mikrometer. Im Vergleich dazu misst ein rotes Blutkörperchen etwa 7 Mikrometer im Durchmesser. In geschlossenen Räumen ist diese Feinstaubbelas­tung durch Rauchen oft 10 – 20 Mal höher als die erlaubte Menge im Freien.

TLM: Lagert sich dieser Feinstaub dann auch auf Vorhängen, Möbeln, Wänden usw. ab?

Dr. Pohl: Natürlich. Und von dort kann er wieder aufgewirbelt werden, lange nachdem die letzte gerauchte Zigarette verglimmt ist. Der Feinstaub von Zigaretten ist übrigens noch kleiner als der von Verkehrsabgasen und dringt ganz tief in die Lungen ein.

TLM: Welche Schäden richtet er dort an?

Dr. Pohl: Zum Feinstaub kommen noch andere Stoffe. Wir kennen ja über 4000 Substanzen im Rauch, 60 davon sind krebserregend. Darum leiden Passivraucher unter Reizungen der Nase und Augen, Lungenfunktionsverschlechterung, Lungenentzündung,Chronischer Bronchitis, Asthma, Herzkreislauf­erkrankungen, Lungen-, Brust- und Nasennebenhöhlenkrebs. Bei Kindern kommen noch Mittelohrentzündungen, plötzlicher Kindstod und Krebs dazu.

TLM: Tabakrauch in Innenräumen ist also nicht nur eine Belästigung, sondern eine echte Gesundheitsgefährdung?

Dr. Pohl: Der Nebenstromrauch ist sogar noch gefährlicher als der inhalierte Hauptstromrauch, wegen der geringeren Verbrennungstemperatur. Es ist technisch unmöglich, Nichtraucher vor den Schadstoffen einer im selben Raum gerauchten Zigarette zu schützen, jedoch ist es Jedermanns Recht, in einer rauchfreien Umgebung zu leben. Ein verantwortungsvolles und gesundheitsbewusstes Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern muss möglich sein. Und daher ist ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, und dazu gehören auch Gaststätten, durchaus gerechtfertigt. Tabakrauch ist der gefährlichste und vermeidbarste Innenraumschadstoff.

TLM: Im Jahr 1978 hat die Tabakindustrie eine Studie über die Schäden durch Rauchen und Passivrauchen in Auftrag gegeben. Im Ergebnis heißt es unter anderem: "Was der Raucher sich selbst antut, ist eine Sache, aber was er den Passivrauchern antut, ist eine andere. Das sehen wir als die größte Gefahr der Tabakindustrie.

Dr. Pohl: Noch tragischer wird es, wenn man bedenkt, dass nichtrauchende Schwangere die Schadstoffe aus dem Passivrauch sogar an das Ungeborene weitergeben. Es kommt daher zu Organschäden, Tot- oder Frühgeburten.

TLM: In der Broschüre übers Passivrauchen der Österreichischen Krebshilfe steht der Satz: Bitte weitersagen! Danke fürs Nichtrauchen.

Dr. Pohl: In diesem Sinne danken wir allen Rauchern für ihre Rücksicht. Noch besser wäre es für sie, wenn sie sehr bald zu den Ex-Rauchern zählen würden. In Irland hat man Ex-Raucher gefragt, was sie motiviert habe, mit dem Rauchen aufzuhören. 79% haben angegeben: Das Verbot, in öffentlichen Räumen zu rauchen.

TLM: Danke für das Gespräch, Herr Dr. Pohl.

 

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