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Andacht vom 04.09.2010:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die herrlichen Eigenschaften dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. 1. Petrus 2,9 (Ludwig Albrecht)

Heute vor 20 Jahren, am 4. September 1989, fand in Leipzig mit 1200 Teilnehmern die erste vieler "Montagsdemonstrationen" statt. Sie schlössen sich an die Friedensgebete an, die seit Mitte der 1980er-Jahre in der Leipziger Nikolaikirche stattfanden. Mit dem Ruf "Wir sind das Volk" meldeten sich bald Woche für Woche tausende DDR-Bürger zu Wort und protestierten gegen die politischen Verhältnisse. Das Ziel war eine friedliche und demokratische Neuordnung, insbesondere das Ende der Vorherrschaft der SED. Die Montagsdemonstrationen spielten eine bedeutende Rolle bei der Wende in der DDR.

"Wir sind das Volk!" - das ist ein Vorrecht und eine Verpflichtung zugleich, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Nachfolge Jesu. Als Staatsbürger können wir uns nicht unserer Mitverantwortung für das entziehen, was in unserer Stadt oder in unserem Land geschieht. Als Kinder und "Auserwählte" Gottes wiederum haben wir einen Auftrag erhalten, der uns als Gemeinde die Existenzberechtigung gibt: unseren Mitmenschen die Größe und Liebe Gottes so vor Augen zu malen, dass sie sich nach einer Begegnung mit diesem Gott sehnen.

Auserwählt, königlich, heilig - das hört sich wunderbar an. Eigentlich ist es kaum zu fassen. Deshalb sehen sich viele Christen überhaupt nicht so. Sicher ist das einer der Gründe, warum sie sich eher verstecken, als freudig und überzeugt gemeinsam aufzutreten, um der Öffentlichkeit "die herrlichen Eigenschaften" und Taten Gottes kundzutun. Wenn der Ruf "Wir sind das Volk!" in gesellschaftlicher Hinsicht schon so viel bewirkt hat (bis hin zum Fall der Mauer), was könnte dann das begeisterte, überzeugte und gemeinsame Auftreten von Christen bewirken, die sich als von Gott geliebtes und gebrauchtes Volk betrachten und entsprechend handeln?

Auserwählt, königlich, heilig - dafür können wir uns nicht rühmen, aber täglich Gott danken! Und es ist beides - Geschenk und Aufgabe -, denn so zu leben, wie es unserer Berufung entspricht, dürfen wir in der Schule Jesu ein Leben lang üben.

Eli Diez-Prida

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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