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Fernsehverweigerer

Sie sieht kaum mehr etwas. Darum ist der Fernsehschirm in ihrem Heim auch riesig. Er hört kaum mehr etwas. Aber gemeinsam verbringen sie Abend für Abend ihre Zeit vor dem Fernseher. Sie fragt ihn immer wieder: "Was hat die an? Welche Landschaft siehst du gerade?" Er fragt sie immer wieder: "Was hat er gesagt? Ich habe nicht alles verstanden." Eine Szene aus einem Kabarett? Nein, Wirklichkeit aus dem Alltagsleben. Und sie geben nicht auf. Weil sie nicht wissen, wie sie sonst ihre Abende verbringen sollen. Weil TV ihrem Leben bereits Richtung und Sinn gibt.

Fernsehen ist Freizeitbeschäftigung vieler Millionen Menschen. Ganz besonders die Generation 50 plus sitzt täglich etliche Stunden vor der Glotze, besonders lange an den Sonntagen. Fernsehen entspannt, wirkt ausgleichend, gibt Richtung. Es fehlt etwas, wenn er einmal nicht läuft. Der Fernsehkonsum steigt auch mit dem Angebot. Wer eine "Schüssel" hat und über unzählige Kanäle verfügt, konsumiert deutlich mehr als jemand, der nur zwischen vier Kanälen wählen kann.

Fernsehen "bildet". Ich höre immer wieder: "Im Fernsehen haben sie gezeigt, gesagt... Und das wird doch wohl stimmen! Die können doch nichts Falsches sagen, wenn so viele zusehen."

Internet gegen Fernseher

Bei den jungen Menschen läuft das Internet dem Fernsehen ganz deutlich den Rang ab. Sie wollen sich nicht einfach berieseln lassen, sondern individuell ihr Programm nach eigenen Vorlieben zusammenstellen. Es ist interessanter und spannender, selber zu surfen und sich etwas herunterzuladen. Fernsehen ist etwas für Omas und Opas, die sich im Netz nicht auskennen.

Tatsächlich können beide Gruppen ein Problem mit ihrem TV- oder Internetkonsum haben. Einsamkeit, Depression, Orientierungslosigkeit, Überforderung und anderes mehr können zu übertriebenem Konsum führen. Es wird gehandhabt wie ein Suchtmittel. Dass es selten als Problem erkannt wird, ist die gesellschaftliche Akzeptanz, die kaum hinterfragt wird.

Bewusste Nichtfernseher

Es gibt Fernsehverweigerer aus Unzufriedenheit über das Programm: Zu viele Wiederholungen, zu seicht, zu ungenau, besonders in der Politik, zu brutal - warum soll ich mir auch noch Bilder zu den Gemeinheiten in der Welt anschauen? Die Folge: Sie haben den Stecker gezogen.

Eine andere Gruppe sind die Aktiven. Es fehlt ihnen schlicht und einfach die Zeit, sich vor den Kasten zu setzen. Auch das Internet interessiert sie höchstens, um Sachinformationen einzuholen und sich mit ihren Lieben in der Ferne auszutauschen. Sie sind zu kreativ und haben kaum Zeit, all ihre Vorhaben und Pläne in die Tat umzusetzen. Darum wird bewusst auf TV und Internet verzichtet. Sie haben prinzipiell nichts gegen diese Medien. Aber sie wollen ihre Zeit lieber den beruflichen und privaten Tätigkeiten widmen, die ihnen wichtiger sind. Selbst die Zeit, die sie mit guten Filmen und Informationen verbringen, wäre ihnen zu schade.

Eine weitere Gruppe verzichtet ganz bewusst, weil sie ihre Abhängigkeit erkannt hat. Durch die Verbannung des Fernsehers oder auch des Internets wollen sie ihr Leben wieder ordnen und bewusster leben. Um nicht rückfällig zu werden, wird der Fernseher aus ihrem Umfeld verbannt.

Gewinn durch Nichtfernsehen

Wenn man die Stunden zusammenrechnet, die eine Familie vor dem Fernsehschirm zubringt, und dann überlegt, wie viel Sinnvolleres man in dieser Zeit miteinander hätte erleben können, fällt es leichter, auf das Fernsehen zu verzichten. Gemeinsam Bücher lesen, ein Museum besuchen, Wanderungen oder Fahrradtouren unternehmen, gemeinsam kochen, in ein Konzert gehen - das wäre der richtige Ersatz. Auch Haushalt und Garten wären leichter gemeinsam in Schuss zu bringen. Mehr Aufmerksamkeit, Lebendigkeit und Aktivität würden in die Familien zurückkehren.

Der gesundheitliche Wert in Sachen Ernährung und Übergewicht darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Die meisten Naschereien werden vor dem Fernseher verzehrt. Dazu prägen Medien verstärkt das Einkaufsverhalten der Zuschauer. Nicht nur Werbespots lenken die Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte Lebensmittel, auch die Unterhaltungs- und Informationssendungen hinterlassen Spuren in unserem Denken. Kaum eine Sendung kommt ohne Essen und Trinken aus. Was wird meistens serviert? Alkohol, Cola, Süßigkeiten, Schlemmereien ... Zusammen mit der Bewegungsarmut vor dem Bildschirm führen solche übernommenen Ernährungsmuster zum Übergewicht.

Es gibt noch weitere Gründe, als Familie auf TV zu verzichten. Das sind unsere Kinder. Das Fernsehen und gewisse Spiele im Internet gehen Hand in Hand mit der Zunahme von Gewalt. Auch lässt die Konzentrationsfähigkeit der Kinder nach. Schuld daran sind die schnellen Bildfolgen, die die Kinder gar nicht mehr verarbeiten können. Passivität und das Verkümmern der Kreativität sind weitere negative Folgen der beständigen Berieselung.

Ein gutes Sachbuch sollte Sendungen ergänzen. Ein Buch kann immer wieder zu Rate gezogen werden. Man kann öfter nachschlagen. Die Sendung im Fernsehen ist zu schnell vorbei. Wenn es keine Nachbesprechung gibt, ist sie fast nutzlos.

Ausstieg jetzt

Jetzt ist eine günstige Zeit, aus dem Fernsehtrott auszusteigen. Das Leben geht wieder mehr nach außen, die wärmere Jahreszeit kommt uns sehr entgegen. Am Abend ist es wieder länger hell. Wir können uns gut im Freien bewegen. Aber was tun wir mit der gewonnen Zeit? Wir können uns sozialen Projekten zuwenden. Es gibt viele alleinstehende Menschen, die dankbar sind, wenn sie Besuch bekommen, wenn man mit ihnen plaudert, spielt und musiziert. Der Verschönerungsverein des Dorfes ist auch für Hilfe dankbar. Junge Familien sehnen sich nach Oma- und Opa-Hilfe. Auch Hausaufgabenbetreuung ist vielfach gefragt. Sich selber etwas Gutes tun ist eine gute Sache: ein Thermenbesuch, ein langer Spaziergang, eine Bergtour, ein Lese- oder Spielabend. Jeder wird mit etwas Einfallsreichtum geeignete Projekte finden. Es muss nicht immer die Glotze sein.

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