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Verfasser:Mag. Esther Neumann
Erschienen in:Top Life Aktuell 1503

Pankreas - Lebenswichtige Bauchspeicheldrüse

"Hinterm Magen liegt noch was und das ist das Pankreas." So haben wir es in der Schule gelernt. Die Bauchspeicheldrüse ist eine lebensnotwendige Verdauungsdrüse. Zeitlebens bleiben multipotente Stammzellen im Pankreas erhalten, denn sie müssen dauernd Nachschub produzieren, lebt doch eine Pankreaszelle im Schnitt nur etwa 40–50 Tage.

Die Bauchspeicheldrüse ist ein relativ großes Organ, das quer im Körper hinter dem Magen zwischen Milz und Leber liegt. Sie ist etwa 14–20 cm lang. Sie ist über einen Ausführgang mit dem Zwölffingerdarm verbunden. Der Gang verläuft durch die gesamte Länge der Drüse.

Exokrine Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse enthält zwei Anteile mit sehr verschiedenen Aufgaben: den exokrinen und den endokrinen Anteil. Endokrin heißt ins Blut absondern und exokrin nach außen, in diesem Fall in den Zwölffingerdarm, abgebend. Das Pankreas setzt sich aus mehreren tausend Läppchen zusammen, die gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Diese wiederum setzen sich aus mehreren hundert Drüsenendstücken, den Azini, zusammen. Das Sekret der Azini wird über ein Gangsystem in den Zwölffingerdarm geleitet. Täglich werden etwa 1,5-2 l Sekret gebildet. Die wichtigsten Bestandteile sind die verschiedensten Verdauungsenzyme: Lipasen zur Verdauung von Fett, Amylasen zur Verdauung von Kohlenhydraten und verschiedene Proteasen zur Verdauung von Eiweiß. Die meisten Verdauungsenzyme werden aber in einer Vorstufe gebildet und erst im Zwölffingerdarm in die aktive Form umgewandelt. Dadurch wird die Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse verhindert. Etwa 95% des Verdauungssaftes bestehen aus Wasser. Es ist sehr wichtig, dass dieser Saft leichtflüssig ist und der pH-Wert ungefähr bei 8 liegt. Bei etwa einem von 2 000 Neugeborenen ist durch einen Gendefekt das Pankreassekret sehr zähflüssig und der pH-Wert nahezu neutral. Dadurch ist auch das Milieu im Zwölffingerdarm zu sauer, und die Fettverdauung kann nicht richtig funktionieren. Es kommt zu Fettstühlen. Im Pankreas selber werden die Gänge durch das zähe Sekret verstopft. Auch in der Lunge kommt es zu Verstopfungen und Vernarbungen. Das Krankheitsbild heißt zystische Fibrose oder Mukoviszidose.

Das Pankreaskarzinom ist nach dem Kolon- und Magenkarzinom der dritthäufigste Tumor des Verdauungstraktes. Rauchen, häufiger Kaffeekonsum, Typ-I-Diabetes sowie chronische Pankreatitis sollen das Risiko erhöhen. Die Prognose des Pankreaskarzinoms ist meist sehr schlecht, da es selten zu einer frühzeitigen Diagnose kommt und dann große Teile des Pankreas entfernt werden müssen, oft noch mit einem Teil des Zwölffingerdarmes.

Endokrine Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse enthält Gruppen von Zellen, die im übrigen Gewebe kleine Inseln bilden und nach ihrem Entdecker, dem deutschen Mediziner Paul Langerhans, "Langerhans-Inseln" genannt werden. Das sind Ansammlungen von Zellen mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,4 mm. Ein Erwachsener besitzt ungefähr eine Million davon. Sie gehören zum Hormonsystem und geben ihre Syntheseprodukte direkt ins Blut ab. Die Hauptfunktion dieser Inseln besteht darin, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Etwa 70% der Inselzellen bilden Insulin. Diese Zellen heißen B-Zellen. 20% sind A-Zellen und bilden Glucagon, das Gegenhormon zum Insulin. Die D-Zellen machen 5% aus und bilden Somatostatin, das bereits in kleinen Mengen die Freisetzung von Glucagon behindert. Weitere 5% machen die PP-Zellen aus. PP, das pankreatische Polypeptid, das sind Eiweißstoffe, steigert die Beweglichkeit des Dünndarmes. Das ist für die Verdauung sehr wichtig, damit der Speisebrei gut durchmischt wird und in Kontakt mit den Blutgefäßen kommt. Auf diese Weise können die Nährstoffe besser aufgenommen werden.

