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Verfasser: Pierre Intering
Erschienen in:Top Life Aktuell 1606

"Whynacht" - warum denn feiern?

Die einen können es kaum erwarten, anderen geht es gehörig auf die Nerven, und sie wollen nichts davon hören und sehen. Obwohl vielen das Fest religiös ziemlich gleichgültig ist, nützen sie es als traditionelles Familienfest, bei dem man sich mit Geschenken nicht lumpen lässt.

Nicht allzu selten sorgt das Fest der Liebe aber auch für einen gehörigen Stressschub, sodass es für so manche zu einem Fest der Hiebe geworden ist. Whynachten - why ... sorry, warum feiern so viele Menschen Weihnachten? Manche hinterfragen das Fest schon grundsätzlich aus religiösen Gründen. Schließlich gibt es keinen biblischen Beleg dafür. Warum es heute ausgerechnet der 24./25. Dezember ist, liegt vermutlich an der Tatsache, dass der 25. Dezember der höchste kultische Feiertag des Mithras-Kultes im Römischen Reich war und aus strategischen Gründen dieser Sonnenkult mit der nun vom Staat geförderten, christlich bekennenden Kirche verbunden wurde. Das war in verschiedener Hinsicht ein kluger Schachzug. Der Staat bewahrte Frieden zwischen rivalisierenden Religionen, und die Kirche gewann nebenbei viele neue Anhänger. Der christlichen Botschaft selbst wurde damit kein Gefallen getan. Zwar war es der Auftrag von Jesus Christus, seine Botschaft in die Welt zu tragen und viele neue Gemeinden zu gründen, wie es auch die Apostel taten. Doch dabei ging es nie darum, zahlenmäßig so viel und so schnell wie möglich das Christentum wachsen zu lassen. Die Zukunft für seine Nachfolger schilderte Jesus eher bedrohlich: "Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen ..." Joh. 15,20. So kam es dann auch - bis zu dem Tag, an dem die Kirche durch Konstantin "verstaatlicht" wurde. Nicht die Herzenserneuerung und eine Lebensumkehr standen im Vordergrund, sondern das Bekenntnis zu einer Religion wurde zum neuen Maßstab. Auch wenn dies nicht so gewollt war, die Entwicklung nahm ihren Lauf. Tradition und Äußerlichkeiten gewannen eine herausragende Bedeutung. Darum kamen sowohl Festtage als auch ein Geburtsfest Jesu wie gerufen.

"Whynacht?" Why not? - Warum Weihnacht? Warum nicht?

Heute spielen die damaligen Gründe, wie immer sie gewesen sein mögen, keine Rolle mehr. Bis auf wenige Ausnahmen wird das Dezemberfest auch von christlich-konservativen Kreisen nicht mehr als heidnisch-verwerflicher Kult abgelehnt. Das Geburtsfest hat freilich nicht mehr viel mit Anbetung und Verehrung zu tun, sondern ist ein liebevolles Familienfest geworden. Samt der Vorweihnachtszeit ist es ein im wahrsten Sinne des Wortes erhellendes Lichterfest in einer kalten und eher dunklen Jahreszeit. Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird so viel gekauft, genossen, geschmückt und verschenkt. Wildfremde Menschen wünschen sich "Alles Gute und frohe Feiertage" und sind auch sonst noch ein wenig freundlicher als üblich – falls der ganze Trubel einen nicht doch schon nervt.

Mogelpackung?

