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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1005

Gott vertrauen - Risiko oder Chance?

Können Sie noch an die Zukunft glauben? An das Gute im Menschen? Haben Sie Vertrauen - oder sind Sie skeptisch angesichts der Bedrohungen, die vor unseren Augen über unsere Welt hereinbrechen? Doch was ist das eigentlich - Gottvertrauen? Ein naiver Glaube, der sich auf fromme Illusionen stützt? Gibt es etwas, was dieses Vertrauen stützt und legitimiert? Eine Geschichte aus dem fernen Süden zeigt uns, was Gottvertrauen praktisch bedeutet:

Gottes Hand Im fernen Süden hatten einmal zwei Mönche je einen Ölbaum gepflanzt. "Herr", bat der eine, "sende einen erquickenden Regen, dass mein Bäumchen Wurzel fassen kann!" Und der Herr erfüllte die Bitte. "Nun darf die Sonne scheinen", sagte der fromme Mönch. "O Herr, lass den Himmel sich klären!" Da kam die Sonne und erwärmte die feuchte Erde. "Wenn jetzt doch der Frost kommen möchte", dachte der Mönch eines Tages, als es ihm gut dünkte, "damit die Rinde erstarke!" Und siehe, bald hatte sich ein silberner Reif auf das Bäumchen gelegt. Da ging das Bäumchen ein.

Traurig trat der Klosterbruder in die Zelle des anderen Mönches. "Dein Baum steht frisch und blühend, und meiner ist eingegangen, trotz allem!", sagte er zu diesem und erzählte ihm, was er alles getan hatte.

"Ich habe mein Bäumchen ganz in Gottes Hand gestellt", sagte der zweite Mönch, "denn ich dachte mir, Er, der die Bäume erschaffen hat, muss am besten wissen, wessen sie bedürfen. So habe ich Gott keinen Rat erteilt und keine Bedingungen gestellt, sondern nur gebetet: Tu deine milde Hand auf, nimm dich seiner an!." In dieser Geschichte geht es um etwas, was wir für unseren Glauben, unser Leben unbedingt brauchen. Es ist lebensnotwendig. VERTRAUEN - wie leicht oder wie schwer ist es für uns, Vertrauen zu haben?

Wir machen im Lauf unseres Lebens verschiedene Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit von Menschen oder Dingen. Wir erleben, dass Vertrauen erschüttert werden kann oder belohnt wurde. Jeder von uns hat auch seine eigenen Kriterien, wann er wem vertraut. Meist bauen wir unser Vertrauen auf die Erfahrung eines anderen Menschen - sein Wissen, seine Ausbildung, seinen Titel. Nehmen wir dazu ein konkretes Beispiel - die Fahrschule: Ich vertraue mich einem Fahrlehrer an. Warum? Ich vertraue ihm, weil er mir als Lehrer begegnet. In dieser Funktion verlasse ich mich auf seine Ausbildung und Erfahrung. Ich prüfe es nicht nach, ich verlange von ihm nicht einmal einen Beweis. Ich vertraue der Fahrschule, dass sie mir keinen Schwindler oder Hochstapler als Fahrlehrer gibt. Und obwohl ich weiß, er ist NICHT allmächtig, allwissend, allgegenwärtig - er ist ein Mensch mit Grenzen und Schwächen wie ich - verlasse ich mich auf ihn. Wenn wir unser Leben überdenken, finden wir vielleicht noch andere Beispiele dafür, wie oft und wie vorbehaltlos wir eigentlich in unserem Alltag Vertrauen aufbringen. Es ist uns nicht einmal bewusst, wir müssen uns nicht dazu zwingen – es ist selbstverständlich. Vertrauen ist eine Lebensgrundlage, ohne die wir nicht existieren könnten.

Vertrauen ist aber auch eine existentielle Basis.

Wie sollte man im Glauben leben, Tag für Tag, wenn man sich nicht rückhaltlos auf seinen Gott verlassen könnte? Aber gerade im Glauben begegnet uns ein seltsames Problem. So sehr wir im Alltag vertrauen, so sehr müssen wir manchmal um unser Vertrauen in Gott kämpfen. Seltsam - denn im Gegensatz zu einem Fahrlehrer ist unser Gott sehr wohl allwissend, allmächtig, allgegenwärtig. Das wissen wir, denn wir können es jederzeit in der Heiligen Schrift nachlesen. Worin liegt dann unser Problem?

