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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1201

Die Kraft der Stille

Haben Sie es schon gehört? Den neuesten Tratsch, die Nachrichten, die heißesten Gerüchte und was man sonst noch so alles sagt und von sich gibt!? Wie bitte? Ihnen wäre es lieber, damit gar nicht konfrontiert zu werden? Mit diesem Wunsch sind Sie in unserer gesprächigen Welt nicht alleine. Tagtäglich werden wir mit Nachrichten und Meinungen geradezu bombardiert und mittels Radio und Fernsehen dringen diese auch in unsere Wohnzimmer und den ganz privaten Bereich. Wir wollen wissen, was man so alles denkt und tut - wir wollen informiert werden. Unsere Welt ist eine laute Welt geworden.

Die eine Frage ist, ob uns das wirklich gut tut. Die andere, ob wir Stille heute überhaupt noch aushalten würden. Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach Hause und - es ist still. Keine Musik, keine Ablenkung, nur Sie allein mit sich. Eine beklemmende Vorstellung? Die Stille lädt uns zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich ein. Da werden Fragen laut, die wir ansonsten unterdrücken, da steigen vielleicht Sorgen und Befürchtungen hoch, die wir gerne verdrängen. Die Stille ist wie ein weites Feld, auf dem so manches Platz hat. Sie ist eine Chance, mit sich wieder ins Reine zu kommen, zur Besinnung zu finden, innezuhalten. Gerade in unserer hektischen und unruhigen Welt eine Kostbarkeit. Haben Sie schon Ihren Ruhepol der Stille gefunden? Das kann eine Ecke des Zimmers sein, die Sie liebevoll für sich eingerichtet haben, ein ganz persönlicher Ruheplatz sozusagen. Oder ein erfrischender Spaziergang durch Wald und Wiesen, bei dem nur Sie unterwegs sind - mit sich selbst.

Stille will gesucht werden, denn Ablenkungen gibt es heute viele. Ja, die ganze Unterhaltungsindustrie profitiert von unserem Wunsch nach Zerstreuung und Spaß. Verstehen Sie mich, bitte, nicht falsch - auch Unterhaltung hat ihren Stellenwert. Doch sie darf nicht auf Kosten der Besinnung gehen. Christen haben da eine besondere Angewohnheit, die einen segensreichen Einfluss auf das ganze Leben ausübt: die sogenannte "stille Zeit" am Morgen oder am Abend (oder am besten zu beiden Zeitpunkten). Diese Zeit wird auch "persönliche Andacht" genannt und ist mit Bibelstudium und Gebet verbunden. Noch bevor der Tag mit seinen Aufgaben und Pflichten beginnt, hat ein gutes Bibelwort seinen Platz. Das kann zum Beispiel eine tägliche Lesung aus einem Evangelium sein oder ein Andachtskalender oder ein Psalm - das hängt ganz von Ihrer Entscheidung ab. Dazu gehört natürlich auch das persönliche Gebet. Gebet ist Kommunikation mit Gott. Meist sind wir da schnell mit unseren Wünschen und auch Klagen, doch auch der bewusste Dank und das Lob Gottes gehören dazu. Und schließlich: Auch im Gebet ist Stille ein wertvolles Element. Hinhören auf Gottes Stimme in meinem Leben, seine Worte aufnehmen - all das gehört zu einem guten "geistigen Frühstück". Wer so aus der Stille kommt, ist für einen Tag mit all seiner Geschäftigkeit und Betriebsamkeit gerüstet.

Sie haben keine Zeit dazu? Von Martin Luther wird berichtet, dass er an den Tagen, an denen er viel zu tun hatte, auch besonders lange betete. Wir machen ja oft den Umkehrschluss: Wenn wir wenig Zeit haben, dann kommt auch die Ruhe und Besinnung zu kurz. Ein Eigentor, denn so beginnen wir den neuen Tag schon gestresst. Dabei ist gerade dann die „stille Zeit“ von großer Wichtigkeit und wird uns zum Segen. Nicht umsonst nennt man das Gebet das "Atmen der Seele". Wo auch immer Sie gerade im Leben stehen, was Sie beschäftigt und umtreibt, nehmen Sie sich doch ein wenig Zeit für die Stille. Ich wünsche Ihnen den Segen, der darauf liegt!

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