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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:801

Religion - und der Kampf gegen das Böse

Wie viel Gewalt steckt in der Religion?

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht mit Ereignissen konfrontiert werden, die irgendwie mit Religion zu tun haben. Ob es Anschläge militanter Islamisten, ethnische Säuberungen in Afrika oder auch nur der amerikanische Wahlkampf sind – überall spielt die Religion eine entscheidende Rolle. So unterschiedlich die Religionen auch sein mögen, in einem sind sie sich doch recht ähnlich: Gutes soll gefördert und Böses eingeschränkt oder überhaupt verhindert werden. Dieser einfachen Formel kann wohl jeder Mensch zustimmen, ob er nun an einen Gott glaubt oder nicht. Religiöse Menschen setzen sich besonders für dieses Ziel ein. Sie machen es zu ihrem Lebensinhalt. Sie wollen dem Weltgeschehen nicht einfach tatenlos zusehen, sondern aktiv für ihre Ideale einstehen. Was kann daran so schlecht sein? Wäre es nicht wünschenswert, wenn jeder für das Gute eintreten und sich dem Bösen entgegenstellen würde?

Das Dumme ist nur, dass man sich alles andere als einig darüber ist, was denn nun gut und was böse ist und mit welchen Mitteln man sein Ziel verfolgen sollte. Weil darüber so viele unterschiedliche Meinungen bestehen, gibt es Streit in den Familien, Kämpfe am Arbeitsplatz, Uneinigkeit in alltäglichen politischen Angelegenheiten und schließlich unüberbrückbare Differenzen in der Weltpolitik. Als ob nicht schon genug Schwierigkeiten da wären, kommen noch die unterschiedlichsten Ansichten der Religionen ins Spiel und machen den Kampf gegen das Böse nicht nur richtig spannend, sondern auch extrem gefährlich. Schließlich geht es da nicht nur um die eigene Meinung, sondern man glaubt den Willen Gottes zu vertreten. So entsteht ein Machtkampf der Götter, bei dem letztendlich der Mensch auf der Strecke bleibt – manchmal im buchstäblichen Sinn: zerfetzte Leiber nach dem Selbstmordanschlag, verscharrte Leichen in kaum auszumachenden Massengräbern oder im Kugelhagel der „Befreier“ sterbende Opfer. Es ist unglaublich: Jeder möchte Frieden und Gerechtigkeit und trotzdem gewinnt man den Eindruck, wir entfernten uns immer weiter davon.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich gibt es überall eine gar nicht so kleine Schar von Leuten, die sich bemüht, das Leben lebenswerter, friedlicher und vor allem liebevoller für sich und andere zu gestalten. Sie sind sich der Wirksamkeit vieler kleiner Taten und aufmerksamer Worte bewusst. Dass sich damit die Welt nicht verändern lässt und der Wirkungsbereich keinen allzu großen Radius erreicht, irritiert sie nicht. Es geht schließlich um den einzelnen Menschen, und da zählt nicht nur die Masse, sondern jedes Leben.

Religion? Nein, danke?

Ich kann Menschen verstehen, die vom Glauben nichts wissen wollen, denn auch das Christentum hat sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert; von den Irrungen des finsteren Mittelalters ganz abgesehen. Doch trotz all dieser zum Teil abstoßenden Geschichte verdient der Glaube unsere Aufmerksamkeit – und das nicht einfach nur zu allen „heiligen Zeiten“.

Warum im Namen der Religion so viele Grausamkeiten geschehen, hat einen Grund. Zum einen liegt es an den Religionen selbst: Sie fordern Vergeltung für Ungerechtigkeit – was man aber nicht Gott überlassen möchte. Daher ruft man nicht selten direkt zur Gewalt auf. Dabei beruft man sich auf die Offenbarung von Propheten.

Zum anderen liegt die ablehnende Haltung gegenüber dem Glauben auch daran, dass zwar auf die richtigen Werte hingewiesen wird, man sich selbst aber nicht daran hält und zu allem Überfluss noch mit „verbotenen Waffen“ kämpft. Wer nimmt Amerika wirklich ab, dass es die Nation ist, die die christlichen Anliegen wie Liebe, Barmherzigkeit und Sanftmut in der Welt vertritt? Ganz zu schweigen vom moralischen Maßstab, welcher Jesus ein großes Anliegen war. Da mag die Regierung noch so edle Ziele verfolgen, für die sie betet – was sie letztendlich tut, das ist entscheidend.

Das neue Zeitalter – schon "uralt"

Mit Jesus Christus begann ein Zeitalter, in dem der Glaube an den einen Schöpfergott und seine Lebensprinzipien in das Herz des Menschen geschrieben werden sollte – ohne Gewalt, ohne List und ohne staatliche Hilfe. Die christliche Botschaft ist durch und durch ein Liebesangebot an jeden Menschen persönlich. Die Hilfe irgendwelcher weltlichen Mächte für ihr Anliegen in Anspruch zu nehmen, steht ihr nicht zu. Sobald dies geschieht, fängt ein Machtspiel an, in dem grundlegende Prinzipien auf der Strecke bleiben. Die Geschichte des altertümlichen, aber auch des modernen Israel ist ein anschauliches Beispiel dafür.

Auch wenn sich die Religionen dieser Welt auf einem Kreuzzug befinden, Christen, die sich dem Wort ihres Herrn verpflichtet fühlen, beteiligen sich sicherlich nicht daran. Jesus forderte Petrus auf: "Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?" Matthäus 26,52

Hätte Jesus zur Gewalt gegriffen, hätten wir in ihm nicht den Erlöser, der die Schuld der Welt auf sich nahm. Auch seine Jünger gingen konsequent diesen Weg, in dem List und Gewalt keinen Platz hatten. Spätestens dann, als die Kirche den staatlichen Arm in Anspruch nahm, um geistliche Interessen mit weltlichen Mitteln zu verfolgen, verließ sie den von Jesus vorgezeichneten Weg. Wenn Menschen heute nicht glauben können, weil sie auf eine Welt blicken, in der der Glaube völlig verdreht ist, dann ist das verständlich. Ihnen sei aber gesagt, dass sie die Perspektive wechseln können. Glücklicherweise dürfen wir unseren Blick auf Jesus Christus richten, der seinen Grundsätzen treu blieb und auch seine Nachfolger dazu aufforderte.

In diesem Sinne gibt es Lichtblicke in dieser Welt, die uns nicht den Glauben nehmen, sondern ihn stärken. Warum sollten uns die krummen Wege anderer davon abhalten, selbst gerade Wege zu gehen? Es mag schon sein, dass wir vielleicht übervorteilt oder benachteiligt werden. Auch davon hat Jesus gesprochen, und wir werden kein Paradies mehr aus dieser Welt machen können. Aber wir können schon jetzt in unseren Herzen einen Frieden erleben, den uns Gott für die neue Erde versprochen hat.

 

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