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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:701

Verurteilt!

Über Schuld, Unschuld und Freisprüche

(c) Kevan O'Meara fotolia
Fast hätte man annehmen können, das neue Jahr habe schon am 30. Dezember begonnen. Menschen liefen auf die Straßen, tanzten vor Freude und fielen sich gegenseitig in die Arme. Andere feierten "das" Ereignis vor den Monitoren und jubelten sich laut zu. Dabei ging es gar nicht um eine verfrühte Neujahrsfeier. Das Ereignis war ein völlig anderes - es ging um die Vollstreckung der Todesstrafe an dem irakischen Diktator Saddam Hussein. Innerhalb kürzester Zeit jagten Bilder und Filmsequenzen von der Hinrichtung quer durch die Welt und wurden zum Renner für Handybenutzer. Ein unrühmliches Hoch auf die Technik. Saddam Hussein wurde durch die Beschimpfung unmittelbar vor seiner Hinrichtung und die Freudensausbrüche seiner Gegner für seine Anhänger erst recht zum Märtyrer. Das verheißt nichts Gutes. Der Bruderkrieg geht weiter.

Ein anderer Verurteilter

Gar nicht so weit von Bagdad entfernt gab es schon einmal eine Hinrichtung, die in die Geschichte einging. Der Verurteilte war aber in diesem Falle unschuldig. Vor wenigen Wochen wurde sein Geburtstag gefeiert und an seinen Tod wird ebenfalls in Kürze gedacht: Jesus, der Mann aus Nazareth, der in Wirklichkeit ein ganz anderes Reich seine Heimat nannte. Die einen konnten es nicht erwarten, ihn endlich am Kreuz hängen zu sehen, die anderen waren fassungslos über die schreckliche Ungerechtigkeit an ihrem Herrn, der zum Hinrichtungsort - auf einem Hügel vor Jerusalem - geführt wurde. Freund und Feind standen unter dem Kreuz und sahen zu, wie die herrschende Weltmacht das Todesurteil vollstreckte. Zwar erreichte die Meldung über den Tod Jesu auch die ganze Welt, angesichts fehlender technischer Möglichkeiten dauerte dies aber ungleich länger. Doch dank Hollywood kam zweitausend Jahre später die ganze Welt in den recht fragwürdigen Genuss der vermuteten Einzelheiten dieser Hinrichtung. Was wir schon nicht live erleben können, müssen wir eben einfach nachspielen - mit allen grausamen Details. Mel Gibbson, der Regisseur von "Die Passion Christi" und dem neuesten Film "Apokalypto", bediente, wie viele seiner Kollegen, recht eifrig die oberflächliche Befriedigung durch die Bilderflut. Auch wenn das für manchen Betrachter nicht unbedingt im Vordergrund steht, die Gier nach neuen Reizen für das Auge ist trotzdem ein Markenzeichen unserer modernen Gesellschaft.

Zwei Verurteilte - keine Gemeinsamkeiten

Zwischen den beiden Verurteilten, Saddam Hussein und Jesus Christus, lassen sich keine Gemeinsamkeiten feststellen. Der eine wurde zu Recht schuldig gesprochen, der andere hatte keine Strafe verdient - was selbst Pilatus feststellte, und ihn dennoch zum Tod verurteilte.

Beide wurden gehasst, der eine, weil er seine politischen Interessen mit Gewalt durchsetzte, der andere, weil er seinen Prinzipien treu blieb und jeglichen Zwang und jegliche Gewalt ablehnte.

Beide wurden bewundert. Der eine durch seine Propaganda, der andere wegen seiner selbstlosen Hilfe. Seine Botschaft verlieh den Schwachen und Armen Würde und die Hoffnung auf ein erfülltes Leben, das über den Tod hinaus reichte. Beide prägten eine Kultur. Der eine brachte wohl verschiedene westliche Standards in ein unterentwickeltes Land. Dabei profitierten aber er und seine Familie am meisten vom Reichtum "seines" Landes. Seine Paläste mit den prunkvollen Ausstattungen hoben sich deutlich vom Rest des Volkes ab. Jesus selbst hatte nicht einmal ein Hütte, die er sein Eigen nennen konnte. Sein Sinn und sein Ziel des Lebens waren nicht darauf ausgerichtet, möglichst viele Vorteile für sich herauszuschlagen. Auch wenn er keine materiellen Werte zu verschenken hatte, das, was er gab, war weit mehr wert als alles Gold der Welt. Seine Lebensgrundsätze prägten und prägen bis heute einen großen Teil der Welt - auch wenn diese Werte immer wieder entstellt wurden.

Was uns betrifft

Wer die westliche Zivilisation mit so manchen Prinzipien Jesu vergleicht, wird feststellen, wie revolutionär seine Worte schon vor zweitausend Jahren in Palästina waren. Der Wille zur Gerechtigkeit, der rücksichtsvolle Umgang miteinander, die Versorgung der armen Bevölkerung oder der Wunsch zum Frieden mit allen Menschen gehören zu den zahlreichen Grundsätzen, die eine neue Gesellschaft entstehen lassen. Wo echte christliche Werte gelebt werden, entsteht Freiheit von Menschen- und Gott verach-tenden Strukturen - ob sie wirtschaftlicher, politischer oder sogar religiöser Natur sind. Jesus wusste, dass sich seine Grundsätze nicht einfach nur politisch oder kirchlich verordnen und dann gewaltsam durchsetzen lassen. Auch wenn der Weg recht langwierig und mühsam erscheint, so müssen die Worte Jesu den Verstand und vor allem das Herz jedes Einzelnen erreichen.

Dort wo Regierungen christliche Grundsätze in ihren Gesetzen verankern, bekommt Leben den Wert, den Gott dafür bestimmt hat. Auch wenn in unserer westlichen Kultur vieles im Argen liegt, nirgendwo zählt das Leben des Menschen mehr als hier. Und doch haben wir keinen Grund, stolz zu sein. Christliche Prinzipien, zu denen auch die Moral sowie die Gerechtigkeit auch im zwischenmenschlichen Umgang zählen, verschwinden immer mehr. Es ist ein trauriges Zeugnis, wenn andere Kulturen die unsrige mit Untreue, Unmoral, reichhaltigem Alkoholkonsum, beständigem Werteverfall und letztendlich mit Unglauben in Verbindung bringen. Alle diese Dinge unterliegen nämlich nicht einer staatlichen, sondern unserer persönlichen Verantwortung. Hier ist jeder Einzelne gefragt.

Unser Leben wird wahrscheinlich nicht so spektakulär enden wie das von Saddam Hussein. Verantwortlich für unser Tun und Lassen sind wir aber trotzdem. Auch wenn wir nie vor einem irdischen Gericht stehen müssen, sind wir doch nicht unschuldig. Jesus sprach schließlich auch von einer zukünftigen Verantwortung - über die man heute selbst in christlichen Kreisen lieber schweigt. Trotz aller Toleranz gegenüber allen Religionen, Lehren und Vorstellungen darf das christliche Grundverständnis nicht verloren gehen. Es gibt einen Weltenrichter, vor dem nicht nur Diktatoren erscheinen müssen und bei dem es nicht nur um Massenmord geht. Vor Gott sind wir alle schuldig. Aber der, der unsere tiefsten Gedanken und Beweggründe kennt, kann uns durch Jesus Christus freisprechen. Jesus nahm unsere Schuld auf sich, damit wir freigesprochen werden können. Auch dieses Angebot muss persönlich in Anspruch genommen werden. Kein Staat und keine Kirche kann uns dies abnehmen. Gott sei Dank!

 

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