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Verfasser:Mag. Esther Neumann
Erschienen in:Top Life Aktuell 1102

Unsere Verdauung - ein chemisch-physikalisches Labor

Die UNESCO hat das Jahr 2011 als Jahr der Chemie proklamiert. Bei den meisten Menschen sträuben sich die Haare, wenn sie das Wort Chemie hören. Sei es wegen der vielen negativen Medienberichte über Chemieunfälle oder wegen des langweiligen, kaum verständlichen Chemieunterrichts, den sie aktiv zu verdrängen suchen. Dabei ist Chemie äußerst spannend. Und in unserem Körper läuft vom Mund bis zum After so viel Chemie ab!

Ohne chemische Vorgänge könnten wir gar nicht existieren. Und das Tollste ist, es läuft auch ohne Programmierung unsererseits ab. Allerdings können wir die Verdauung trotzdem unterstützen.

Schauen wir unseren Verdauungstrakt einmal an. Vom Mund bis zum After ist er, vereinfacht gesagt, ein Schlauch mit verschieden weiten Abschnitten. In der Struktur sind sich alle Abschnitte ähnlich. Im Feinbau weisen sie aber erhebliche Unterschiede auf. Und durch die Zugabe von abgestimmten Sekreten erfüllen sie ganz spezielle Funktionen. Durch die Verdauung werden die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe aufgeschlossen. Sie können dann durch die Darmwand aufgenommen werden. Mit dem Blutstrom werden sie zu den verschiedensten Organen transportiert, wo sie ihre wichtigen Aufgaben erfüllen und Energie erzeugen.

Zu den Verdauungsorganen zählen die Mundhöhle mit Gebiss, die Zunge und die Speicheldrüsen, der Rachen, die Speiseröhre, der Magen, der Darm, die Leber mit Gallenwegen und die Bauchspeicheldrüse.

Entleerungszeiten

Die Verweildauer in den einzelnen Abschnitten ist individuell verschieden und hängt stark von der Nahrungszusammensetzung ab. Die Speiseröhre selbst ist etwa 25 cm lang. Es dauert ungefähr 10 Sekunden bis ein Bissen durch diesen Schlauch gerutscht ist und im Magen ankommt. Hier bleibt die Nahrung im Durchschnitt 1-4 Stunden. Die Verweildauer von Kohlenhydrat ist kürzer als die von Eiweiß. Fettreiche Speisen bleiben am längsten im Magen; ein fetter Braten bis zu acht, und Ölsardinen bis zu neun Stunden. Die Entleerungszeiten des Dünndarms ab Nahrungsaufnahme beträgt etwa 7-9, die des Dickdarms 25-30 Stunden und die des Mastdarms 30-120 Stunden. Jetzt verstehen wir auch, warum der häufigste Darmkrebs den unteren Teil des Darmes befällt. Dort bleibt der Speisebrei am längsten liegen. Krebserregende Stoffe haben am längsten Zeit, auf den Darm einzuwirken. Also besser solche Substanzen meiden.

Der Magen

Der Magen liegt im linken Oberbauch. Er dient als Vorratsbehälter und Zerkleinerer. Pro Tag produziert er bis zu 3 Liter Magensaft. Dieser setzt sich aus Schleim, Salzsäure (HCl) Bikarbonat (HCO3), eiweißspaltenden Enzymen und dem Intrinsic-Faktor zusammen.

Die Schleime und das Bikarbonat schützen die Magenwand vor der sehr starken Salzsäure. Die maximale HCl-Sekretion würde etwa einen pH-Wert von 1 ergeben, der aber durch den Speisebrei auf pH 1,8-4 abgepuffert wird. Der niedere pH-Wert tötet die überwiegende Mehrzahl aller Bakterien ab. Der Zwölffingerdarm ist also sehr keimarm und übrigens basisch und nicht sauer wie der Magen. Der Intrinsic-Faktor wird von der Magenwand abgesondert und ist für die Aufnahme und den Transport von Vitamin B12 notwendig. Fehlt dieser Faktor, kann gar kein Vitamin B12 aufgenommen werden.

Feste Nahrung bleibt so lange im Magen, bis sie in Teilchen von etwa 0,3 mm Durchmesser zerkleinert ist. Das geschieht durch peristaltische Wellen, die über den ganzen Magen laufen. Sie sind im untersten Teil des Magens besonders stark. Der Speisebrei wird vor- und zurückgeschoben. Dabei wird die Nahrung zermahlen, mit dem Magensaft durchmischt, und Fette werden fein verteilt. Im unteren Teil des Magens ist der Speisebrei schon sehr fein und dünn, darüber sind die gröberen Teile geschichtet. Beim Hin- und Herbewegen wird immer ein Teil des gröberen Breis mitgerissen und weiter zerkleinert. Der feine Brei, Chymus genannt, kann dann über den Pförtner in den Zwölffingerdarm abfließen. Der Speisebrei kann nur in dem Maß an den Zwölffingerdarm abgegeben werden, in dem dieser ihn weiterverarbeiten kann. Dazu gibt es Messstellen am Magenausgang, die die genaue Zusammensetzung kontrollieren.

Entleerung des Magens

Die Arbeit und Entleerung des Magens wird durch viele Faktoren gesteuert. Es wirken verschiedene Hormone und Botenstoffe mit. Dauernd wird gemessen und verglichen. Der 10. Gehirnnerv spielt eine wichtige Rolle. Er regt die Magendrüsen an und ist für die Magenbewegung zuständig. Aber auch die Psyche spielt eine Rolle. Wir kennen alle den Zustand vor einer Prüfung! Der Pförtner ist meistens leicht geöffnet, sodass Flüssigkeit (Trinken beim Essen) und der dünne Chymus frei abfließen können. Der Pförtner wird wieder geschlossen, wenn gröbere Nahrungsteile kommen. Unverdauliches wie Knochen, Faserstoffe und Fremdkörper verlassen den Magen während der Verdauungsphase nicht. Erst in der anschließenden Ruhephase laufen nach einer inneren Uhr spezielle Kontraktionswellen über Magen und Darm, wobei Unverdauliches und Verdauungssekrete entleert werden. Es macht also durchaus Sinn, wenn wir nur alle 5 Stunden etwas essen und zwischendurch dem Verdauungstrakt diese Ruhephase gönnen.

Wenn wir dauernd am Naschen sind, wird oben immer wieder grober Speisebrei nachgefüllt. Der Magen wird nie fertig, alles zum feinen Chymus zu verarbeiten. So kann es passieren, dass vom Frühstücksbrot dann am Abend immer noch etwas im Magen herumlümmeln muss.

Unser Körper - ein Wunderwerk

Wir können lange nicht auf alle Einzelheiten, die im Verdauungstrakt ablaufen, eingehen. Wir müssten sonst ein ganzes Buch schreiben. Das Wenige hat aber bereits gereicht, um zu erkennen, welches Wunderwerk wir in unserem Körper vor uns haben. Helfen wir ihm, soweit es an uns liegt, bei seiner vielfältigen Arbeit! Das können wir durch einen vernünftigen, gesunden Lebensstil. Er wird es uns mit Gesundheit danken. Und wir danken ihm für seine großartigen Leistungen.

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