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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:Top Life Aktuell 1303

Die Qual der Wahl

In diesem Jahr haben ja schon mehrere Wahlen stattgefunden - die größte steht in Österreich im September noch bevor - die Nationalratswahl. … Hätte ich als Jugendlicher diese erste Zeile gelesen, wäre es auch gleich meine letzte gewesen. Wahlen haben mich nämlich ungefähr so viel interessiert wie die falsche Zuordnung der Erdbeeren zu den Beerenfrüchten - botanisch gesehen stimmt das nämlich nicht. Die Erdbeere gehört zur Familie der Sammelnussfrüchte. … Aber gut, das führt uns woanders hin.

Obwohl mich heute Wahlen etwas mehr interessieren und ich auch von meinem Wahlrecht Gebrauch mache, muss ich gestehen, dass ich noch immer kein glühender Verehrer politischer Parteien oder gar ein Politik-Fan bin. Das liegt nicht daran, dass ich die großen Vorteile einer Demokratie nicht schätze, sondern an der Tatsache, dass mir die Wahl nicht gerade leicht fällt. Ich gehöre nicht zu den Wählern, die nach alter Familientradition "ihre" Partei wählen - Rot, Blau, Schwarz, Grün oder was auch immer - obwohl es eigentlich das Einfachste wäre. Man steht zu etwas, braucht sich über keine Pläne und Ziele Gedanken zu machen, schimpft heftig über die anderen, aber auch ein wenig über die „eigenen“ Leute, bleibt ihnen aber letztlich doch treu.

Ganz anders verhalten sich die Wechselwähler. Heute diese, beim nächsten Mal wieder andere. Gründe für dieses Wahlverhalten gibt es mehrere. Man mag von einem Wahlkampfthema angesprochen worden sein, oder der Kandidat einer Partei war diesmal besonders sympathisch. Protest gegenüber der „eigenen“ Partei ist natürlich auch ein Grund. Und dann gibt es die Nichtwähler, die entweder aus Bequemlichkeit, aus Resignation oder aus Wut nicht oder nicht mehr wählen.

Eigentlich kann ich mich keiner dieser Gruppen zuordnen. Ich gehöre zu jener Gruppe, die zwar die Freiheit, wählen zu können, schätzt, aber eine gewisse Qual der Wahl verspürt. Nicht dass ich nicht wüsste, was ich will. Das weiß ich sehr wohl. Doch damit fängt das "Problem" erst an. Als überzeugter Christ ist es mir wichtig, dass gewisse Werte vertreten werden. Wir leben in einem christlich geprägten Land und stoßen immer und überall, ob bewusst oder unbewusst, auf solche Spuren. Leider sind es manchmal nur sehr unklare Wegmarken, bei denen das ursprüngliche Profil kaum noch zu erkennen ist. Auch wenn eine Partei mit christlichen Werten wirbt, heißt das noch lange nicht, dass das drinnen ist, was draußen darauf steht. Da erinnert mich die eine oder anderen Aussage doch zu sehr an alte, gewaltvolle Zeiten, die man sich nicht mehr herbeisehnt. Außerdem bin ich nach christlich-biblischem Vorbild für eine strikte Trennung von Politik und Religion. Selbst wenn Werte vertreten werden, die ich gut finde, können sie doch ein ziemlicher Fluch werden, wenn man sie mit Gewalt durchsetzen möchte. Da ist mir dann doch die ungeheuchelte Ablehnung lieber. Mir gefällt das Programm einer anderen Partei viel besser, wo ich weiß, dass sich Minderheiten keine Sorgen über ihre Zukunft machen müssen, weil man sie besonders schützen möchte … wenn da nicht auch Werte vermittelt würden, die man so ganz und gar nicht teilen kann. Man kann zwar neben diesen anderen Werten mehr oder weniger friedlich leben, aber dazu beitragen, dass sie durchgesetzt werden, möchte man dann doch auch wieder nicht. Und so geht es weiter. In jedem Parteiprogramm lassen sich Dinge finden, die man als gut und erstrebenswert betrachtet, aber auch Dinge, die man auf keinen Fall so haben möchte. Warum ist alles so kompliziert?

Sie wollen jetzt wissen, wen ich nun wähle? Tut mir leid, aber das ist mir dann doch zu persönlich und gehört in die Kategorie "Wahlgeheimnis". Nur so viel: Mit meiner Wahl gebe ich nicht die Zustimmung zu einem Parteiprogramm. Da könnte ich nicht mehr wählen gehen. Da ich aber nichts von Monarchie, Diktatur oder Anarchie halte, ist es mir dann doch recht, zumindest auf manche Dinge ein wenig Einfluss ausüben zu können. Im Leitartikel geht es um eine Wahlempfehlung – wahrscheinlich nicht so, wie man sich das vom Titel erwarten würde. Und doch ist sie eine klare Ansage, und ich wage zu behaupten, dass, wenn man das Programm kennt und es verstanden hat, man keine Qual mehr bei der Wahl empfindet. Hier zumindest lässt es sich freudig ohne Bauchweh wählen - vorausgesetzt, man bevorzugt Qualität.

 

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