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Verfasser:Mag. Claudia Flieder
Erschienen in:Top Life Aktuell 1401

Wertvoll und geliebt

Er war Zöllner - und unbeliebt. Kein Wunder, ließ er doch von den täglichen Einnahmen so etliches in die eigenen Taschen fließen. Mit der verhassten römischen Besatzungsmacht arbeitete er zusammen, was seinem Ruf in der Stadt nicht gerade gut bekam. Zachäus war sein Name, der Zöllner Zachäus.

Aber war er in seinem Herzen wirklich so hart und abgebrüht? Immerhin interessierte er sich für diesen armen Wanderprediger Jesus von Nazareth, von dem die Leute schon so viel berichtet hatten. Dementsprechend war das Gedränge und Getümmel, als Jesus Jericho besuchte, die Stadt, in der auch Zachäus lebte. Und da er klein von Gestalt war, hatte er keine Chance, durch die Menge zu Jesus vorzudringen. Ganz besonders dicht schlossen sich die Reihen, wenn er einen Weg durch den Menschenauflauf suchte. Aber Zachäus war ein kluger Mann. Warum nicht auf einen Baum klettern und dem Treiben von oben zusehen? Von dort könnte man doch einen Blick auf Jesus werfen! Gedacht, getan. Zachäus zögerte nicht länger und erklomm ein Geäst, das sich für diese Zwecke gut nützen ließ. Geschickt war er ja, der Zöllner aus Jericho! Langsam, aber sicher drängte sich die Menge über den Weg. Mitten drin - Jesus. Ihn schien die Aufregung um seine Person nicht sonderlich zu kümmern. In seiner ruhigen und edlen Art verkündigte er das Wort Gottes, während er mit seinen Jüngern den Weg entlangschritt. Zachäus war ganz zufrieden. Zwischen den Ästen versteckt, genoss er den herrlichen Überblick über das Geschehen.

Doch nun trat das Unerwartete ein: Gerade unter "seinem" Baum blieb Jesus stehen, blickte hinauf und rief ihm zu: "Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren" (Lukas 19,5). Damit hatte niemand gerechnet - am wenigstens Zachäus selbst. Doch er erkannte sofort seine große Chance. "Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden" (Lukas 19,6). Viele murrten. Ausgerechnet Zachäus sollte der Gastgeber Jesu sein? Wusste dieser nicht, dass Zachäus ein ganz gemeiner Betrüger war? Jesus wusste alles. Er war nicht aus Zufall unter dem besagten Baum stehen geblieben. Während sich die Masse um ihn drängte, sah Jesus den Einzelnen. Zachäus‘ Freude war kein Lippenbekenntnis, ganz im Gegenteil: Er brachte sein Leben in Ordnung, erstattete zu Unrecht an sich genommenes Geld mehrfach zurück und lebte fortan als ein redlicher Mann, im Herzen gläubig geworden und voller Freude über die Liebe Gottes, die ihm ganz persönlich galt.

(K)Ein Einzelfall

Ist die uns im Lukasevangelium überlieferte Begebenheit rund um den Zöllner Zachäus ein Einzelfall? Ja und nein. Gott sieht den einzelnen Fall - und das ist kein Einzelfall. Die Bibel ist voll von Geschichten und Berichten über Menschen, die mit Gott ganz besondere Erfahrungen machten. Ob es Abraham war, Mose, David oder Daniel, ob es sich um Frauen wie Ruth, Esther und Maria handelte (um nur einige Beispiele zu nennen), immer wieder hat sich Gott im Leben des Einzelnen mächtig gezeigt. Denken wir nur an die Evangelien! Wie oft wird uns darin berichtet, wie sich Jesus dem einzelnen Menschen in dessen Bedürftigkeit und Not zuwandte. Blinde, Lahme, Ausgestoßene, Einsame und Unglückliche kamen zu Jesus oder wurden zu ihm gebracht - und er sprach das heilende Wort, setzte eine liebevolle Geste und half den Bedürftigen. Sehr zum Ärgernis der religiösen Oberschicht, der diese Wundertaten ein Dorn im Auge waren, wollte sie doch "das Volk" in demütiger Ergebenheit wissen. Diesen Leuten kam es auf die Masse an, der Einzelne in seinem persönlichen Schicksal war ihnen gleichgültig. Jesus hingegen trat mit dem Menschen, dem er begegnete, immer in Verbindung. Voller Liebe und Geduld, voller Einsatz und Hilfsbereitschaft zeigte er sich denen, die ihn aufsuchten. Der Einzelne erkannte die Göttlichkeit Jesu – die Masse ging daran vorüber. Und wie trügerisch ist doch der Beifall der Menge! Bei Jesu Einzug in Jerusalem hieß sie ihn voller Jubel willkommen (Matthäus 21, 1-11) - und kurz darauf schrie die Masse "Kreuzige ihn!", als Pilatus ihn dem Volk vorführte (Matthäus 27,15-26).

