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Andacht vom 18.03.2008:

Lieber Paulus!

An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Römer 1,7

Wenn ich einen Brief schreibe, muss ich über die Anrede nicht lange nachdenken. An Bekannte beginne ich mit "Lieber Herr". Andernfalls schreibe ich einfach "Sehr geehrter Herr". Auch wenn ich ihn gar nicht mag, rede ich ihn so an, und selbst wer mir alles andere als lieb ist, liest in meinem Brief "Lieber ...". Und dabei empfinde ich mich nicht als Lügner. Jeder weiß, das sind nur konventionelle Formeln. Dabei denken sich normalerweise weder Schreiber noch Empfänger etwas. Es wäre ja schwierig und auch peinlich, wollte man in jedem Fall erst lange über eine Anrede nachdenken, die der jeweiligen Befindlichkeit entspricht.

Auch Paulus hielt sich in seinen Briefen an die damals übliche Form. Zuerst nannte er den Absender, dann den Empfänger und eine Grußformel. Bei sorgfältigem Lesen lässt sich jedoch erkennen, dass er sich dabei nicht an ein starres Schema hielt. Vielmehr wandelte er die Anrede und Einleitung seiner Briefe je nach Empfänger und Situation ab. Darin sollten die Leser eine für sie formulierte Botschaft finden. Merkwürdig, dass er keinen seiner Briefe einfach mit "Liebe Schwestern und Brüder!" begann, wie es heute üblich ist. Nein, er schreibt "An alle Geliebten Gottes". Welch eine Anrede!

Paulus war bis dahin noch nie in Rom gewesen. Aber er hatte mancherlei Nachrichten über seine dortigen Schwestern und Brüder bekommen. Manche kannte er auch von Begegnungen an anderen Orten. In der langen Grußliste (Kap. 16) finden sich viele Namen: jüdische, griechische, lateinische. Aber nicht nur diese Christen, sondern alle Gläubigen in Rom nennt er "Geliebte Gottes". Alle, das sind die Bekannten und Unbekannten, egal ob sie ihm freundlich gesinnt sind oder nicht. Die Übersetzung in "Hoffnung für alle" bringt es auf den Punkt: "Ich grüße euch alle, die ihr von Gott geliebt seid!" Wahrlich keine bloße Formel, die gedankenlos aus der Feder fließt. Vielmehr erinnert die Anrede an das große Geschenk Gottes, seine befreiende Liebe, die rettende Kraft des Evangeliums. Das ist denn auch der Hauptinhalt dieses bedeutsamen Briefes.

Könnten wir diese Anrede in unser Gemeindeleben übernehmen? In Briefen oder am Beginn einer Predigt: "Von Gott geliebte Schwestern und Brüder"? Nicht um Paulus nachzuahmen oder als gefühlsbetonte Liebeserklärung, sondern als Erinnerung an die heilsgeschichtliche Tat Gottes auf Golgatha. Denn dort "hat [Gott] uns seine große Liebe geschenkt" (Eph 2,4 GNB).

Joachim Hildebrandt

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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