Leitungsbahnen

Die Bauchspeicheldrüse wird von Nervenbahnen, Lymphgefäßen, Lymphknoten, Arterien und Venen durchzogen. Die Blutzufuhr erfolgt über mehrere Arterien. Die Drüse wird über einen doppelten Gefäßkranz versorgt. Die kleinsten Adern, die Kapillaren, sind überwiegend fenestriert, d.h. sie weisen kleinste „Fenster“ auf, über die die endokrinen Zellen direkt mit dem Blut in Verbindung stehen. Dadurch „erfühlen“ die Zellen gleichsam den Blutzuckerspiegel, und die Hormone können direkt ins Blut ausgeschüttet werden.

Blutzuckerregulation

Die Regulierung des Blutzuckerspiegels ist sehr wichtig. Im Blut liegen die Kohlenhydrate in Form von Glucose vor. Die Konzentration beträgt beim gesunden Erwachsenen etwa 80-100 mg pro 100 ml Blut. Die zwei wichtigsten Hormone, die an der Regulierung beteiligt sind, kommen aus der Bauchspeicheldrüse: Insulin und Glucagon. Sie sind Gegenspieler. Insulin senkt den Zuckerspiegel, während ihn Glucagon erhöht. Nach einer Mahlzeit wird die Glucose ins Blut aufgenommen. Der Blutzuckerspiegel steigt. Im gesunden Menschen bewirkt das die Ausschüttung von Insulin ins Blut. Der Zuckerspiegel soll ja wieder auf den Normalwert gesenkt werden. Das Insulin öffnet dem Blutzucker den Weg in die Körperzellen. Dort wird er in Energie umgewandelt. Das Insulin bewirkt aber auch, dass der Glucose-Überschuss in die Leber oder die Muskeln geschleust wird. Dort wird die Glucose in Glykogen umgewandelt und gespeichert. Sinkt der Zuckerspiegel unter den Normalwert (Hunger, Arbeit), sorgt Glucagon dafür, dass die Leber Glykogen wieder freigibt, es in Glucose umgewandelt wird und wieder ins Blut gelangt. Der Zuckerspiegel steigt wieder.

Erneute Nahrungsaufnahme oder verstärkte Muskeltätigkeit lassen den ganzen Ablauf wieder von vorne beginnen. Durch andauernde Nahrungsaufnahme, wie etwa ständiges Naschen, wird dieser Regelkreis überfordert, versagt früher oder später, und wir haben es mit einem Diabetes mellitus Typ-II zu tun. Auch Übergewicht fördert die Entstehung von Diabetes. Früher sprach man bei diesem Typ vom Altersdiabetes. Weil durch eine unvernünftige Lebensweise die Patienten mit Diabetes aber immer jünger werden, ist man von dieser Bezeichnung weggekommen.

Unsere Bauchspeicheldrüse ist ein sehr wichtiges Organ für unsere Verdauung und den gesamten Stoffwechsel. Wir tun gut daran, sie zu pflegen und sollten sie nicht immer auf Hochtouren arbeiten lassen, indem wir dauernd am Naschen sind oder zu viele Mahlzeiten pro Tag einnehmen. Ein gesunder Erwachsener kommt mit drei Mahlzeiten aus. Er braucht nichts dazwischen. Nur trinken soll er zwischen den Mahlzeiten, idealerweise Wasser. Gott hat uns in seiner weisen Schöpfermacht ein sehr interessantes Organ in unseren Körper eingepflanzt. Wir können immer nur staunen, wie fein und wunderbar unser ganzer Stoffwechsel von kleinen Dingen abhängt, die wie ein Uhrwerk eins ins andere greifen.

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