Zugegeben - es ist schon etwas befremdlich, wenn der Inhalt eines Päckchens nicht das enthält, was außen darauf steht. Unbestritten feiert die überwiegende Mehrheit Weihnachten nicht als Geburtsfest des Mensch gewordenen Sohnes Gottes. Wieso sollte sie auch! Man glaubt zwar, dass Jesus gelebt, gelehrt und sich für seine Zeitgenossen eingesetzt hat, aber dass er DER Sohn Gottes ist, der nur für kurze Zeit seine Gottheit abgelegt hat, um die Sündenschuld der Menschheit auf sich zu nehmen, bleibt unbeachtet. Wenn dieser Jesus dann noch in das persönliche Leben eingreifen möchte, indem seine Werte als verbindlich für die Menschheit dargestellt werden, wird es noch problematischer. Treue zum Ehepartner, Ehrlichkeit auch in kleinen Dingen, Freundlichkeit zu jedermann und Liebe sogar denen gegenüber, die einem nicht wohlgesinnt sind - das geht dann doch den meisten zu weit. Dass man zudem mit Gott reden kann und er einen auch hört ... wer’s glauben mag! Sicher, irgendetwas muss es schon geben, weil doch Dinge geschehen, die man als (pseudo)wissenschaftlich geprägter Mensch nicht erklären kann. Aber dieses Etwas soll sich schön aus dem Leben heraushalten und nur dann verfügbar sein, wenn man eine hochgeistige Diskussion führen möchte, in der man versucht, Gott und die Welt zu erklären. Verstehen kann man es sowieso nicht.

Warum schenkt man eigentlich dem Lebensabschnitt, in dem Jesus noch kein Wort sagen konnte, viel mehr Aufmerksamkeit als dem, in dem er etwas deutlich und klar formulieren konnte? Das Baby ist ja süß und bedarf unseres Mitgefühls. Dass wir aber selbst das Mitgefühl Gottes und seine Aufmerksamkeit benötigen, ist uns eher unangenehm. Es macht uns so unselbstständig. Wir wollen doch selbst bestimmen, was wir wann brauchen, und das Leben lieber selbst in die Hand nehmen - auch wenn wir darin immer wieder scheitern und die Fehler unendliche Male wiederholen. Wir sind heute dermaßen aufgeklärt, dass uns bald die ganze Welt um die Ohren fliegt. Dabei sind sicher nicht die militanten Islamisten der hauptsächliche Grund. Wir schaffen es auch ohne sie, dass Ärger, Hass, Ungerechtigkeit, Übervorteilung, Mobbing, Beleidigungen, Beschimpfungen, Gewalt und Verbrechen ständig zunehmen. Immer mehr Menschen bleiben auf der Strecke. Täter werden zu Opfern, Opfer zu Tätern. Wo und wie soll das alles enden?

"Whynacht" – oder Weihnacht mal anders

Warum? Warum entwickelt sich so vieles in eine Richtung, die uns Angst macht? Wenn sich die unzähligen Menschen diese Weihnachten Zeit nehmen, um sich diese Fragen zu stellen, dann kann etwas bewegt werden. Wo ein Mensch mit sich persönlich und mit seiner Familie ins Reine kommt, bleibt das nicht unbemerkt. Wenn man ehrlich bleibt, anderen Respekt entgegenbringt, das Recht Recht sein lässt und sich geduldig den Herausforderungen des Lebens stellt, zieht das Kreise. Keiner lebt schließlich für sich selbst. Alles, was wir sagen und tun, wirkt sich auf andere aus. Es verbessert oder verschlechtert die eigene Lebensqualität und auch die der anderen.

Wir haben es gerade heute notwendig, die christliche Botschaft mit allem Drum und Dran ernst zu nehmen. Es überwiegt auch die Angst vor einströmenden Religionen nur deshalb, weil die christliche Botschaft farb- und kraftlos geworden ist. Das kann man ruhig den Kirchen, Pfarrern, Pastoren oder sonstigen Kirchenleuten zuschieben, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass man selbst zu einem Scheinchristentum beiträgt. Wie sollen uns Menschen ernst nehmen, wenn wir so nebenbei erwähnen, dass wir ja nicht wirklich daran glauben, sondern das Ganze als Volksbrauch sehen. Eines muss auch klar sein: Wenn wir mit dem Christentum nichts mehr anfangen können, wird es womöglich wieder von anderen Kräften vereinnahmt werden. Wenn radikale Kräfte die Führung politisch, aber auch religiös an sich reißen, passieren wieder Dinge, die sich nachher kein Mensch wirklich gewünscht hat.

Die Zeit um Weihnachten – ob man nun religiös ist/denkt oder nicht – kann zu einer Weichenstellung beitragen. Es liegt an uns.

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