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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:Top Life Aktuell 1005

Nur einen Mausklick entfernt

Segen und Fluch einer technischen Revolution

10. August 1990. Dieses Datum wird wohl kaum jemanden etwas bedeuten. Dabei begann an diesem Tag eine unglaubliche gesellschaftliche Veränderung, die heute nahezu jeden Bereich des Lebens betrifft. Er wird als die Geburtsstunde des Internets in Österreich angesehen. An diesem Tag wurde die erste Standleitung in Österreich vom Forschungsinstitut CERN zur Universität Wien errichtet. Für die Allgemeinheit war das nicht spektakulär, aber es war ein entscheidender Meilenstein in der Entwicklung der weltweiten Kommunikation. Kaum einer ahnte, was für Auswirkungen diese neue Technik in den nächsten 20 Jahren auf die Gesellschaft haben würde.

Konnte die ältere Generation bei früheren "Revolutionen" wie Telefon, Radio und Fernsehen noch halbwegs Schritt halten, gelingt dies beim Computer und seiner weltweiten Vernetzung nicht mehr so einfach. Es ist zu viel, zu kompliziert und zu teuer. Mit verwunderlichem Kopfschütteln blickt man über die Schultern der "Jungen". Diese fangen wiederum recht wenig mit den Geschichten und Erfahrungen der Alten an. Sie passen kaum noch in eine Welt, auf der man alle Weisheit mit einem Mausklick präsentiert bekommt.

Nicht, dass es vor dieser technischen Revolution keinen Generationenkonflikt gegeben hätte. Die Technik verschärft ihn aber auf eigenartige Weise. Es mag sogar sein, dass man den Alten räumlich näher ist, weil man nicht abenteuerlich durch die Wälder zieht, sondern neben ihnen konzentriert seine Finger wund tippt. Diese Nähe ist aber sprachlos und darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie weit sich die Welten zwischen Alt und Jung auseinanderbewegt haben. Glücklich sind die Großeltern oder manchmal auch schon Eltern zu schätzen, denen man mit viel Geduld einen verständlichen Einblick in ihre virtuelle Welt gibt und für die man noch genügend Zeit findet, um mit ihnen zu reden, sich „normal“ auszutauschen – die man am immer fremder werdenden Leben teilnehmen lässt.

Gesellschaftliche Revolution

Es ist dem Internet zu verdanken, dass man innerhalb Minuten über bedeutende Ereignisse weltweit informiert wird. Ob es allgemeines Wissen ist, praktische Anleitungen und Hilfen, Austausch von Erfahrungen, Aufdeckung von Verbrechen aller Art und vieles mehr – im weltweiten Netz kommt man zu Informationen, zu denen man früher überhaupt nicht oder nur sehr schwer gelangt ist. Durch die Möglichkeiten des Internets kommen und bleiben Menschen in allen Teilen der Welt in Kontakt. Sie würden sich sonst nur sehr selten sehen würden. Ein Chatprogramm wird geöffnet, die Kamera aktiviert und schon sieht man sich und redet miteinander, auch wenn man sich auf der anderen Seite der Weltkugel befindet. Was noch vor kurzem nur finanzkräftigen, weltweit agierenden Firmen vorbehalten war, liegt nun in der Hand eines jeden Teenagers, der sich binnen Sekunden mit der ganzen Welt mit Ton und Bild verbinden kann. Ein großartiges Erlebnis, das nur allzu schnell zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Von furchtbaren Schatten

Doch auch die Schattenseiten des Computerzeitalters sind unübersehbar, und es ist zu befürchten, dass sie um ein Vielfaches größer sind als der wirkliche, unverzichtbare Nutzen. "Mit dem Computer kannst du Probleme lösen, die du vorher nicht hattest" – was so scherzhaft klingt, enthält eine gute Portion Wahrheit. Dass vieles einfacher geworden ist, hat auch seinen Preis. Damit sind nicht nur die Kosten gemeint. Mangelnde Bewegung durch den Computer in der Arbeit und der Freizeit hat gesundheitliche, aber auch seelische Folgen. Probleme und Stresssituationen setzen dem bewegungsarmen Menschen zu. Die Art der Informationen, die man durch das Internet bekommt, verstärkt diesen Effekt. Man erfährt plötzlich von unzähligen Problemen, von denen man vorher nur sehr wenig Ahnung hatte und zu deren Lösung man auch nicht wirklich etwas beitragen kann. Der "regungslose" Benutzer vor dem Monitor ist da seelisch und in weiterer Folge auch körperlich völlig überfordert. Wohin mit dem Wissen über die weltweiten Verbrechen, Katastrophen und Krisen? Wohin mit der Angst, ob es vielleicht nicht einen selbst treffen könnte?

Wem kann man überhaupt noch trauen? Schließlich wird das Leben jedes halbwegs bekannten Menschen detailreich mit allen Schattenseiten vorgeführt. Da gibt es kaum noch Vorbilder. Wer heute gelobt und auf das Podest gehoben wird, kann morgen gestürzt und völlig zerrissen werden. Außerdem, was ist wirklich wahr?

