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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1801

Zuhause bei Gott

Glauben Sie? An wen oder was glauben Sie? Was bedeutet es eigentlich konkret, an Gott zu glauben? Eine kurze interessante Definition des Wortes "glauben" findet sich im "Neutestamentlichen Wörterbuch" von Ralf Luther: "Glauben heißt im Hebräischen: gewiss sein, trauen, ja sagen; der griechische Ausdruck [kursiv]pistis[/kursiv] bedeutet Treue; im Deutschen ist glauben verwandt mit geloben (Treue versprechen). Wenn in der Bibel davon die Rede ist, dass ein Mensch glaubt, so hat das die Grundbedeutung, dass der Mensch an seiner Zugehörigkeit zu Gott festhält - dass er sich von seiner himmlischen Heimat nicht abdrängen lässt."

Die "himmlische Heimat"

Wir Menschen haben unser Zuhause verloren - und damit ist unser menschlicher Zustand gemeint. Eigentlich sind wir alle heimatlos, auswärtig - oder sagen wir es noch krasser - auf der Flucht und in der Fremde. Seit dem Verlassen des Paradieses lebt der Mensch nicht mehr in der Umgebung, für die er geschaffen worden ist. Vielleicht ist uns das gar nicht so bewusst, aber unsere Bestimmung war ein Leben in Frieden, Freude und Liebe in einem sicheren, ewigen, schönen Zuhause bei Gott – und mit Gott. Wir konnten leben - aber jetzt eben nicht mehr. Wir sind in der Ferne, im fremden Land, wie der "verlorene Sohn" im Gleichnis Jesu (Lukas 15). Dem Sohn, der seinen Vater verlassen hatte, ging es zuerst gar nicht so schlecht - zumindest solange er genug Geld hatte. Mit Geld kann man sich viel kaufen: Vergnügen, schöne Dinge, Spaß, Luxus ... aber keine echten Freunde! Das merkte der Sohn auch, denn am Schluss war niemand da außer den Schweinen, die er hüten musste, um zu überleben, denn das Geld war restlos aufgebraucht. Und nun passierte etwas Entscheidendes. Der Sohn dachte an sein Zuhause. Er erinnerte sich: Das war doch gut dort, ihm fehlte nichts, sogar den Knechten ging es bei seinem Vater gut. Vielleicht dachte er sich auch: Wie konnte ich nur so dumm sein, das alles aufzugeben! Was für ein Fehler! Hoffentlich habe ich noch eine Chance, dort wieder aufgenommen zu werden! Das wusste er ja zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Er machte sich einfach auf, zurück in die Heimat, in sein Zuhause. Dort wurde er liebevoll vom Vater empfangen und versorgt. Seine Rückkehr wurde mit einem großen Fest gefeiert.

Heimweh

Dieses Gleichnis hat uns viel zu sagen, aber ein ganz bestimmter Punkt soll hier betont werden: das Heimweh. Haben wir Menschen heute nicht auch das Gefühl, es könnte irgendwo oder mit irgendjemandem wieder ganz gut werden? Vielleicht denken oder spüren wir: Irgendwo ist mein Glück, ich habe es noch nicht gefunden. Aber ich ahne, dass das Hier und Jetzt nicht alles ist. Manchmal ist das ein Strohhalm, an den wir uns klammern, wenn es uns ganz schlecht geht. Eine letzte Hoffnung, ein Herzenswunsch, eine tiefe Sehnsucht. Aber es ist eben kein Strohhalm. Es ist Heimweh, und das sagt uns, dass wir ein richtiges Zuhause haben.

Gut, wenn wir dieses Heimweh empfinden! Wenn wir es erkennen, zulassen, nicht betäuben oder zustopfen. Die Sehnsucht nach einem wirklich guten Zuhause führt uns zurück zu dem, der dieses Zuhause für uns schon längst bereitet hat, das eigentlich ja immer da war. Wir können zu Gott zurückkehren, so wie wir sind, auch nach Schweinen stinkend, verlassen, enttäuscht, verletzt, hungrig nach Leben. Und das Beste ist: Wir müssen Gott nicht erst überzeugen oder irgendwie überreden, dass er uns wieder aufnimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Jesus ist auf diese Erde gekommen, um uns zu suchen und zu finden. Um uns in unser Zuhause zu bringen.

