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Verfasser: Sonja Kopa

Bildlich gesprochen (Teil 3) - Das verlorene Schaf

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu. Doch sind wir uns immer dessen bewußt, dass es uns selbst betrifft? Sind wir verloren gegangen? Und wenn ja, wie finden wir wieder nach Hause?

Haben Sie schon einmal eines der wunderschönsten Werke Georg Friedrich Händels gehört? Ich spreche von einem Werk, in dem er in ausdrucksvoller Weise das wohl bedeutsamste Ereignis der Weltgeschichte in Noten verpackt: Gott selbst wird Mensch und kommt auf diese Erde, um uns zu erretten, indem er den Tod am Kreuze stirbt. Sie wissen bestimmt schon, wovon ich spreche: ?Der Messias?. Ein gewaltiges und ausdruckstarkes Oratorium, welches gerade jetzt in den Wochen vor Weihnachten wieder vermehrt in Kirchen und Konzertsälen erklingen wird.

Doch was hat ?Der Messias? jetzt mit dem Inhalt meines Artikels zu tun? Das Oratorium selbst wohl eher wenig, aber sein Thema eine ganze Menge! Aber sehen wir uns zu Beginn das Gleichnis vom verlorenen Schaf einmal an.

Das Gleichnis

In Lukas 15,1-2 (LÜ) können wir nachlesen, wie es dazu kam, dass Jesus das Gleichnis vom verlorenen Schaf erzählte: ?Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: ?Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.??

Jesu Feinde waren immer auf der Suche nach irgendeiner Handlung oder Gewohnheit Jesu, für die sie ihn anklagen konnten. So zeigten sie sich auch sehr entrüstet, dass Jesus Umgang mit Menschen pflegte, die in ihren Augen wertlos und zu verachten waren. Sie unterstellten ihm, dass er sich in der Umgebung von sündigen Menschen wohl fühle und daher selber Sünder war. Sich selbst hielten sie für gebildet, vornehm und außerordentlich fromm. Für Zöllner und andere Menschen, die als ehrlos galten hatten sie nur Spott und Hass übrig. Christus dagegen sah in diesen Menschen Kinder Gottes, die sich zwar vom Vaterhaus entfernt hatten, aber trotzdem von Gott geliebt waren. Um den Zuhörern und auch seinen Anklägern die Liebe Gottes zu jedem Menschen zu zeigen, erzählte er das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15,4-7 LÜ):

?Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er?s findet? Und wenn er?s gefunden hat, so legt er sich?s auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen?

Schafherde

Christus appelliert hier an die Erfahrung seiner Zuhörer. Die ausgedehnten Hochebenen östlich des Jordans boten reichlich Weide für Viehherden. Wohl schon oft hatten sich Schafe in den Schluchten und auf den bewaldeten Hügeln verirrt, wo nur der Hirte sie wiederfinden konnte. Die meisten Zuhörer Jesu verstanden den Vergleich Jesu sehr wohl. Doch was möchte Jesus uns hier verdeutlichen?

Das Problem

Das Bild des verlorenen Schafes als Sinnbild für die verlorenen Menschen taucht immer wieder in der Heiligen Schrift auf. Der Psalmist bekennt Folgendes (Psalm 119, 176 Hfa): ?Heimatlos irre ich umher wie ein Schaf, das seine Herde verloren hat. Such doch nach mir, denn ich gehöre noch immer zu dir! Ich habe nicht vergessen, was du befohlen hast.? Wir Menschen sind wie Schafe, die den Weg nicht mehr zurück finden. Wir irren in der Welt umher, versuchen dort oder da einen Ausweg aus unserem Dilemma zu finden, aber müssen doch immer wieder scheitern. Wir schreien nach der Erfüllung unseres Lebens und müssen jedes Mal feststellen, dass uns eigentlich niemand wirklich hört und wir mit unserem Gewimmer nur die Raubtiere locken, die schon Beute riechen. Wohin mit unserer Angst vor der Zukunft? Wohin mit der Leere der Einsamkeit? Wohin mit unserer Schuld? Wer heilt die Verletzungen, die uns die Dornen und Steine mittlerweile zugeführt haben?

