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Vitamin D - nicht nur für die Knochen

In unserem Körper laufen jede Sekunde Tausende von biochemischen Reaktionen ab. Die Vernetzungen und gegenseitigen Beeinflussungen sind umfangreich. Gerade jetzt im Winter sollten wir diesem Vitamin besondere Aufmerksamkeit widmen.

In der Nahrung kommt Vitamin D nur sehr beschränkt vor - im Eigelb, in Fettfischen wie Hering und Makrelen, im Lebertran und in mit Vitamin D angereicherten Margarinen, auch in Avocado und Pilzen. Aber keine Angst, unser Schöpfer hat keinen Fehler gemacht. Den Bedarf an diesem Vitamin können wir mit einigen Sonnenstunden wöchentlich abdecken, denn Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, das wir selber im Körper herstellen können.

Die Vorstufe unseres Vitamin D wird in der Leber und in der Darmschleimhaut aus Cholesterin gebildet. Mit dem Fachausdruck heißt es 7-Dehydrocholesterol. Diese Vorstufe wird nun in die Haut transportiert. Mit Hilfe einer ganz bestimmten Wellenlänge des Sonnenlichtes, den UV-B-Strahlen, wird nun das Provitamin D aufgebaut. Sobald es in den Blutkreislauf gelangt, wird es an ein Protein gebunden und in die Leber befördert. Dort und auch im Körperfett kann es gespeichert werden. Es ist immer noch kein aktives, wirksames Vitamin D, sondern eine Speicherform. Es gibt noch etliche andere Vitamin D-Verbindungen, aber wir wollen es nicht zu kompliziert machen.

Der nächste Schritt ist von entscheidender Bedeutung. Wird Vitamin D benötigt, wird die Speicherform aus der Leber oder dem Fettgewebe in die Niere gebracht und mit Hilfe eines Enzyms in die aktive Form umgewandelt. Der Einfachheit halber nennen wir es Vitamin D. Dieses aktive Vitamin bleibt etwa 6 bis 8 Stunden erhalten. Die Speicherform hält zwanzig und mehr Tage lang. Das ist ein wichtiges Prinzip.

An dieser Stelle unseres Netzwerkes müssen wir noch einen wichtigen Manager einführen. Es ist das Parathormon aus der Nebenschilddrüse. Dieses Hormon regt die Aktivität unseres Nierenenzyms zur Herstellung des aktiven Vitamins an. Und wenn genug Vitamin D erzeugt worden ist, bremst das Parathormon die Aktivität des Nierenenzyms wieder ein. Das kann innerhalb von Sekunden geschehen. Aber auch die Serumspiegel von Kalzium und Phosphat im Blut sind wichtige Regulatoren bei der Entstehung von Vitamin D in seiner aktiven Form. Eine Abnahme des Kalziums im Blut bewirkt die vermehrte Ausscheidung von Parathormon, wodurch mehr Vitamin D hergestellt oder aus dem Darm über die Ernährung aufgenommen wird. Es ist enorm wichtig, dass immer genug Kalzium im Blut vorhanden ist, weil es auch für die Muskel- und Nervenkontraktionen von Bedeutung ist, also auch für unser Herz. Bei ausreichender Menge im Blut kann Kalzium in die Knochen eingebaut werden. Bewegung fördert diesen Mechanismus. Es ist also ganz wichtig, dass unsere jungen Leute Sport betreiben und sich genügend bewegen, denn die höchste Knochenmasse wird im 20sten bis 30sten Lebensjahr aufgebaut. Dann geht es nur noch darum, die Knochenmasse zu erhalten. Ist zu wenig Kalzium im Blut vorhanden, wird es aus dem Knochen wieder abgebaut, besonders wenn die Aufnahme aus der Ernährung zu gering ist.