Unser Zuhause bei Gott

Was gehört dazu, wie ist es eingerichtet? Was ist unser Platz dort? Stellen wir uns doch ganz konkret vor: Wir kommen nach Hause. Da ist zunächst einmal eine Tür, die geöffnet werden muss. Sie ist gut verschlossen bzw. verriegelt, damit niemand Ungebetener hineinkommt und etwas in unserem Zuhause zerstört oder stiehlt. Wir haben den Schlüssel in der Hand, wir können die Tür öffnen.

Was hat Jesus von sich gesagt? "Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben." (Johannes 10,7-10)

Ist Ihnen aufgefallen, dass Jesus NICHT sagt, dass er die Tür "öffnet"? Er IST die Tür. Es gibt nur den einen Weg zur Weide: Jesus. Es gibt nur den einen Weg zur Rettung. Das klingt gar nicht modern, sondern exklusiv und anspruchsvoll. Aber warum sollte es nicht so sein? Jesus hat furchtbar dafür gelitten und ist dafür gestorben, um uns den Eingang zur Weide zu ermöglichen. Doch was ist eigentlich die Weide? Ich denke, Jesus erklärt das in der Folge selbst: Er ist gekommen, damit wir Leben haben und zwar im Überfluss. Ein unglaubliches Versprechen! Leben im Überfluss, so viel Leben, dass es in die Ewigkeit fließt und mündet. Luther hat einen anderen, sehr schönen Ausdruck dafür: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge." (Johannes 8,10) "Volle Genüge" - das klingt nach satt sein, zufrieden sein, alles haben, was man braucht, und mehr noch dazu. Beschenkt werden. Ankommen. Das ist ein zutiefst menschlicher Wunsch.

Im Vorraum

Durch die Tür gelangt man ins Haus bzw. in die Wohnung. Im Vorraum legen wir unsere Mäntel und Jacken ab und ziehen uns die Straßenschuhe aus. Zu Hause brauchen wir diese Bekleidung nicht mehr, es ist trocken und - hoffentlich – warm. Auch das hat eine Parallele zum Leben mit Gott. Wir benötigen vor Gott nicht unseren Schutz vor der Welt. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Wir können auch unsere Masken vor ihm ablegen. Wir müssen nichts verstecken oder verheimlichen. Er sieht auch in unsere Dunkelheit hinein. Aber es ist kein Röntgenlicht, kein Bühnenscheinwerfer. Es ist ein warmes, helles, klares Licht, das unsere Finsternis hell macht. Und das ist gut so. Gott ist einfach überall - und wie finster es sein mag, wie viel Dunkelheit uns umgibt oder in uns ist - sie wird zum Tag, wenn Gott hineinscheint.

Auch Jesus hat uns versprochen, dass wir das Licht des Lebens haben, wenn wir ihm nachfolgen. Niemand muss in der Dunkelheit bleiben. Das ist eine gewaltige Zusage, das ist die Lebensrettung! Und im Hellen lebt es sich viel besser. Gott kann JEDEN aus der Finsternis herausführen!

Das Badezimmer

Kehren wir zum Bild des Zuhauses zurück. Wir haben also die Mäntel abgelegt, Licht aufgedreht, und dann fällt uns - vielleicht - ein, dass wir die Hände waschen sollen. Wir gehen also ins Badezimmer. Dort sind Wasser und Seife vorhanden, und unsere Hände werden schnell sauber. Wie sieht es innen aus? Haben wir vielleicht schon länger probiert, "rein" zu werden und wieder eine weiße Weste zu tragen? Es gibt jemanden, der uns rein wäscht. Was sagt Gott darüber? "Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Dass Gott Licht ist, und gar keine Finsternis in ihm ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit." (1. Johannes 1,5-9)

Was ist der erste Schritt? Dass wir unsere Sünden bekennen. Ich kann nur etwas be-kennen, was ich auch er-kenne. Aber dazu hilft uns ja der Spiegel im Bad. Wenn wir in den geistlichen Spiegel schauen, also in die Bibel, wird uns bewusst, was in uns nicht rein ist. Lassen wir uns von jemandem ein Stück Wahrheit über uns sagen? Darf Gott uns die Wahrheit sagen? Gott meint es absolut gut mit uns und mutet uns nicht mehr Wahrheit zu, als wir vertragen können. Genau so ein Stückchen Wahrheit, dass wir damit umgehen können. Aber es ist so wichtig, sich dieses Stückchen sagen zu lassen oder es in der Bibel zu lesen oder im Gebet zu erkennen ... und es gibt wahrscheinlich noch viele andere Möglichkeiten, wie Gott uns zum Erkennen führt.

