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Verfasser:Mag. Esther Neumann
Erschienen in:Top Life Aktuell 1803

Autophagie - Müllabfuhr mit Wiederverwertung

Sie läuft in jedem Körper ab, aber kaum jemand kennt sie, die Autophagie. 2016 hat der Japaner Yoshinori Ohsumi den Nobelpreis in Medizin für die Forschung darüber bekommen. Aber schon in den 60er Jahren haben andere zu diesem Thema geforscht und die Autophagie beschrieben.

Das Wort Autophagie kommt aus dem Griechischen. "Auto" heißt selbst und "phagein" essen, fressen. Es geht um einen Vorgang, der in unseren Zellen abläuft. Wenn die Zelle von außen keine Nahrung bekommt, verdaut sie nicht lebensnotwendige Zellbausteine wie etwa kaputte Eiweiße oder andere beschädigte Zellorganellen - z.B. Mitochondrien, unsere Kraftwerke in den Zellen. Teilweise werden die Abbauprodukte wiederverwertet oder in Energie übergeführt. Es werden aber auch Mikroorganismen, Bakterien und Viren, die in den Körper eingedrungen sind, durch die Autophagie bekämpft. Sie spielt somit auch im Immunsystem, bei Infektionen, im Alterungsprozess und bei der Entwicklung von Tumoren eine große Rolle. Im Alter funktioniert die Autophagie nicht mehr so gut. Dadurch entstehen viele Krankheiten. Demenz, Parkinson, Alzheimer und Diabetes kann man darauf zurückführen. Das passt gut zur Beobachtung, dass bei einer geringeren Energiezufuhr die Menschen gesünder älter werden. Kein Wunder, dass die Autophagie zu einem großen Forschungsthema geworden ist. Viele Hundertjährige auf der Insel Okinawa geben an: "Wir essen nur so viel, dass wir gerade nicht ganz satt sind."

Kurzzeitfasten

Auch Österreich ist an der Autophagie-Forschung maßgeblich beteiligt. Besonders auch an Umsetzungsstrategien. Universitätsprofessor Dr. Frank Madeo betreut in Graz am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität eine groß angelegte Studie. Fasten ist ein Auslöser der Autophagie, die verjüngend, lebensverlängernd und regenerierend wirkt. Schon ein Kurzzeitfasten von 16 - 20 Stunden löst diesen Effekt aus. Zellen brauchen Zeit, um ihren Abfall loszuwerden oder wiederzuverwerten. Wenn ständig gegessen wird, wird auch ständig Insulin benötigt, und der Körper ist dauernd mit dem Verdauen beschäftigt. Insulin hemmt die Autophagie. Die Empfehlung, fünf bis sieben kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, gehört glücklicherweise bald der Vergangenheit an. Prof. Madeo sagt: "Begrüßen Sie den Hunger wie einen Freund, dann wird Ihr Körper aufgeräumt."

Es müssen nicht einige Tage hintereinander gefastet werden, um in den Genuss der Autophagie zu kommen. Es genügt auch ein Intervall- oder Kurzzeitfasten. Ausreichend ist ein Intervall von 16 : 8, also binnen 24 Stunden nur während 8 Stunden 2 x zu essen und dann 16 Stunden zu fasten, also auf jegliche Nahrung, auch auf Fruchtsäfte zu verzichten. Wasser darf getrunken werden. Meistens lässt man das Abendessen aus. Es gibt auch die Methode, bei der an einem Tag normal gegessen und dann ein Tag lang gefastet wird. Ein Nebeneffekt des Kurzzeitfastens ist, dass meist weniger Kalorien aufgenommen werden und dadurch auch einige Kilos purzeln.

Pflanzliche Ernährung

Man hat auch Stoffe in Lebensmitteln gefunden, die die Autophagie ankurbeln. Polyphenole gehören dazu. Sie kommen hauptsächlich in den Randschichten von Gemüse, Obst und Getreide vor. Sie schützen auch das Innere der Pflanzen vor dem Verderb durch Sauerstoff. Sie übernehmen diese Funktion auch im Körper der Menschen.

In vielen Gemüse- und Obstsorten kommt Spermidin vor, eine Substanz, die der Körper auch selber produziert. Die Verbindung zur Samenflüssigkeit ist richtig. Dort kommt es in hoher Konzentration vor. Forscher haben herausgefunden, dass auch Spermidin die Autophagie ankurbelt.

Sport gehört übrigens auch dazu. Dabei werden die Zellen in einen Nährstoffmangel versetzt, also auch eine Art intermittierendes Fasten, das die Autophagie verstärkt. Klug ist es, nach dem Sport einige Stunden nichts zu essen. Dann ist die Wirkung noch größer.

Es bestätigt sich wieder, dass eine pflanzliche Ernährung viele Vorteile mit sich bringt. Tierisches Eiweiß hemmt nämlich die Autophagie. Helfen wir unserem Körper beim Aufräumen und Wiederverwerten seines Zellschrotts! Er wird es uns lohnen. Viel Erfolg beim Umsetzen!

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