Gott kennt mich

Wie steht es um uns heute? Wissen wir noch, dass wir von Gott gesehen und geliebt werden? Heutzutage begegnet uns ja ein besonderes Phänomen: Die Rede ist vom Individualismus. Und dennoch "verstecken" wir uns gerne in Gruppen von Gleichgesinnten. Eine Frage des Selbstwerts?

Was für Erfahrungen haben wir gemacht, als wir als Kinder das eine oder andere Mal aufgefallen sind? Waren es unangenehme Situationen oder schöne Erlebnisse, wenn wir im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen? Je nachdem werden wir uns als Erwachsene mehr oder weniger wohl fühlen, wenn wir „gesehen“ werden.

Doch wie verhält es sich, wenn Gott uns sieht? Er kennt jedes einzelne Schicksal, weiß um jedes Leben, sieht die Not genauso wie die Freude, die Schwierigkeiten wie die Sonnenseiten unseres Lebens. Ein bedrohlicher Gedanke? Nicht, wenn wir Gott vertrauen, wenn wir um seine Liebe, seine Güte und seine Barmherzigkeit wissen. So konnte auch David in Ruhe und Vertrauen beten: "HERR, du hast mich erforscht und erkannt. Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst mein Trachten von fern. Mein Wandeln und mein Liegen – du prüfst es. Mit allen meinen Wegen bist du vertraut. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge - siehe, HERR, du weißt es genau. Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, du hast deine Hand auf mich gelegt. Zu wunderbar ist die Erkenntnis für mich, zu hoch: Ich vermag sie nicht zu erfassen. Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist du da. Bettete ich mich in dem Scheol, siehe, du bist da. Erhöbe ich die Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: Nur Finsternis möge mich verbergen und Nacht sei das Licht um mich her: Auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht. Denn du bildetest meine Nieren. Du wobst mich in meiner Mutter Leib. Ich preise dich dafür, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl" (Psalm 139,1-14). Könnte das Ihr Gebet sein?

Nie mehr allein

Gott kennt uns. Das ist kein bedrohlicher Gedanke, sondern ein Mut machender, ein Sinn schenkender. Vor den Menschen mögen wir unsere Masken tragen und unsere Rollen spielen - Gott sieht ins Herz. Er kennt die heimlich geweinten Tränen, er sieht den tiefen Groll, der schon jahrelang an uns nagt, er weiß um die Probleme, die uns zu schaffen machen, und ihm sind unsere Sehnsüchte und Wünsche bekannt. Wie gut ist es doch, an einen solchen Gott zu glauben! Endlich muss ich mich nicht mehr verstecken, endlich werde ich verstanden. Wie oft habe ich mir gewünscht, da wäre jemand, mit dem ich meine Sorgen und meine geheimsten Gedanken teilen könnte, meine Ängste und Befürchtungen, mein Leid und meine Freude! Die gute Nachricht der Bibel lautet: Jesus ist der "Immanuel", der „Gott-mit-uns“ (Matthäus 1,23). Er sieht nicht auf die Masse – er sieht mich. Und darin liegt unsere große Chance. Nützen wir sie wie Zachäus - nehmen wir Jesus in unser Leben auf!

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