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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:1501

Geheimnis der Freude

Eine Frage vorweg: Wann waren Sie das letzte Mal so richtig froh und unbeschwert? Wann haben Sie zum letzten Mal aus vollem Herzen lachen können? Liegt das schon etwas länger zurück? Mit der Freude ist das so eine Sache. Sie will nicht recht gelingen, wenn Sorgen da sind und Wolken die Sonne verdecken. Wie soll man sich denn auch freuen und unbeschwert lachen können, wenn Schreckensmeldungen tagtäglich die Medien überfluten und man aus den Negativberichten kaum mehr herauskommt? Wenn der eine schwer krank wird und der andere Konkurs anmelden muss? Wenn die Kinder schlaflose Nächte bereiten und es im Beruf eng wird? Leichtsinnig, wer da noch lacht? Das schaffen nur die wirklich Oberflächlichen, die sich um das Morgen keine Sorgen machen, die keine Familie zu ernähren haben und nicht aufs Geld schauen müssen! Nein - wir behaupten heute das Gegenteil. Eine gute Portion Freude ist zu jeder Zeit möglich. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit oder Sorglosigkeit zu tun, sondern mit dem Geheimnis des richtigen Blicks. Doch bevor wir darüber nachdenken, lade ich Sie ein, eine Begebenheit zu betrachten, die uns im Neuen Testament, und zwar in der Apostelgeschichte 8,26-40, berichtet wird.

Eine besondere Begegnung

Zuerst einige Worte zum Schauplatz des Ereignisses. Wir befinden uns in der ersten Zeit nach Christi Himmelfahrt. Die junge Gemeinde ist vom Heiligen Geist erfüllt und "brennt" für die Verkündigung des Evangeliums. Einer der Jünger Jesu, die treu die "gute Nachricht" verkündigen, ist Philippus. Er befindet sich auf dem Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Noch weiß er nicht, warum ihn der Heilige Geist ausgerechnet in diese Gegend gelenkt hat.

Doch da hört und sieht er, wie sich ein Wagen nähert. Die Pferdehufe schlagen auf den Boden. Das Gefährt ist nicht zu übersehen. Doch was ist das Besondere daran? Wagen dieser Art waren damals üblich. Doch in diesem Fall sollte es sich um eine besondere Begegnung handeln. Denn auf dem Wagen saß ein hoher Beamter, der „Finanzminister“ der Königin der Äthiopier. Er befand sich auf der Rückreise von Jerusalem und las nun in einer Schriftrolle, die er wohl dort erstanden hatte. Und an dieser Stelle wollen wir in den Bibeltext einsteigen: "Der Heilige Geist sagte zu Philippus: "Lauf hinüber und geh neben dem Wagen her." Da lief Philippus hin und hörte, wie der Mann aus dem Propheten Jesaja las. Er fragte ihn: "Verstehst du auch, was du da liest?" Der Mann erwiderte: "Wie soll ich es verstehen, wenn es mir niemand erklärt?" Und er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen. Er hatte gerade folgende Schriftstelle gelesen: "Er wurde wie ein Schaf zum Schlachten geführt. Und wie ein Lamm vor dem Scherer verstummt, so machte er den Mund nicht auf. Er wurde gedemütigt und erfuhr kein gerechtes Urteil. Wer kann von seinen Nachkommen sprechen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen." Der Hofbeamte fragte Philippus: "Von wem spricht der Prophet? Von sich selbst oder von jemand anderem?" Da begann Philippus bei dieser Schriftstelle und erklärte ihm die gute Botschaft von Jesus. Unterwegs kamen sie an einem Gewässer vorbei, und der Hofbeamte meinte: "Sieh, da ist Wasser! Kann ich mich nicht hier taufen lassen?" Er ließ den Wagen anhalten. Sie stiegen in das Wasser, und Philippus taufte ihn. Als sie wieder aus dem Wasser herauskamen, nahm der Geist Gottes Philippus fort, und der Hofbeamte sah ihn nicht mehr. Aber er setzte seine Reise voller Freude fort. Philippus fand sich in der Stadt Aschdod wieder. Er verkündete die Botschaft Gottes dort und in jeder Stadt auf dem Weg, bis er nach Cäsarea kam." Apostelgeschichte 8,29-40 NLB

Voller Freude

Eine interessante Begebenheit, die man vielleicht nicht gleich beim ersten Mal in der Bibel "entdeckt". Und dennoch hat dieses Erlebnis etwas sehr "Menschliches" an sich. Da ist zum einen der Hofbeamte, der seine Schriftrolle studiert und damit nicht zurechtkommt. Und zum anderen befindet sich Philippus wie "zufällig" genau auf demselben Weg und bekommt von Gott den Auftrag, sich an diesen Wagen zu halten. Gerne nimmt der Hofbeamte das Angebot an und lässt sich den Jesaja-Text erklären. Er hatte schon eine Ahnung von diesem einen großen Gott, denn er war ja nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun aber geht ihm „der Knopf auf“. Von Jesus ist hier die Rede! Das Evangelium ist die gute Nachricht vom Kommen Jesu auf diese Erde, von seinem Lebensweg, seinem Leiden und Sterben für die Menschen. Und Philippus bleibt dabei nicht stehen, sondern verkündet ihm auch die gute Nachricht von der Auferstehung Jesu, dass alle, die an ihn glauben, einst auferweckt werden.