Die neue Seuche

Verschiedene Studien belegen, dass je nach Land bis zu 10 Prozent aller Internetnutzer hochgradig abhängig sind. Die Online-Sexsucht gehört da genauso dazu wie die Spielsucht oder das intensive Chatten. Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden, den diese Süchte verursachen, sind sie zerstörendes Gift für den Menschen selbst. Die Persönlichkeit wird nach und nach zerstört. Mit der Flucht aus der Realität wird der Mensch immer unfähiger, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, Aufgaben anzupacken und Probleme zu lösen. Wirkliche Beziehungen spielen im Leben keine Rolle mehr. Die virtuelle Welt wird zu einem willkommenen Zufluchtsort, der aber alles andere als Geborgen- und Sicherheit bietet. Medienkompetenz ist heute ein nicht sofort verständliches Stichwort. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass der Mensch lernen muss, mit den modernen Medien umzugehen, sonst bleibt er auf der Strecke. Es gilt, die Chancen zu sehen, aber man muss lernen, mit den zahlreichen Gefahren umzugehen. Die beste Absicht kann ein Abgleiten nicht verhindern. Und selbst wenn man vor einer offensichtlichen Abhängigkeit verschont bleibt, stellt sich noch immer die Frage, wie sinnvoll die verwendete Zeit und die gesammelten Informationen genutzt werden. Deshalb liegen Segen und Fluch recht dicht beieinander.

Was gleich geblieben ist

Trotz aller technischen Fortschritte ist eines gleich geblieben: „Es ist das Herz ein trotzig und verzagtes Ding; wer kann es ergründen?“ Jeremia 17,9 (alte Lutherübersetzung). Dieser alttestamentliche Ausspruch von Jeremia klingt in einer anderen Übersetzung so: „Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus.“ (rev. Elberfelder Übersetzung) Wer sich auf die heutige Generation einschießt und die Vergangenheit verklärt, geht an der Realität vorbei. Sicherlich passiert heute vieles offener. Was früher heimlich gemacht wurde, geschieht unverblümt in aller Öffentlichkeit. Schamgrenzen verschwinden immer mehr. Aber die eigentliche Ursache ist die gleiche, wie sie auch früher war: Sie befindet sich tief im menschlichen Herzen. Bei aller Erziehung und bei allem Lernen darf wohl die Neigung des menschlichen Herzens nicht übersehen werden. Selbst große, tugendhafte Vorbilder brachten sich deshalb früher wie auch heute selbst in die größten Schwierigkeiten. Manche von ihnen, wie der biblische König David, gingen an ihrer Schuld fast zugrunde. Sie wussten, dass sie andere bitter enttäuschten und ihr Handeln weitreichende Folgen für sie selbst, aber auch für andere hatte. Andere brüsteten sich und verwarfen alle moralischen Bedenken.

Es ist heute nicht anders. Der Mensch ist gegenüber Versuchungen anfällig. Die Möglichkeiten sind durch den technischen Fortschritt rasant gestiegen. Was früher mit Aufwand verbunden war, ist heute recht einfach. Mit wenigen Mausklicks öffnet sich dem scheinbar anonymen Benutzer eine Welt voller Möglichkeiten, die vom vergleichsweise harmlosen, kurzweiligen Zeitvertreib bis zu den tiefsten Abgründen reicht. Der verdorbenen menschlichen Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Ein Mausklick entfernt beginnt für viele neugierige Internetnutzer eine Reise, die sie so nie antreten wollten. Pornografie in allen Facetten, Gewaltverherrlichung, Rassismus, politischer und religiöser Extremismus, Okkultismus bis hin zu selbstmordverherrlichenden Foren. Die Palette an bedenklichen Inhalten des weltweiten Netzes ist kaum noch überschaubar. Was dem Menschen oft im wahrsten Sinne des Wortes verkauft wird, ist unfassbar. Die Angebote schwappen wie eine Flutwelle über den ahnungslosen Nutzer. Nach einigen schlechten Erfahrungen weiß er, dass er nichts und niemandem mehr trauen darf. Ist das der Fortschritt?

Ein wichtiger "Impfstoff"

Trotz aller unzähligen Angebote kann man den Überblick bewahren und muss kein hilfloses Opfer des technischen Fortschrittes werden. Wer sich mit den Prinzipien und Werten, die Gott anbietet, "impfen" lässt, kann sich auch heute ohne Schrecken und Ängste in einer immer zerstörteren Welt bewegen. Dazu bedarf es einer grundlegenden Entscheidung für einen Neubeginn.

Jesus rief die Menschen auf umzukehren und bot seine Hilfe für einen neuen Anfang an. Er tut es auch noch heute. Niemand muss meinen, dass, wenn er schuldig geworden ist oder in Abhängigkeiten steckt, Gott ihn aufgegeben hat. Zu erkennen, wo man steht und worauf was man sich vielleicht eingelassen hat, ist der erste Schritt und ein Zeichen, dass Gott sehr wohl noch am Herzen wirkt. Gerade heute gilt noch der Ruf Jesu, umzukehren und von ihm zu lernen. Wer die Grundsätze beachtet, die uns Gott in der Bibel gegeben hat, findet das echte Leben und lernt mit all den Gefahren umzugehen. Technik kann schließlich auch ein Segen sein, wenn sie von Menschen benutzt wird, die sich den Prinzipien des Schöpfers verpflichtet fühlen. Heute ist der beste Tag dafür, damit anzufangen.

Literaturtipp:

Ratgeber für Eltern: "Nur ein Mausklick bis zum Grauen ...", Rainer Richard, Beate Krafft Schöning, Vistas Verlag

Weiters finden sich etliche Homepages im Internet, die Hilfe anbieten, z.B. eine Online-Sexsucht zu besiegen (z.B. www.porno-frei.ch).

 

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