Im Wohnzimmer

Das Wohnzimmer ist meist das Zentrum des Hauses. Dort trifft man sich und hat Gemeinschaft miteinander. Und das bringt uns zu einer ganz wichtigen Frage: Wer oder was ist im Zentrum deines Glaubenshauses? Ist es eine Person, eine Sache, eine Tätigkeit, eine Gewohnheit ...? Das sind ja nicht unbedingt schlechte Sachen bzw. Angelegenheiten, aber im Zuhause bei Gott gibt es ein klares Zentrum, und das ist Jesus Christus. Alles andere reiht sich darum oder darunter, wie man das gerne sehen möchte. Nur wenn Gott an erster Stelle steht, finden auch wir UNSEREN Platz. Alles andere ist ungesund und zersetzt das Leben. Dieser Gott möchte mit uns Gemeinschaft haben. So werden uns in Johannes 14,23 auch folgende Worte Jesu überliefert: "Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen."

Der Glaube ist geprägt von Liebe: Von der Liebe Gottes zum Menschen und von der Liebe des Menschen zu Gott. Und diese Liebe des Menschen drückt sich auch so aus, dass der Mensch die Worte Jesu hält. Und alles das zusammen bedeutet, dass Jesus und der Vater Wohnung in uns machen. Ist das nicht ein schönes Bild? Und es ist nicht nur eine schöne Vorstellung, es ist Realität! Und wenn Sie es noch nicht erlebt haben, dann geben Sie nicht auf! Gott möchte ganz sicher auch mit Ihnen Gemeinschaft pflegen.

In der Küche

Im Wohnzimmer, wo wir uns gerade befinden, sind wir auch mit Gästen zusammen. Wir wollen sie bewirten. Also gehen wir nun in die Küche. Dort wird gekocht und gebacken. Dabei kommt es vor allem auf das "Abschmecken" an. Schmecken gehört zu unseren fünf Sinnen. Die Bibel schreibt darüber auch einiges, weil sie ein Buch des Lebens ist: "Schmecket und sehet, dass der HERR gütig ist! Glücklich der Mann, der sich bei ihm birgt!" (Psalm 34,9) Das ist eine Aussage und Aufforderung zugleich. Wie kann man Güte schmecken? Indem man sie zu sich nimmt! Aus der Distanz wird sie ihre Wirkung nicht so klar entfalten können. Gottes Güte ist dazu da, dass man sie in sich aufnimmt.

Im Bau befindlich

Wir sind nun durch einige Räume unseres Glaubenshauses gewandert und haben dabei verschiedene Bereiche des Lebens mit Jesus betrachtet. An einem Haus gibt es immer etwas zu tun. Und so ist unser Zuhause bei Gott einerseits jederzeit vollkommen - weil Gott vollkommen ist. Andererseits befindet es sich immer im Bau. Wir können es um einige Zimmer erweitern. Manchmal muss erst gründlich geputzt werden. Vielleicht sollten wir auch endlich die Fenster öffnen, um unsere Gedanken und Glaubenssätze zu durchlüften. Und darf Gott im Zentrum wohnen?

Wenn ER der Mittelpunkt des Lebens ist, kehren Ordnung, Licht und Wärme auch in alle anderen Räume (Lebensbereiche) ein. Und es wird Ihr ganz persönliches Zuhause bei Gott sein, keine Wohnung vom Reißbrett, zu Dutzenden erbaut und kopiert. Sie werden sich darin wohlfühlen, denn Gott selbst ist der Architekt.

Hier und jetzt sind wir noch manchmal auf Wohnungssuche, sind noch nicht angekommen. Aber wussten Sie, dass für Sie bereits ein Zuhause vorbereitet wird, das nie mehr baufällig oder sanierungsbedürftig wird? Jesus selbst hat das versprochen: "Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin." (Johannes 14,1-3) Ist das nicht ein schönes Versprechen? Wir haben ein Zuhause bei Gott, hier - und in Ewigkeit!

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