Der Hofbeamte fasst einen Entschluss. Diesem Jesus will er nachfolgen und gleich ihm im Wasser getauft werden. Philippus kommt diesem Ansinnen gerne nach und tauft den Finanzminister in einem Gewässer, an dem sie gerade vorbeikommen. Dann "entrückt" der Heilige Geist Philippus, und der Hofbeamte ist wieder allein auf seinem Wagen. An dieser Stelle frage ich mich immer wieder: Hat ihn denn dieses Geschehen nicht zutiefst verwundert? Wo war nun der Mann, mit dem er wenige Augenblicke zuvor noch über Jesus Christus gesprochen hatte? Ja, befiel ihn nicht sogar eine gewisse Angst? Nein, wir lesen in Vers 40: "er setzte seine Reise mit Freude fort." Mit Freude!

Da taucht bei mir die Frage auf: Hat er denn nicht schon vorher bis zu diesem Zeitpunkt Freude gehabt? Schließlich war er in einer hohen Stellung, hatte keine Sorgen um sein Ein- und Auskommen, war gut abgesichert und litt keine Not. Aber erst jetzt freut er sich so richtig! Woher kommt diese Freude des Evangeliums? Was hat der Hofbeamte erfahren, das ihn so bewegt und froh gemacht hat? Und noch weiter gefragt: Können wir das heute auch erleben?

Die gute Nachricht

Der Hofbeamte hatte Jesus erkannt, Jesus als den Sohn Gottes, den Mensch gewordenen Gott, den Retter und Erlöser. Und genau das hat ihm zu seiner Freude gefehlt! Das Wort "Evangelium" bedeutet "gute Nachricht" oder "Botschaft vom Sieg". Und ist das etwa keine gute Nachricht, dass wir Menschen nicht mehr allein den Geschehnissen dieser Zeit ausgesetzt sind?

Wie eingangs schon erwähnt, häufen sich die traurigen Berichte über Terror und Gewalt, Kriege und Krisenherde auf dieser Welt. Ist es da nicht geradezu vermessen und überheblich, selbst noch Grund zur Freude zu haben? Nein, denn die Welt braucht frohe, überzeugte Christen, Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Jesus ist gekommen - nicht für einige Auserwählte, nicht für eine mystische Erfahrung, nicht zur intellektuellen Beschäftigung einiger weniger. Das Evangelium hat Hand und Fuß, es berichtet uns von der Gegenwart unseres Herrn und Heilands Jesus Christus in unserem Leben. Vielleicht hat Ihnen ja auch etwas zu einer tiefen inneren Freude gefehlt wie dem Hofbeamten. Möglicherweise haben Sie sich leer und enttäuscht gefühlt. Denn die Welt bietet zwar jede Menge „Spaß“, aber nicht Freude im Übermaß. Der Unterschied? Spaß ist meist an eine bestimmte Beschäftigung gebunden und von äußeren Reizen abhängig. Nicht umsonst sprechen wir von der heutigen "Spaßgesellschaft". Die Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie boomt, denn jeder will Spaß haben. Doch wenn er vergeht - dann muss schnell ein neuer Reiz her, sonst erwartet uns das Nichts, das Alleinsein, die innere Einsamkeit. Freude hingegen nährt. Sie fordert nicht, sie ist nicht von der Umgebung abhängig, sie ist auch nicht mit Geld oder Einsatz zu bezahlen. So spricht das Evangelium auch nicht von Spaß (obwohl auch Christen gerne lachen), sondern von Freude. Es ist die Freude darüber, dass unser Gott mit uns ist, dass wir ihm ohne Scheu begegnen können, dass er uns alle Schuld nimmt und frei und froh macht.

Beten macht froh

Nicht umsonst wird die biblische Freude auch gern mit dem Gebet verknüpft, wie Paulus es in seinem Brief an die Philipper auch ausdrückt: "Freut euch im Herrn! Ich betone es noch einmal: Freut euch! Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid. Denkt daran, dass der Herr bald kommt. Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm. Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren." (Philipper 4,4-7)

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns die biblische Freude zu eigen machen, dass wir wieder beginnen, Gott zu danken - damit unser Blick auf das Gute gelenkt wird und unser Herz zu jeder Zeit Grund zur Freude hat!

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