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Erschienen in:Top Life Aktuell 1703

Glaube oder Werke?

Martin Luther, der in jungen Jahren aufgrund eines Gelübdes als Mönch ins Kloster ging, machte sich das Leben dort zunächst nicht leicht. Immer wieder plagte ihn der Gedanke an den strafenden Gott und an seine Sünden. Durch Bußleistungen und Askese versuchte er, den richtenden Gott gnädig zu stimmen. Letztlich waren es Texte der Bibel, die ihm zu einem neuen Verständnis verhalfen, darunter v. a. "Der Gerechte wird aus Glauben leben" (Röm. 1,17b). Was heißt das eigentlich? Und was war und ist daran so neu?

Viele Menschen leben in der Vorstellung, dass es letztlich die guten Taten sind, die darüber entscheiden, ob man ewiges Leben bekommt und von Gott angenommen wird (oder eben nicht). Wer sich rühmen kann, ein ganz guter Mensch zu sein, weil er keine Verbrechen begeht, immer freundlich ist, vielleicht sogar in die Kirche geht und viel spendet, geht oft auch davon aus, dass er vor Gott gut dasteht. Die Bibel widerspricht dieser Vorstellung, indem sie aufzeigt, dass kein Mensch Gott beeindrucken oder dem himmlischen Maßstab auf eigene Faust gerecht werden kann: "Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist." (Röm. 3,22-24)

Wenn das möglich wäre, hätte Jesus nicht für uns sterben und den Preis für das ewige Leben bezahlen müssen. Dann hätte es gereicht, wenn er uns ein paar moralische Grundsätze gelehrt hätte. Erlösung könnten wir uns selbst erwirken … Hinter den Kulissen unseres Lebens spielt sich eine Art himmlischer Gerichtsprozess ab. Der Gegenspieler beanstandet, dass Gott Menschen retten möchte, obwohl sie eigentlich alle als Sünder den Tod verdient hätten. Christus tritt für uns ein, nachdem er seine göttliche Position verlassen hat, um an unserer Stelle den Tod auf sich zu nehmen:

"Geht so miteinander um, wie Christus es euch vorgelebt hat. Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb. Deshalb hat Gott ihn in den Himmel gehoben und ihm einen Namen gegeben, der höher ist als alle anderen Namen. Vor diesem Namen sollen sich die Knie aller beugen, die im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind. Und zur Ehre Gottes, des Vaters, werden alle bekennen, dass Jesus Christus Herr ist." (Philipper 2,5-11 (Neues Leben)

Jeder Versuch, sich das ewige Leben durch gute Taten selbst zu verdienen, verkennt einerseits die Größe der Sünde und andererseits die Tatsache, dass das Opfer Jesu unersetzlich ist. Er ist nämlich unsere einzige Hoffnung! Wer darauf vertraut, lebt "aus Glauben", wie es der anfangs erwähnte Text sagt.

Gute Taten haben im Leben des Christen natürlich trotzdem ihren Platz, aber nicht, um sich damit vor Gott Lorbeeren zu verdienen, sondern um ihm Ehre und Freude zu bereiten und um unsere Dankbarkeit für die Erlösung auszudrücken. Das ist eigentlich auch die allerbeste Motivation dafür!

Luise Schneeweiß

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