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Andacht vom 01.11.2012:

Marta sagte zu Jesus: "Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen." Johannes 11,21 (Gute Nachricht Bibel)

Mit den zwei Worten "Wenn du ..." beginnt manche Beschreibung einer schicksalsträchtigen Sackgasse. Daran schließen sich oft Aussagen von Schuldzuweisungen und Ausweglosigkeit, Verzweiflung oder Trauer an. Das ist auch die Situation im Haus der Schwestern Maria und Martha, die ihren toten Bruder Lazarus beweinen. Dass Jesus - obwohl zur Hilfe gerufen - nicht rechtzeitig gekommen war, um seinen Freund zu heilen, ist ihre große Not.

Damit stehen diese beiden Frauen nicht allein. Martha sagt nur, was die Last vieler ist, die in ihrem Glauben angefochten sind, weil ihr Beten und Hoffen anscheinend umsonst war. Alles sieht nach einer verpassten Gelegenheit aus, die Macht Gottes vor aller Welt zu zeigen.

Aber die Hoffnung des Glaubens soll tiefer wurzeln. Die Sendung Christi zielte nicht darauf, alle Kranken zu heilen oder möglichst viele Tote aufzuerwecken. Die Botschaft Jesu ist viel umfassender:

Als Geschenk der Liebe des Vaters bringt er ein Leben, das immun ist gegen den ewigen Tod. Zwar schafft er damit das Sterben nicht aus der Welt, aber die Macht des Todes wird gebrochen: er hat nicht mehr das letzte Wort.

Wer mit Christus verbunden ist, durchschreitet den Tod als Tür zu einem neuen Leben, das nicht beschreibbar ist und nicht aus eigener Kraft erfahren werden kann. Damit verwandelt Christus die vielen trostlosen Sätze, die mit "Wenn du ." oder "Hätte ich ..." beginnen und auf Schuld und Versagen hinweisen, in offene Fragestellungen, auf die er die erlösende Antwort gibt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in

Ewigkeit." (Joh 11,25.26 EB)

Der Schmerz des Alleinseins wird nicht weggezaubert. Abgebrochene Lebensbeziehungen werden nicht einfach wiederhergestellt. Viele quälende Warum-Fragen finden keine billige Antwort. Versagte Liebe lässt sich nicht mehr nachholen. Aber über all dem leuchtet der offene Himmel der Gnade. In der Gemeinschaft mit Christus öffnen sich nämlich auch die trostlosen Sackgassen nach oben. Das hat etwas mit dem Kreuz Jesu zu tun. Beethoven vergleicht menschliches Leiden mit der Wirkung eines Kreuzes, das in der Musikschrift einer Notenzeile vorgezeichnet ist: Das Kreuz erhöht den Ton!

Wilfried Meier

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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