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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1204

Biblische Kraftquellen

Es gibt Zeiten, da drücken uns Traurigkeit und Sorgen nieder. Zeiten, wo wir scheinbar vor unüberwindbaren Hindernissen stehen und nicht mehr weiterwissen. Zeiten, wo die Verzweiflung an uns nagt und die Depression nahe scheint. Zeiten, in denen nichts mehr geht wie früher. Was machen SIE in solchen Zeiten?

Die Art und Weise, wie wir mit Krisen umgehen, ist für deren Ausgang entscheidend. Das klingt logisch, doch oft stehen wir uns selbst dabei im Weg. Darum heute die Einladung, das Krisenmanagement einer der großen Männer der Bibel zu studieren und dabei biblische Kraftquellen zu entdecken.

David ist ein bekannter Name. Er war einer der ersten Könige des Volkes Israel und wurde nicht zuletzt durch seine Dichtungen und Lieder berühmt. Die Psalmen sind wohl auch jenen vertraut, die heute mit der Bibel nicht mehr viel anzufangen wissen. Doch in diesen gesungenen Gebeten begegnet uns David auch als der Klagende, der Rufende, der Mutlose. Psalm 77 ist einer dieser Abschnitte der Bibel, wo wir vom tapferen Helden David offenbar nichts finden. David tritt hier nicht als der strahlende König, sondern als der Verfolgte, der Ruhelose, der Geschmähte auf. David klagt Gott sein Leid: "Rette mich, Gott, denn Wasser sind bis an die Seele gekommen. Ich bin versunken im tiefen Schlamm, und kein fester Grund ist da; in Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut schwemmt mich fort." (Psalm 69,1.2).

Bildhaft beschreibt David seinen Zustand, sein Gefühl der Haltlosigkeit. Manchmal fehlen uns die Worte, um unsere Notlage darzustellen. Es tut gut, wenigstens in Bildern reden zu können. Gott versteht uns - wie David es an anderer Stelle so treffend ausdrückt: "HERR, du hast mich erforscht und erkannt. Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst mein Trachten von fern. Mein Wandeln und mein Liegen – du prüfst es. Mit all meinen Wegen bist du vertraut. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge - siehe, HERR, du weißt es genau." (Psalm 139,1-4). Wo uns die Worte fehlen, dort weiß Gott schon genau, was wir meinen. Das ist beruhigend und trostreich. Wir müssen vor Gott nicht schöne Worte machen oder ein frommes Sprüchlein aufsagen, um sein Gehör zu finden. Das weiß auch David, wenn er seine Klage fortsetzt: "Ich bin müde von meinem Rufen, entzündet ist meine Kehle, meine Augen vergehen vom Harren auf meinen Gott." (Psalm 69,1-4).

So redet einer, der noch kaum Kraft hat, der mit Mühe sein Leid klagt. So lange gewartet, so oft um Hilfe gerufen - hat Gott nicht gehört? Schwingt da eine leichte Kritik mit, ein Vorwurf? Darf man so mit Gott reden? Jemand, der klagt, spricht noch. Wenn jemand zu reden aufhört und sich in Schweigen flüchtet, ist die Beziehung wirklich belastet - das wissen wir aus den Erfahrungen unserer Ehen und Partnerschaften. Besser noch zu klagen als den Mund für immer zu verschließen - das gilt auch für das Gespräch mit Gott. David klagt Gott seine Not und findet nun zu klareren Worten: "Mehr als die Haare meines Hauptes sind die, die mich ohne Ursache hassen, mächtig sind, die mich verderben wollen, meine Feinde sind sie ohne Grund. […] Entfremdet bin ich meinen Brüdern und ein Fremder geworden den Söhnen meiner Mutter. […] Die im Tore sitzen, reden über mich, und auch die Spottlieder der Zecher." (Psalm 69,5.9.13)