Wir wissen nicht genau, warum das Schaf verloren ging. Es kann sein, dass es sich bewusst vom Hirten entfernte. Aber genauso wahrscheinlich ist es, dass es unbewusst vom Weg abkam. In Jesaja 53,6 (LÜ) lesen wir: ?Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.? Ist es nicht das, was uns von Gott trennt? Wir sind auf unseren Weg fixiert und verlieren den Hirten aus den Augen. Nun irren wir verängstigt umher. Vielleicht ist es uns nicht bewusst, dass wir den Hirten verloren haben, aber wir spüren, dass wir uns allein fühlen und die Nacht hereinbricht.

An dieser Stelle klingt mir nun der 24. Chor des ?Messias? im Ohr, in dem der oben zitierte Text aus Jesaja 53,6 gesungen wird. Wild durcheinander und scheinbar ohne Ordnung irren die einzelnen Stimmen durch die Gegend und finden zu keinem Ziel (hier haben es Laien-Chöre mit der Interpretation am Leichtesten...). ?Der Herde gleich, vom Hirten fern, so irrten wir zerstreut und es wallte jeder seinen eignen Weg?. Aber dann tritt in die allgemeine Verwirrung das alles entscheidende Wort ?doch?. Der Bibeltext ist nämlich an dieser Stelle noch nicht zu Ende, ich habe Ihnen den zweiten Teil bis jetzt nur unterschlagen:

Die Lösung

Jesaja 53,6b (LÜ): ?Doch der Ewige warf auf ihn unser aller Missetat?. Jesus Christus, der Hirte, trug alle unsere Fehltritte ans Kreuz. Er ging bis an den Rand des Abgrunds, um auch nur ein einziges verlorenes Schaf zu retten. Jesus Christus sagt in Johannes 10,11 (LÜ) von sich selbst: ?Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe?. Gott tat alles, um uns wieder zurückzuholen. Er möchte uns die Gewissheit ewigen Lebens für die Zukunft schenken, uns aus der Einsamkeit der Sünde zurückholen, uns die Schuld abnehmen und unsere Wunden heilen.

Schafe
?Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie selbst zum Kreuz hinaufgetragen. Das bedeutet, dass wir für die Sünde tot sind und jetzt leben können, wie es Gott gefällt. Durch seine Wunden hat Christus uns geheilt. Früher seid ihr herumgeirrt wie Schafe, die sich verlaufen hatten. Aber jetzt habt ihr zu eurem Hirten zurückgefunden, zu Christus, der euch auf den rechten Weg führt und schützt.? (1.Petrus 2,24.25 Hfa). Das ist die frohe Botschaft über den Messias. Sie kann unser ganzes Dasein verändern.

Jesus wird jeden suchen und finden, der sich nicht vor ihm versteckt. Und wenn wir uns verirren, wird er uns wieder suchen und finden. Wird er uns dann zurechtweisen, weil er so viel Mühe mit uns hatte oder uns mit der Peitsche vor sich her treiben? Nein, er legt sich das Schaf auf die Schultern voller Freude und trägt es nach Hause. Im Johannesevangelium können wir nachlesen, wie Jesus über seine Schafe Folgendes spricht: ?Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.? (Johannes 10,27.28 LÜ). Es muss also nicht sein, dass wir uns verirren. Folgen wir doch Jesu Stimme, die uns täglich ruft! Er ist der Hirte, der dafür sorgen wird, dass wir alles bekommen was wir brauchen. Er möchte uns zu saftigen Wiesen führen und zu erfrischenden Wasserquellen. Er wird uns immer vorangehen und uns den richtigen Weg weisen. Und wenn der Weg durch ein finsteres Tal führt, dann geht er direkt an unserer Seite. (Psalm 23)

Sind Sie ein Schaf, das sich verirrt hat? Dann lassen Sie sich von ihm auf die Schultern nehmen. Sind Sie ein Schaf, das an der Seite des Hirten geht? Dann folgen Sie immer seiner Stimme. Der Psalmist ruft uns zu (Psalm 100,3 Hfa): ?Erkennt, dass der Herr unser Gott ist! Er hat uns zu seinem Volk gemacht, ihm gehören wir! Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde!?

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