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Andacht vom 24.05.2008:

"Na such' schön ...!"

Suchet den Herrn, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist. Jesaja 55,6

Das deutsche Wort "suchen" kommt aus der Jagdsprache. Ein Jagdhund geht suchend der Spur nach, die er gewittert hat, und folgt ihr, bis er das Tier, dessen Spur er aufgenommen hat, schließlich aufgespürt hat.

Ist das nicht auch ein Bild für uns Menschen, die wir auf der Suche nach Gott sind? Es ist sicher nicht immer leicht. Da gibt es Sträucher und Gestrüpp, Dornen, Disteln und Abgründe, und man kann sich manche Verletzung holen. Aber es gibt auch schöne Auen und Wiesen mit Blumen und saftigem Grün. Eines ist jedoch wichtig: nur die Spur nicht verlieren, die Spuren Gottes immer wieder neu aufnehmen und "aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens" (Hbr 12,2).

Gott suchen meint aber auch, die richtigen Fragen zu stellen. Seit jeher treiben die Menschen die Grundfragen des Lebens um: "Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?" Wenn wir diesen Fragen auf den Grund kommen wollen, so werden wir letztendlich auf Gott stoßen. Ich bin nicht nur derjenige mit diesem Namen; nicht nur der Mann oder die Frau mit dem Beruf, mit Gefühlen und Bedürfnissen ausgestattet. Es ist einfach zu wenig, wenn mein Ziel nur die Selbstverwirklichung und ein erfolgreiches, zufriedenes Leben wäre. Gott suchen verlangt auch ein Suchen nach dem wirklichen Menschsein. Und das bedeutet, wir können nicht nur zufrieden sein mit dem, was wir erreicht haben.

Gott suchen bedeutet auch, sich von ihm fragen zu lassen. Er wird auch uns eines Tages die Frage stellen, die er schon an Adam gerichtet hat: "Adam, wo bist du?" Gott fragt: Wo stehst du? Bist du dort, wo du sein solltest, oder bist du mit deinen Gedanken, deinen Empfindungen ganz woanders? Bist du vor mir auf der Flucht, oder lässt du dich von mir finden?

So ist die Suche nach Gott auch gleichzeitig sein Aufruf an den Menschen: "Suchet nach Gott, solange er zu finden ist." Und er begegnet uns in der Frau, die sich rührend um das behinderte Kind kümmert. Er begegnet uns in dem Helfer, der Zivilcourage besitzt und die lugendlichen, die sich über ein Mädchen hermachen, vertreibt. Er begegnet uns dort, wo der Sozialarbeiter zu den Drogenabhängigen geht, um ihnen einen Ausweg aus ihrer Sucht zu zeigen.

Er begegnet uns dort, wo die Altenpflegerin sich des verwirrten alten Mannes annimmt. Er begegnet uns täglich. Suchen, sehen und erfahren wir ihn!

Erich Lischek

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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