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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1505

Gott ist Liebe

Wie ist Gott? Eine Frage, die schnell gestellt wird und seit Jahrtausenden Theologen, Wissenschaftler, Philosophen wie auch den "einfachen" Gläubigen beschäftigt. Wir wollen uns heute dieser Frage widmen, allerdings nicht in der Theorie, sondern in der gelebten Praxis. Wer wissen möchte, wie Gott wirklich ist, braucht nur auf das Leben von Jesus zu sehen.

Auf diese Weise korrigierte Jesus auch das Gottesbild der Jünger: "Wer mich sieht, der sieht den Vater!" (Johannes 14,9) Das Beispiel eines gläubigen Mannes namens Petrus lässt uns den Charakter Gottes erahnen.

Was dieser Petrus mit Jesus erlebte, gibt uns Antworten! „Wir haben erkannt, wie sehr Gott uns liebt, und wir glauben an seine Liebe. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott und Gott lebt in ihm.“ 1.Johannes 4,16 NL

Von sich überzeugt

Wir Menschen wollen Liebe leben. Dieses Bedürfnis steckt in uns drinnen – und so ging es auch Petrus, dem Jünger Jesu. Eine ganz besondere Hingabe zeichnet sein Leben aus. Jesus bedeutet ihm viel, ja er ist sogar bereit, für ihn zu kämpfen, als Soldaten kommen und seinen Herrn gefangen nehmen wollen. Immer wieder muss Jesus den aufbrausenden und vorschnellen Petrus liebevoll zurechtweisen und belehren. Doch Petrus ist sich sicher: „Wenn sich alle an dir ärgern werden, ich werde mich niemals ärgern“ (Matthäus 26,33). Niemals - ich nicht! Große Worte? Petrus ist sich seiner Liebe zu Jesus und seiner Treue ihm gegenüber gewiss. Was auch immer passiert, Jesus, auf MICH ist Verlass! Wieder ist es Jesus, der an die Realität erinnert, an die Begrenztheit unserer menschlichen Mittel. Er wendet sich an seinen selbstbewussten Jünger mit den Worten: „Wahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst“ (Matthäus 26,34). Vielleicht hat er ihn dabei besorgt angeblickt, fast ein wenig wehmütig, traurig.

Petrus, gib Acht, mach nicht so große Worte! Auch du bist ein schwacher Mensch, so wie die anderen! Doch was sagt man jemandem, der fest von sich überzeugt ist?

Eine dramatische Nacht

Tatsächlich handelt es sich um eine höchst aufregende Nacht. Jesu Ringen um Demut im Garten Gethsemane, der Verrat durch Judas, die Gefangennahme. Den teilnehmenden Personen, Zusehern wie Akteuren, ist - abgesehen von Jesus - gar nicht bewusst, dass hier für die ganze Menschheit Heilsgeschichte geschrieben wird. Der Gottessohn in den Händen der Menschen, ausgeliefert und behandelt wie ein Verbrecher - nur noch wenige Stunden trennen ihn vom grausamen Tod am Kreuz. Einsamkeit, Verlassenheit im Leid, auch das muss der Gottessohn erleben. Seine Freunde, seine Jünger, seine Weggefährten sind nun nicht mehr da. Doch es ist diesem Jünger Petrus nicht gleichgültig, was mit seinem Herrn geschieht. "Simon Petrus aber folgte Jesus“ (Johannes 18,15), „Petrus aber saß draußen im Hof" (Matthäus 26,69).

Draußen im Hof - wenigstens in der Nähe des Herrn sein, wenigstens erfahren, wie es nun mit ihm weitergeht. Er kann nicht verstehen, was vor sich geht, aber er will nicht fliehen, zu groß sind seine Verbundenheit und seine Liebe zu seinem Meister. Matthäus berichtet: "Es trat eine Magd zu ihm und sprach: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer" (Matthäus 26,69). Auch du also. Du gehörst zu dieser Schar, zu diesen Verrätern, zu diesem Aufwiegler, diesem Jesus. Gib es zu – ich habe dich ohne­hin erkannt! Eine peinliche, eine unangenehme Situation. Jetzt, ja jetzt wäre Mut gefragt, ein klares Bekenntnis zu seinem Herrn, den er doch lieb hat. Petrus, jetzt bist du gefordert!

"Er aber leugnete vor allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst" (Matthäus 26,70). Doch das Misstrauen ist erwacht, der Verdacht liegt in der Luft. "Als er aber in das Torgebäude hinausgegangen war, sah ihn eine andere; und sie spricht zu denen, die dort waren: „Auch dieser war mit Jesus, dem Nazaräer." Und wieder leugnete er mit einem Schwur: Ich kenne den Menschen nicht! Kurz nachher aber traten die Umstehenden herbei und sprachen zu Petrus: „Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen, denn auch deine Sprache verrät dich. Da fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und gleich darauf krähte der Hahn“ (Matthäus 26,71-75).

Bittere Tränen

Es ist aus. Petrus ist an seine Grenzen gelangt. Wie sehr war er doch überzeugt gewesen, seinen Herrn bis zum Tod die Treue zu halten! Hätten wir an Petrus‘ Stelle anders reagiert? Ich weiß es nicht. Aber ich kann gut verstehen, wie es Petrus nun ergangen ist. Wie er sich gefühlt hat. Und wie Jesus empfunden hat. Lesen wir nach bei Lukas! Dieser berichtet: "Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an; und Petrus dachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: Bevor ein Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich" (Lukas 22,61 und 62). "Petrus weinte bitterlich." Ich bin für diesen kurzen Satz in der Bibel sehr dankbar. Ein Mann, der sich nicht schämt, über sein Versagen heiße Tränen zu vergießen. Das ist Reue, die tief ins Herz hineinreicht. Ja, ich habe versagt, vor dir, mein Herr! Du warst immer gut zu mir gewesen und ich, ich habe nicht einmal dazu gestanden, dass ich zu dir gehöre. Verflucht habe ich mich dafür, doch nun ist es geschehen. Dein Blick, der hat mir alles gezeigt, deine Liebe, mein Versagen, meine Schwachheit.

Eine neue Chance

Eine traurige Geschichte? Am Ende nur Tränen und Verzweiflung? Nicht, wo Gottes Liebe mit im Spiel ist. Wo wir am Ende sind, fangen Gottes Möglichkeiten erst an. Jesus und Petrus sehen sich wieder, nach der Kreuzigung, nach der Auferstehung des Herrn. Jesus wendet sich zunächst mit einer Frage an Petrus – lesen wir nach bei Johannes Kapitel 21, ab Vers 15:

"Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hüte meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? Und sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!"

Wo Gottes Liebe hinfällt, beginnt neues Leben, dort ist Zukunft und Hoffnung, dort geht es weiter, hinein in das große Abenteuer mit Gott. Jesus hat nie aufgehört, Petrus zu lieben, auch durch die schmerzvolle Erfahrung seiner Verleugnung, seines Scheiterns hindurch nicht. Gottes Liebe ist eine Liebe, die auf den anderen blickt, eine Liebe voller Erbarmen, Geduld und Gnade. So ist Gott!

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