Das sind keine Kleinigkeiten, die David beschäftigen. Das sind massive Probleme, mit denen er zu kämpfen hat. Solch großes Vertrauen hat er zu Gott, dass er ihm offen seine Not darlegt. Weiß Gott es nicht ohnedies? Dennoch ist die Aussprache nötig, dennoch sollen wir vor Gott alles bringen, was uns beschäftigt. David verschweigt seine Not nicht, er nennt die Probleme beim Namen. Daraus können auch wir heute lernen. Was ist es denn, was uns quält? Was macht uns so fertig, was drückt uns nieder, was raubt uns den Atem? Wenn wir unsere Not in Worte fassen können, sind wir der Konfliktlösung schon ein Stück näher. Doch David bleibt bei der Klage nicht stehen. Er wendet sich nun direkt an Gott - mit seinem Hilferuf: "Ich aber richte mein Gebet an dich, HERR, zur Zeit des Wohlgefallens. O Gott, nach der Größe deiner Gnade erhöre mich, durch die Treue deiner Hilfe! Zieh mich heraus aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke! Lass mich errettet werden vor denen, die mich hassen, und aus den Wassertiefen! Lass die Flut der Wasser mich nicht fortschwemmen und die Tiefe mich nicht verschlingen; und lass die Grube ihren Mund nicht über mir verschließen! Erhöre mich, HERR, denn gut ist deine Gnade; wende dich zu mir nach der Größe deiner Erbarmungen! Und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knecht, denn ich bin bedrängt; erhöre mich eilends!" (Psalm 69,14-18).

Nun richtet David seine Hilferufe unmittelbar an Gott. Gott möge ihm helfen und in der Not beistehen, er möge ihn retten und bewahren. Interessant ist, dass David hier Gott mit keinem Wort „vorschreibt“, WIE denn diese Hilfe auszusehen habe. Nein, es reicht ihm, sich an „Gnade“ und an die „Größe der Erbarmungen“ Gottes zu erinnern. Mitten in seiner Klage leuchten diese Worte wie ein Anker hervor. Immer noch weiß er, dass es ein guter Gott ist, an den er glaubt. Er hat die Barmherzigkeit Gottes nicht vergessen. Können wir uns in diesem Sinne David anschließen? Wie leicht klagen wir Gott an, uns im Stich gelassen zu haben, uns zu vergessen oder gar schlecht zu behandeln. Glücklich, wer in der Not noch einen Anker hat – dass nämlich Gott gut und gnädig ist und sich gerne seiner Kinder erbarmt. Vertrauensvoll, wie ein Kind an seinen Vater, wendet sich David an Gott. Gott kann helfen, und nicht umsonst bringt der Betende seine Bitten vor ihn.

Doch David ist noch nicht am Ende seines Gebets. Voller Zorn spricht er nun über seine Feinde und rechnet mit ihnen ab: "Lass dunkel werden ihre Augen, dass sie nicht sehen, und lass beständig ihre Hüften wanken! Schütte über sie aus deine Verwünschung, und deines Zornes Glut soll sie erreichen!" (Psalm 69,24.25) Aber David! Wie redest du da! Darf ein Gläubiger solche Worte machen? Vielleicht sind wir geneigt, so über Davids Äußerungen zu denken. Darf man so mit Gott reden? Heißt es nicht bei Jesus, wir sollten sogar unsere Feinde lieben? Doch wohin mit all dem aufgestauten Zorn, mit dem Hass, der sich in der Seele angesammelt hat? Verschweigen? Sich verhärten? Verdrängen - bis dann später alles mit geballter Wut losbricht? Nein, Gott gibt uns in unseren Gebeten für alle unsere Gefühle einen Platz, sogar für die dunklen, für die wir uns vielleicht schämen. Von einer Wunde heißt es, sie brauche Luft, um zu heilen. Nicht anders verhält es sich mit den Wunden der Seele. Sie brauchen Platz und Raum und Zeit, um zu heilen. Gott gibt uns diesen Platz. Und David kommt tatsächlich zur Ruhe. Jetzt, am Ende seines Gebets, kehrt Frieden ein. "Loben will ich den Namen Gottes im Lied und ihn erheben mit Dank. […] Die Sanftmütigen haben es gesehen, sie werden sich freuen; die ihr Gott sucht, euer Herz soll leben. Denn der HERR hört auf die Armen, und seine Gefangenen verachtet er nicht. Ihn sollen loben Himmel und Erde, die Meere, und alles, was in ihnen wimmelt." (Psalm 69,31.33-35).

Gott loben - dazu findet David, nachdem er Gott all sein Leid geklagt und sich dabei an Gottes Gnade erinnert hat. Der Lobpreis Gottes macht ihn froh, der Dank an Gott verändert sein Herz. Nun kann er sich sogar an jene wenden, die noch im Elend verharren. Alle, die Gott suchen, werden sich freuen! Das ist die Erkenntnis, zu der der ehrliche Beter findet - und das ist die Erkenntnis, die uns dieser Psalm aus einer vergangenen Zeit auch heute noch mitgeben möchte!

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