Es gibt aber noch viele andere Funktionen von Vitamin D. Es ist auch für die Krankheitsabwehr zuständig. Es hilft mit bei der Bildung von Antigenen und bei der Abwehr von Bakterien. Dies erklärt die erhöhte Infektionsanfälligkeit bei rachitischen Kindern. Vitamin D stärkt das Immunsystem. Es steuert auch die Zellproliferation. Darunter versteht man die schnelle Vermehrung oder Wucherung von Zellen oder eines Gewebes. Somit hilft eine angemessene Vitamin D-Versorgung mit anderen Faktoren zusammen, die Entstehung von Krebszellen zu verhindern. Bei Vitamin D-Mangel steigt das Risiko für Krankheiten. Das gilt für Autoimmun- und Infektionskrankheiten, Bluthochdruck, Osteoporose, Rachitis bei Kindern, verschiedene Krebsarten, Herzkreislauferkrankungen, Muskelschwäche und Fibromyalgie, Demenz, Gehirnleistungsstörungen, Metabolische Syndrome und vieles andere. Viele Pflanzen versorgen uns genauso gut oder noch besser mit Kalzium als die Milch. Gute pflanzliche Kalziumlieferanten sind: Sesam, Brennnessel, Sonnenblumenkerne, Hagebutte, Mandel, Haselnuss, Amaranth, Gartenkresse, Grünkohl, Sojabohnen, Leinsamen, Feigen, Löwenzahn, Erbsen, Spinat und vieles mehr.

Wie kann ich nun genügend Vitamin D bilden? Unter optimalen Bedingungen sorgt ausreichend Sonnenlicht dafür. Was ist ausreichend? Wenn ich weiß, wie viel Sonnenlicht gebraucht wird, damit sich meine Haut leicht rötet, dann ist etwa ein Viertel dieser Zeit dreimal die Woche genug, um reichlich Vitamin D für die Speicherform zu produzieren. Wenn die Haut nach dreißig Minuten an der Sonne leicht gerötet wird, sind das etwa 10 Minuten. Im Winter muss ich demzufolge länger an die Sonne. Erstens scheint sie nicht so stark und zweitens ist sie nicht so oft hier. Hellere Hauttypen haben es leichter mit der Bildung, dunklere müssen sich länger der Sonnenbestrahlung aussetzen. Auch Sonnenschutzcremen über dem Faktor 8 behindern die Produktion. Ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, um an die Sonne zu gehen, sollten ihren Vitamin D-Status hin und wieder überprüfen lassen und eventuell Vitamin D künstlich oder mit angereicherten Lebensmitteln zuführen. Kann ich auch zu viel Vitamin D bilden, wenn ich mich sehr lange an der Sonne aufhalte? Nein! Es gibt einen Gegenmechanismus, der das verhindert. Das in der Haut gebildete Prävitamin ist photolabil. Wird es nicht gebraucht, baut es sich wieder ab.

Auch Schwangere und Stillende sollten ihren Vitamin D-Status beobachten. Gerade für den Säugling ist die ausreichende Zufuhr des Vitamins sehr wichtig, muss er doch seine Knochen aufbauen. Beim Längenwachstum des Knochens wird auf der einen Seite an der Knorpelschicht ständig neues Knorpelgewebe gebildet, während der Knochen an der anderen Seite durch Einlagerung von Kalziumsalzen verknöchert. Bei Vitamin D-Mangel erfolgt zwar die Knorpelneubildung, aber nicht die Kalzifizierung. Die Folge ist ein weicher, leicht verformbarer Knochen. Das ist das Krankheitsbild der Rachitis. Ist die Mutter gut mit Vitamin D versorgt, ist es auch die Milch. Der Säugling muss aber lange genug saugen, denn das Vitamin ist vor allem in der fettreichen Nachmilch vorhanden. Weil das Vitamin so wichtig ist, wird empfohlen, den Säuglingen zusätzliche Gaben an Vitamin D zu verabreichen. Es ist auch wichtig, mit dem Säugling an die frische Luft zu gehen, damit er über die UV-B-Strahlen Vitamin D produzieren kann. Industriell hergestellte Säuglingsnahrung ist mit Vitamin D angereichert.

Ein gesunder Lebensstil ist enorm wichtig. Wir verwirklichen ihn, wenn wir uns an der frischen Luft bewegen, den Sonnenschein genießen und eine gesunde pflanzliche Ernährung zu uns nehmen. Außerdem sollen wir auch nicht unsere Enzyme durch freie Radikale schädigen, die etwa beim Rauchen oder durch den Alkoholkonsum entstehen. Wir haben einen wunderbaren Körper und wollen ihn in seinen mannigfaltigen Aufgaben unterstützen.

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