Bei dieser Frage stoßen wir an den Kern unseres Glaubens:

Wer ist der Gott, an den ich glaube?

Wie ist der Gott, dem ich mein Leben, meine Entscheidungen überlassen soll?

Wer ist es, der mich in allen Bereichen meines Lebens leiten will?

Kann ich Gott vertrauen?

Ist es nicht besser, ich lasse mir da noch einen Spielraum offen - sollte Gottes Rat vielleicht nicht so gut scheinen, kann ich immer noch selbst eingreifen?

Es gibt natürlich einen, der großes Interesse daran hat, dass uns solche Fragen kräftig am vertrauen hindern und uns möglichst misstrauisch machen. Schon im Paradies, in einer vollkommenen Welt, hat der Teufel heftig daran gearbeitet, dass der Same "Misstrauen" im Herzen der Menschen kräftig aufgeht und sie aus dem Glauben herausführt. Diese Frucht ist aufgegangen, und seitdem meinen wir Menschen, doch immer wieder besser zu wissen als Gott, was gut und was schlecht für uns und für andere ist. Doch Gottes Ruf an uns, diesem Misstrauen gar keinen Platz zu geben, ist niemals verstummt. Was sagt die Bibel über das Vertrauen? "Nur auf Gott vertraue still meine Seele, denn von ihm kommt meine Hoffnung. Nur er ist mein Fels und meine Hilfe, meine Festung; ich werde nicht wanken. Auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre; der Fels meines Schutzes, meine Zuflucht ist in Gott. Vertraut auf ihn allezeit, ihr von Gottes Volk! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht." Psalm 62, 6-9 (EB)

Vertrauen ist eine Grundeinstellung Gott gegenüber. Gott meint es IMMER gut mit mir, auch wenn ich durch schlimme Zeiten gehe, wenn ich bedrängt und bedrückt bin - Gott ist nicht wankelmütig. Das ist unsere Glaubensherausforderung: In dieser Grundeinstellung des Vertrauens zu bleiben, wie eng der Weg auch wird. Ich möchte noch eine Gruppe von Freunden aus der Bibel zitieren, die in eine sehr schlimme Situation gerieten, angefochten waren und in Lebensgefahr standen. Sie hatten zwei Möglichkeiten: Aus dem Vertrauen zu Gott herauszufallen, weil sie in so eine Lage geraten waren - oder im Vertrauen zu bleiben, eben gerade in dieser Situation.

Sie entschieden sich für das Vertrauen - und lesen wir, was die Bibel dazu sagt. Es geht um die drei Freunde Daniels, die wegen ihres Glaubens in eine lebensgefährliche, tödliche Situation gerieten. Weil sie sich weigerten, ein Standbild des Königs Nebukadnezar anzubeten, wurden sie mit dem Tod im Feuerofen bedroht.

Hätten wir nicht gedacht: Wie kann Gott so etwas zulassen? Wie kann er uns so etwas antun? Habe ich mich in Gott getäuscht?

Die Antwort der Freunde beeindruckt mich immer wieder:

"Schadrach, Meschach und Abed-Nego antworteten und sagten zum König: Nebukadnezar, wir haben es nicht nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. Ob unser Gott, dem wir dienen, uns retten kann - sowohl aus dem brennenden Feuerofen als auch aus deiner Hand, König, wird er uns retten - oder ob nicht: Es sei dir jedenfalls kund, König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und uns vor dem goldenen Bild, das du aufgestellt hast, nicht niederwerfen werden." Daniel 3,16-18

Was ist Glaube? Hier haben wir eine wunderbare Antwort: Sich durch nichts und niemanden von Gott trennen zu lassen. Auch wenn alles dagegen spricht - im Vertrauen zu bleiben, an Gott festzuhalten. Die Geschichte geht gut aus, sie werden in den Ofen geworfen, doch sie bleiben unversehrt - und die Bibel berichtet: Da war ein vierter Mann bei ihnen, der einem Gottessohn gleich war. Gott sieht unser Vertrauen, er sieht unser Bemühen, im Vertrauen zu bleiben - und er lässt uns nicht allein, wo immer wir sind, in was für einer Lebenslage, Gefahr oder Not. Ihm können wir getrost vertrauen.

 

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