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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:2016-01

Wir haben Hoffnung

Vor wenigen Wochen, kurz vor Weihnachten, sang ich fröhlich mit einem vor kurzem gegründeten Chor das letzte Lied im Programm. Es war eines, das wir nur wenige Tage vor dem Auftritt bekommen hatten und wir aus Zeitmangel kaum einüben konnten. Ich glaube nicht, dass dies die Zuhörer gemerkt haben, weil alle fröhlich und mit Eifer dieses Abschlusslied mitsangen. Wie lautete der Text? ...

Ich muss gestehen, dass ich nachschauen musste, weil ich keine Ahnung mehr hatte. Die erste Strophe fing so an: "Wir haben eine Hoffnung, die uns durch das Leben trägt. Wir haben einen Glauben, der uns froh macht und bewegt."

Als ich die Zeilen so las und mich an das Konzert erinnerte, geriet ich ins Grübeln. Es ist sicher keine Katastrophe, wenn man Liedstrophen vergisst. Wer kann sich schon alles merken! Aber was sehr wohl tragisch sein kann, ist, wenn man den Inhalt überhaupt nicht verinnerlicht hat und man nur Wörter aneinanderreiht, deren Bedeutung man nicht erkennt. "Wir haben eine Hoffnung ..." - angesichts der düsteren Zukunftsaussichten, die uns immer wieder durch Schreckensmeldungen vorgemalt werden, ist die Hoffnung unsagbar wertvoll. Hoffnungslosigkeit gehört zu den schrecklichsten Dingen: kein Licht mehr zu sehen, nur noch einen Blick für alles Trostlose, für alle Niederlagen, Schmerzen und alles Elend zu haben.

„Eine Hoffnung, die uns durch das Leben trägt“ – das ist es, was wir brauchen, wir alle! Hoffnung muss natürlich begründet sein. Damit meine ich nicht, dass wir schon die Lösung vor Augen haben. Allein die Tatsache, dass wir so oft in unserem Leben Hilfe erfahren haben, obwohl wir meinten, es gehe nicht mehr, sollte uns Mut machen. Auch die vielen kleinen Dinge, die unser Herz und Gemüt erfreuen, sollten einen höheren Stellenwert in unserem Leben bekommen. Nicht die Reichsten und die, die alles haben, sind am glücklichsten. Das ist hinlänglich bekannt.

"Wir haben einen Glauben, der uns froh macht und bewegt" – ach, das lässt sich so schön singen. Den Glauben hat man vielleicht, aber macht er wirklich froh und bewegt er einen, und wenn ja, in welche Richtung? Es ist ein Jammer, wenn man Christen erlebt, die nur noch klagen, ständig das Schlimmste befürchten, Unheil erahnen wollen und jedes Unglück durch ihre Haltung noch verstärken. Da ist nicht viel Hoffnung, die einen durchs Leben trägt, und da ist kein Glaube, der froh macht und bewegt.

Ja, es stimmt. Die Bibel spricht von zunehmender Ungerechtigkeit, Gewalt und von Unglücksfällen aller Art. Auch von einem Ende. Aber Gott will uns dadurch nicht die Lebensfreude nehmen, sondern uns vor dem Trugschluss bewahren, wir könnten alle Probleme der Welt lösen und ein Paradies auf Erden schaffen. Das wird es nicht geben - zumindest werden wir das nicht verwirklichen können. Keine Politik der Welt und kein Mensch wird Heil bringen, so sehr sie sich auch bemühen mögen. Dafür gibt es leider viel zu viele Interessen und Kräfte, die den Lösungen entgegenwirken.

Das alles soll uns aber nicht abhalten, dort wo wir leben, dort wo wir Beziehungen aufgebaut haben und wo sich uns Gelegenheit bietet, mit Hoffnung und Glauben etwas zu bewegen. Das müssen nicht immer große Heldentaten sein. Das fängt damit an, dass man nicht in den Chor miteinstimmt, der alles Düstere in grellsten Farben beklagt. Wie gut kann es anderen tun, wenn da jemand einen Kontrapunkt setzt. Man muss die Probleme nicht leugnen, aber man kann aufzeigen, dass es Sinn macht, nach Lösungen zu suchen. Es wäre schlimm, wenn wir verlernten, das Schöne zu betrachten, und die vielen schönen Töne überhörten, die unser Leben froh und sinnvoll machen. Und da gibt es noch den Grund von Gott, der unsere Hoffnung und Freude bestärkt.

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