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Andacht vom 06.10.2011:

So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber. Jakobus 2,17

Von Martin Luther wurde der Jakobusbrief als "stroherne Epistel" bezeichnet, weil seine Aussagen für ihn im Widerspruch zum Römer- und Galaterbrief standen, in denen die Rechtfertigung allein aus dem Glauben betont wird.

Wie für den Drahtseiltänzer im Zirkus ist es auch für uns Christen wichtig, dass wir in unserem Glaubensleben immer wieder die Balance und die Ausgewogenheit finden. Zu solch einem Gleichgewicht wollte Jakobus den Christen verhelfen. Meines Erachtens steht er nicht im Widerspruch zu Paulus, sondern ergänzt ihn auf wunderbare Art und Weise. Jakobus erinnert uns daran, dass nur ein lebendiger, aktiver Glaube uns erlösen kann. Wenn auf unsere Worte keine Taten folgen, ist unser Glaube nicht viel wert - und nicht echt - ebenso wenig wie die Liebeserklärung eines Menschen, der es nur bei schönen Worten belässt.

Beim Durchlesen des gesamten Jakobusbriefes sind mir bestimmte Worte aufgefallen, die aneinandergereiht eine Art roten Faden ergeben: Da ist die Rede von Anfechtung (Jak 1,2.12), Zorn (1,19.20), vom Ansehen der Person (2,1.9), vom Unheil, das die Zunge anrichten kann (3,1-12), von Neid (3,14.16), Streit (3,14.16; 4,1), von verleumden und verurteilen (4,11.12), von "widereinander seufzen" (5,9) und vom Kampf untereinander (4,1). Könnte es sein, dass der Hintergrund für den Jakobusbrief Streitigkeiten und Spannungen in der jungen Christengemeinde sind? Wenn ja, dann mag der Jakobusbrief für Luther zwar eine "stroherne" und nicht so gewichtige Epistel gewesen sein - verstaubt und irrelevant ist dieser Brief aber bestimmt nicht, sondern hochaktuell.

Dann bekommt auch unser Vers einen neuen Sinn. Dann geht es nicht nur um irgendwelche Taten, sondern um die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Dann geht es darum, ob wir konstruktiv. mit Meinungsverschiedenheiten und Konflikten umgehen, ob wir uns zu unserer Schuld bekennen und die Versöhnung mit dem Nächsten suchen. Dann geht es nicht nur um den Inhalt unserer Diskussionen, sondern auch darum, wie und in welchem Geist wir sie führen.

In diesem Sinne möchte ich nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes sein und mich um einen lebendigen Glauben bemühen.

Christian Frei

Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.

 

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